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Neue Einsichten vom Eismann lautet der Titel einer Reportage von Michael Zick in bild der wissenschaft (9/96). Der „Ötzi” hielt die Wissenschaft auf Trab. Fünf Jahre nach der Entdeckung des Zeugen aus dem Gletscher wurde festgestellt, dass er kein Jüngling war, sondern mit 45 Jahren ein betagter Mann. Nach 5 000 Jahren im Eis brachte Ötzi der medizinischen Forschung einen Innovationsschub.
Ötzi – durchleuchtet, gelöchert und computerberechnet – ist inzwischen so transparent, daß man versucht ist, ihn zu duzen.
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„Unser aller Ötzi”, Medienstar allenthalben, Goldesel der Südtiroler Souvenirindustrie und politisches Prestigeobjekt, verweigert dennoch hartnäckig die Antwort auf die Frage: Wer bist du?
Die Wissenschaft hält ihn, fünf Jahre nach seiner Bergung, weiter unter Verschluß und liefert nur jede Menge Einzelbefunde. Faszinierende Facetten allesamt, die für den Klarheit suchenden Zeitgenossen jedoch einen Schönheitsfehler haben: Sie widersprechen sich, werfen neue Fragen auf und enden allzuoft mit dem einschränkenden Wörtchen „aber”.
Nach den neuen Untersuchungen zum Beispiel war der prähistorische Alpenüberquerer keineswegs ein junger Mann, sondern dürfte mit mehr als 45 Jahren die meisten seiner Zeitgenossen überlebt haben. Damit relativieren sich die Desaster-Befunde vom Ötzi als körperlichem Wrack mit Arterienverkalkungen, gebrochenen Rippen, Bandscheibenschäden und massiven Verschleißerscheinungen an den Gelenken.
Gleichzeitig verschärft sich aber die Frage: Was wollte ein für Steinzeitverhältnisse so alter Mann im Spätherbst in der lebensfeindlichen Einöde eines Alpenpasses in 3 200 Meter Höhe? Bei einem solchem Alter muß auch die Palette der möglichen Todesursachen erweitert werden.
Doch dieses neue Fragengeflecht wird erst dann relevant – jetzt kommt das frustrierende „aber” –, wenn der Mineralstoff-Umbau in Ötzis Oberschenkel, Kronzeuge für die neue Altersbestimmung, nicht auf die 5 000 Jahre im Eis zurückzuführen ist.
Damit wird ein Hauptdilemma der Ötzi-Forscher deutlich: Was an den Befunden ist prähistorisch, was hat sich neuzeitlich, etwa bei der nicht immer sachgemäßen Bergung vor fünf Jahren, hinzugemogelt? „Nicht alles, was wir bisher gefunden haben, hält einer strengen Nachuntersuchung stand”, konstatiert Prof. Werner Platzer, Chef-Anatom der Innsbrucker Universität und Gralshüter des Ötzi-Leichnams.
In den Haaren des Eismannes wurden zum Beispiel überproportional hohe Mengen an Arsen nachgewiesen. Das verleitete Wissenschaftler zu dem kühnen Schnellschluß, Ötzi sei Kupferschmied gewesen. Für Platzer ist die Frage „wieder völlig offen, ob das Arsen nicht doch von außen dazugekommen ist”, nachdem es „bislang nicht gelungen ist, solche Mengen von Arsen auch in anderen Organen zu finden”.
Ähnlich vorsichtig beurteilten die Mediziner anfangs einen Parasiten-Fund auf Ötzis Haut. Erst nachdem sie bei einer endoskopischen Untersuchung auch in seinem Darm eine Unzahl von Peitschenwurm-Eiern diagnostiziert hatten, waren sie sicher, daß der Zeuge aus dem Eis unter diesen „höchst unangenehmen Bewohnern” (Platzer) litt. Der Peitschenwurm greift den Darm an und verursacht extreme Durchfälle und Blutarmut. Dieser Befund wirft neue Fragen auf zu Ötzis geringem Körpergewicht (40 Kilogramm) und seiner Todesursache.
Ötzi-Bewahrer Platzer ist sich sicher, daß bei dieser Untersuchung nichts von außen in den Leichnam hineingetragen wurde. Hartnäckig hat er in den letzten Jahren auf rigiden Vorsichtsmaßnahmen bestanden. Die Durchforschung von Ötzis Innenleben wurde so lange hinausgeschoben, bis für die Endoskopie ein Gerätesatz aus Titan zur Verfügung stand. Denn nur Glas und das teure – und schwer zu bearbeitende – Titan geben keine Ionen aus ihrem Elementebestand an die Umgebung ab.
Je eine Firma in den USA und in Deutschland hatten ein Jahr zu tun, um die diffizilen Minigeräte zu bauen und an das harte Ötzi-Gewebe anzupassen. Platzer: „Das war eine Millionenspende der beiden Firmen.”
Auch das „Einstiegsloch” für die Geräte erforderte eine Extra-Überlegung: Um beim Durchstoßen der äußeren Hautschicht nicht unerwünschte Partikel mit in den Körper zu reißen, wurde zunächst mit einem „Türflügelschnitt” ein etwa zwei mal drei Zentimeter großer Hautlappen gelöst und umgeklappt; erst dann wurde das Endoskoprohr hineingestoßen.
Danach hatten die medizinischen Spione im Ötzi-Inneren mit drei Problemen zu kämpfen:
- • Die Organe sind stark geschrumpft, was die Lokalisierung schwierig macht.
- • Der Körper ist voll mit Eis, was die Sicht erschwert.
- • Statt der sonst üblichen zwei bis vier Endoskopie-Kanäle steht nur einer zur Verfügung, durch den die Kamera und andere Geräte geführt werden müssen.
Andere Disziplinen und Arbeitsgruppen hatten ähnlich unvorhergesehene Probleme – oder aber so viel Material, daß sie bislang nur Bruchteile ihrer Arbeiten darstellen konnten, so etwa das paläobiologische Institut der Universität Innsbruck. Spezielle Fragestellungen sind oder werden in den Fachzeitschriften publiziert, die Arbeit geht der weltweiten Ötzi-Forschungsgemeinde auch für die nächsten Jahre nicht aus.
Die medizinischanatomischen Untersuchungen in Innsbruck brachten aus dem Darm steinzeitliche Gerste und Einkorn ans Licht des Atomzeitalters, dazu Knochensplitter und Quarzsand vom Zerstoßen des Getreides. Ötzis Lunge war teilweise schwarz wie eine Raucherlunge, was bei offenen Holzkohlefeuern nicht weiter verwundert. Im Oberschenkel konnten Nerven histologisch verifiziert werden, die Darmwand wurde diagnostiziert, das Knochengewebe erwies sich als gut erhalten – „alles eigentlich nichts Besonderes”, sagt Platzer.
Irritiert ist er über Ötzis Leber: „Das Gewebe ist anscheinend sehr verändert.” Doch an allfälligen Spekulationen will Platzer sich nicht beteiligen: „Das können Veränderungen durch Krankheit oder die lange Lagerung sein.” Die Wissenschaftler fanden kaum mehr Leberzellen, aber sehr viel Bindegewebe. Hatte Ötzi eine Leberzirrhose? Platzer spielt nicht mit: „Er hat noch eine Leber, aber eine sehr veränderte.”
Drei Untersuchungsfelder sind dem Innsbrucker Anatomen künftig wichtig: das Blut, die Spurenelemente und das Gehirn.
- • Die zusammengeballten Blutplättchen aus der Aorta werden aufgeschwemmt, um sie zu untersuchen. Vielleicht, so hofft Platzer, finden sich dabei Antikörper, die Auskunft geben über Ötzis Immunsystem oder steinzeitliche Erkrankungen.
- • Die Bestimmung von Spurenelementen in den Organen bringt bislang nicht bedachte Schwierigkeiten mit sich: Spurenelemente können Hinweise darauf geben, was der Mensch in der von Chemie nicht belasteten Vorzeit aufgenommen hat. Aber: Die heute geltenden Vergleichsgrößen wurden mit handelsüblichen Instrumenten ermittelt, die (im Gegensatz zu den Titangeräten) selbst Elementspuren abgeben. Taugen die bislang genutzten Tabellen deshalb überhaupt zum Vergleich?
- • Aus dem Gehirn hätte Platzer gern Gewebeproben. Denn auf den Bildern der Untersuchungen mit dem Computertomographen (CT) erscheint ein nußgroßes Areal, das sich eindeutig von den umgebenden Strukturen abhebt. Was ist das? Erst mit einem Spezialbohrer, wiederum aus Titan, kann man kontaminationsfrei in den Schädel zum Gehirn vordringen, um den dunklen Fleck in den CT-Darstellungen zu untersuchen. Das Gerät aber gibt es noch nicht.
Mit den CT-Untersuchungen an der Gletscherleiche hat der Innsbrucker Radiologe, Prof. Dieter zur Nedden eine europäische Pionierrolle übernommen. Von Anfang an dabei, durchleuchtet er mit seinem Team den Ötzi inzwischen mit der vierten Generation von Siemens-Computertomographen – und kommt damit zu ebenso faszinierenden wie zukunftsweisenden Ergebnissen.
Das Ziel ist die computersimulierte, millimetergenaue 3D-Reise durch Körper und Organe. Nicht nur beim Ötzi: Das Verfahren verspricht für viele Bereiche in der Medizin eine völlig neue Diagnostik.
„Wir hatten eine Mumie, die wir nicht angreifen durften”, beschreibt zur Nedden die Anfänge. „Es gab aber 100 Leute, die an Teilen oder Informationen aus der Leiche interessiert waren. Wir mußten also innerhalb kurzer Zeit über völlig neue Methoden nachdenken.” Zur Nedden durchleuchtete Ötzis Leib mit volldigitalisierten Röntgenbildern und bekam „unheimlich viel mehr Detailinformationen im Vergleich zu konventionellen Röntgenaufnahmen; man kann zum Beispiel auch die Weichteile ganz wunderbar sehen”, bilanziert der Leiter der Radiologie II der Universitätsklinik Innsbruck. Mit diesen Rechnerdaten schuf er über die Stereolithographie, in einer Art „rapid prototyping” einen ebenso anfaßbaren wie exakten Ötzi-Schädel.
Einen Innovationsschub in Technik und medizinischer Erkenntnis brachte ein Spiral-Computertomograph. Der erforderliche Strom kommt bei diesem Gerät nicht mehr über bewegungshemmende Kabel, sondern über Kontaktschleifen. Dadurch wird eine ununterbrochene Drehung der Röntgenröhre möglich. Ergebnis: ein fortlaufender Datensatz, der in allen drei Achsen übereinstimmt. Je langsamer man den Körper durch den Apparat schiebt, um so präziser kann man diesen 3D-Datensatz gestalten. Ötzi wurde zum Beispiel im Kopf- und Halsbereich in 1 Millimeter-, der restliche Körper in 4 Millimeter-Schnitten gespeichert. Der damit gefertigte, „phänomenal schöne” (zur Nedden) Ötzi-Schädel findet reißenden Absatz bei Interessenten in Museen und anthropologischen Instituten.
„Was uns der Eismann gebracht hat, ist ein unglaublicher Innovationsschub für die gesamte Medizin”, resumiert zur Nedden. Der Einsatz in der plastischen oder wiederherstellenden Chirurgie liegt auf der Hand. Ein Kind mit zwei Nasen, dem gerade in der Innsbrucker Klinik von Prof. Hans Anderl zu einem menschlichen Aussehen verholfen werden soll, wird sich vermutlich keiner Fortsetzungs- oder Folge-Operation unterziehen müssen. Der Chirurg kann am stereolithographischen Kopfmodell aus dem Computer seine Operationsstrategie exakt im voraus planen, er hat alle räumlichen Daten quasi in der Hand. Die Operationszeiten selbst werden sich, so schätzt zur Nedden, generell bis zu 40 Prozent verkürzen lassen.
Die Weiterentwicklung steht schon in der Innsbrucker Radiologie: ultraschnelle CT-Geräte. Ein vollkommen statisches Gerät, bei dem die Röntgenstrahlung über einen Elektronenbeschleuniger ausgelöst wird. Durch die immense Geschwindigkeit – ein Schichtbild in einer hundertstel Sekunde – „können wir als Nebenprodukt den Kalkgehalt der Gefäße sofort quantifizieren und damit die Infarktgefahr absehen”. Ein Herzinfarkt-Frühwarnsystem.
Die vorerst letzte, brandneue Methode (zur Nedden: „Das haben wir gerade zwei Monate”), mit der die Innsbrucker dank Ötzi aufwarten können: Realtime-CT. Ein superstarker Rechner setzt die Ötzi-Daten in Gigabyte-Dimensionen sofort in bildliche Information auf den Bildschirm um. Mit Hilfe einer 3D-Brille kann der Betrachter – es wirkt wie Hexerei – im Körper „spazierengehen”. Er ist nicht an CT-Schichten gebunden, sondern kann vor- und zurücktreten, er kann sich verschiedene Blickwinkel aussuchen oder um ein Innenobjekt herumgehen. Diese „virtuelle Endoskopie” enthüllt beim Ötzi: Das normalerweise mit der Lunge verbundene Brustfell hat sich von ihr gelöst und ist am Rücken hängengeblieben. Tuberkulose, blutige Verletzung?
Auf diese Weise kann man auch in Hohlorganen (Speiseröhre, Magen) schauen. Im Gegensatz zur Endoskopie kann der Betrachter auch durch das Organ auf die Nachbarstrukturen blicken. Er kann feststellen: Wie liegt ein Tumor an den Gefäßen, wie weit reicht er in das Gefäß hinein? „Wir können also Dinge sichtbar machen, die man früher erst während der Operation selbst gesehen hat. Diese neue Methode wird mit Siemens-Erlangen zur Zeit in Cleveland, Baltimore, Paris, Aachen und hier bei uns erstmals klinisch erprobt”, berichtet zur Nedden stolz – Ötzi sei Dank.
Ebenfalls Ötzi verdankt Bozen einen Touristen-Magneten. Der Mann aus dem Eis soll 1998 aus der Innsbrucker Kühlbox umziehen in ein museales Domizil der Südtiroler Landeshauptstadt. Das politische Prestige verlangt offenbar, daß der auf Südtiroler Boden gefundene Menschheits-Ahn auch auf Südtiroler Boden ausgestellt wird.
Mögen sich die Wissenschaftler, nicht nur in Innsbruck, noch so engagiert dagegen aussprechen – sie argumentieren mit ethischen und technischen Bedenken –, die italienischen Politiker berufen sich auf die Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit. Techniker prüfen derzeit mit einer deutschen Klimatechnik-Firma, wie man Ötzi ohne Schaden präsentieren kann. Ein Rat von vier Weisen, dem auch Ötzi-Schützer Platzer angehört, soll nichtwissenschaftliche Begehrlichkeiten auch in Zukunft abwehren.
Ötzis „technischer Betreuer” in Bozen, Dr. Hans Nothdurfter, kennt den Eismann seit Beginn. Er hat nicht nur die administrativen Unebenheiten geglättet, die wegen der Gletscherleiche zwischen Rom und Wien entstanden waren, er hat auch die Nachgrabung am Fundort mitbetreut. Der Archäologe am Landesdenkmalamt Bozen kennt die Südseite des Alpenkamms, das Schnalstal und den Vinschgau, wo Ötzi durchgewandert ist und wo ihn einige Zeitgenossen, Wissenschaftler wie Politiker, endgültig eingemeinden wollen. Da wird Nothdurfters Stimme ein wenig härter: „Nein”, sagt er, „die Archäologie kann nicht bestimmen, woher der Eismann stammt. Er war im Süden wie im Norden. Damit ist eine wichtige politische Frage vom Tisch!” Dadurch ist wieder Platz für das, was Nothdurfter wichtig ist: die Archäologie rund um den frühen Alpenwanderer. Und da bescheinigt er seinen Nordtiroler Kollegen Nachholbedarf: „Die sollen doch mal bei sich das Neolithikum (also Ötzis Zeit) suchen. Wir in Südtirol haben es und kennen es.”
Was zunächst eigenbrötlerisch klingen mag, bekommt seine Berechtigung durch andere Funde und Erkenntnisse:
- • In der Schweiz, oberhalb von Zermatt am 2 600 Meter hohen Theodulpaß, haben Archäologen des Schweizerischen Landesmuseums Siedlungen gefunden, die aus der Zeit zwischen 4000 bis 2000 vor Christus stammen. Daß es sich dabei um Transitlager für steinzeitliche Paßgänger handelt, gilt als sicher.
- • Der Nachweis durch den Geologen Alexander Binsteiner, daß verschiedene Feuerstein-Geräte und -Waffen im heutigen Bayern und am Bodensee aus Bergwerken in Norditalien stammen, legt ebenfalls einen neolithischen Kulturaustausch und Handel über den Alpenhauptkamm hinweg nahe.
- • Nothdurfter hat im Vinschgau Belege dafür gefunden, daß es im Süden schon vor Ötzi einen regelmäßigen Verkehr hinauf zum Alpenhauptkamm gegeben hat – und dann ja wohl auch hinüber.
Solche Puzzlesteine bedürfen stets der Vermehrung: Sie machen deutlich, daß die Steinzeitmenschen keine primitiven Kleinsippen-Tarzane waren, sondern in sozial wohlgeordneten, weiträumig planenden Organisationen lebten.
In den letzten drei Jahren hat Südtirol-Kenner Nothdurfter im Vinschgau bronzezeitliche Siedlungen gefunden (2400 bis 1200 vor Christus), die nicht nur die Hochweiden, sondern auch alle Übergänge zum Ötztal kontrollierten. Oberhalb dieser Siedlungen hat der passionierte Geländegänger nun sogar fünf Stationen aus dem Mesolithikum (7000 bis 5000 vor Christus) ausgemacht, „genau auf der Route, die man gehen muß, um ins Schnalstal und über den Alpenhauptkamm hinüber ins Ötztal zu kommen”.
Es herrschte also schon vor Ötzis Zeit Verkehr in einer menschenfeindlichen Umgebung, in der es niemals regnet, sondern Niederschlag nur in der tödlichen Form von Schnee und Eis vorkommt.
Ein Haufen Dreck brachte das Tüpfelchen auf dem i: Aus der Nachgrabung an Ötzis Fundort wurden über 400 Säcke Boden und Lehm ins paläobiologische Institut in Innsbruck gebracht. „Eine einzige Probe haben wir gewaschen – und schon hatten wir mesolithische Pfeilsplitter”, begeistert sich Nothdurfter. An Ötzis Rast- und Todesplatz lagerten also bereits Jahrhunderte vor ihm die noch früheren Jäger des Alpenraums.
Ötzi war, dessen ist sich der Südtiroler sicher, kein Einzelfall – im Leben nicht und im Sterben nicht. Die abschmelzenden Gletscher sind jetzt „Erwartungsgebiet”. Nothdurfter: „Wir warten jedes Jahr, daß der nächste herauskommt.”
Steckbrief
Offizieller Name: Jungneolithische Mumie aus dem Gletscher vom Hauslabjoch, Gemeinde Schnals, Autonome Provinz Bozen, Italien
Alias: Ötzi, Eismann, Frozen Fritz
Alter: 5196 bis 5296 Jahre
Todesalter: ca. 45 Jahre
Größe (heute): 159 cm
Gewicht (derzeit): 11,5 kg
Lebensgewicht: ca. 40 kg
Haare: derzeit kahl, früher dunkelbraun bis schwarz
Herkunft/Geburtsort: unbekannt
Nationalität: Europäer
Derzeitiger Aufenthaltsort: Kühlbox im Anatomischen Institut der Universität Innsbruck, eingehüllt in Eisdecken bei 98 Prozent Luftfeuchtigkeit und minus sechs Grad
Zukünftiger Aufenthaltsort: ab 1998 Museum Landeshauptstadt Bozen, Südtirol
Beruf: Grenzgänger (Hirte, Schamane, Jäger, Prospektor, Händler?)
Todesursache: unbekannt (Erfrierung, Herzstillstand, diabetisches Koma, Ritualopfer?)
Fundort: Alpen, 3 200 Meter, zwischen Tisen- und Hauslabjoch, Tirol
Besondere Kennzeichen: Nase und Oberlippe stark nach oben versetzt, Tätowierungen
Fahnder: Wissenschaftler aus aller Welt
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Mit freundlicher Genehmigung von: bild der wissenschaft, 1996, H. 9.
Erscheint in:
Radiologie; Ötztaler Gletschermumie; Archäologie
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