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bild der wissenschaft: Saguarokakteen sind gefährdet

Biologen sorgen sich um Saguarokakteen. Der stattliche Saguarokaktus, Sinnbild der amerikanischen Wüste, ist bedroht. Wissenschaftler am Desert Laboratory der University of Arizona wollen jetzt herausfinden, ob menschliche Einflüsse, Krankheiten oder Klimaänderungen daran schuld sind. Ein Bericht der US-Korrespondentin Bruni Kobbe im Juni-Heft 1996 von bild der wissenschaft.

bild der wissenschaft: Saguarokakteen sind gefährdet

Auf dem steinigen Tumamoc-Hügel, westlich der Stadt Tucson im US-Bundesstaat Arizona, duckt sich ein langgestrecktes Steingebäude unter der Mittagshitze. Schon Anfang des Jahrhunderts gründete die Carnegie-Stiftung dieses Labor, damit Biologen und Geologen vor Ort die Sonora-Wüste studieren konnten. Hier fanden die Forscher zum Beispiel heraus, daß Saguaros – die sie zu Ehren ihres Wohltäters „Carnegiea gigantea” tauften – nur im Schutz anderer Pflanzen wie dem Paloverde heranwachsen.

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Die Analyse von Samen in fossilem Rattenkot ergab, daß diese Kakteen sich nach der letzten Eiszeit von Mexiko aus bis nach Arizona ausgebreitet haben. Bereits vor Jahrzehnten kartierten und fotografierten die Forscher am Desert Laboratory ihre Umgebung und schufen so die Basis für vergleichende Studien. Die Fotos von damals zeigen, daß die Gegend um den Tumamoc-Hügel dicht von Saguaros bewachsen war. Heute stehen dort nur noch wenige „Eichen der Wüste”.

Anfang der dreißiger Jahren wurde das „Saguaro National Monument” bei Tucson eingerichtet, ein Naturschutzgebiet für den Saguaro. Später kam das „Organ Pipe Cactus National Monument” nahe der mexikanischen Grenze hinzu: Hier wachsen hauptsächlich die nahe verwandten Orgelpfeifen-Kakteen. „Diese frühen Schutzmaßnahmen waren wichtig”, sagt Dr. Betsy Pierson, Saguaro-Expertin am Desert Laboratory, „aber sie konnten den Niedergang nicht aufhalten.”

Zwischen 1940 und 1960 starb fast die Hälfte der Kakteen in den Schutzgebieten – es fehlte an Nachwuchs. Als die Schutzbehörde das Weiden von Vieh im National Monument verbot, wuchsen innerhalb eines Jahrzehnts wieder kleine Kakteen nach.

In den letzten Jahren beobachten die Biologen besorgt eine braune Kruste, meist an der Südseite der Saguaros. Aber der Verdacht, daß eine intensivere UV-Strahlung – als Folge des Ozonabbaus in der Stratosphäre – die Saguaros versengt, ließ sich nicht erhärten.

Der Blick vom Tumamoc-Hügel zeigt eine andere, unbestreitbare Gefahr für die grünen Riesen: Tucson und andere Wüstenstädte wachsen rapide. Oft müssen die Saguaros den menschlichen Siedlungen weichen. Sonst sind sie indirekt bedroht: „Eingeschleppte Pflanzen, besonders exotische Gräser, verändern die Landschaft und erhöhen die Brandgefahr”, erklärt Pierson. Auch der sinkende Grundwasserspiegel dürfte die „Ammenpflanzen” der Saguaros beeinträchtigen.

Viele Zuwanderer möchten gern einen stattlichen Saguaro im Garten haben. Daher hat – trotz aller Verbote – das Plündern der natürlichen Bestände zugenommen. Um die Empfindlichkeit des Wüstenbiotops bewußt zu machen, arbeitet das Desert Laboratory mit dem Desert Museum zusammen, 15 Kilometer westlich im nächsten Wüstental. Hier kann der Besucher die Pflanzen- und Tiergemeinschaft der Sonora-Wüste aus nächster Nähe bewundern: Da blinzelt eine Elfen-Eule aus ihrer Saguaro-Höhle, im Freigehege räkelt sich ein Ozelot, und im Terrarium sonnt sich eine Klapperschlange.

Betsy Pierson glaubt, daß die Saguaros in einem natürlichen Zyklus von Niedergang und Wiedergeburt leben. Vom Aussterben seien die Riesen der Sonora nur durch den menschlichen Unverstand bedroht.

Sonora-Wüste:

Dieses ausgedehnte Trockengebiet wurde vom Desert Laboratory als eigenes Biotop definiert. Es erstreckt sich vom südlichen US-Bundesstaat Arizona über 300 000 Quadratkilometer bis tief in den mexikanischen Bundesstaat Sonora. Bei jährlichen Niederschlägen von spärlichen 70 Millimetern in Mexiko bis zu vergleichsweise üppigen 280 Millimetern im Tucson-Becken sowie Höhenunterschieden von 1 000 Metern gedeiht eine vielfältige Wüstenflora und -fauna. Am bekanntesten ist der Saguaro-Kaktus.

Paloverde

heißt der Strauch, der einem Saguaro-Sämling häufig als schattige Kinderstube dient. Nach zehn Jahren erreicht der Kaktus-Knirps gerade ein paar Zentimeter Höhe. Wenn der Saguaro nach etwa sechzig Jahren seine ersten Blüten und „Arme” austreibt, hat er seine Ammenpflanze meist verdrängt. In den nächsten 100 Jahren kann er bis zu 15 Meter hoch wachsen, bevor Altersschwäche ihn dahinrafft. Spechte, Eulen und Tauben schätzen den Riesen als Nistplatz. Die saftigen Feigenfrüchte locken Fledermäuse, Vögel, Kojoten und Wildschweine an – und die Tohono-O’odham-Indianer, die aus den roten Früchten Marmelade und Most bereiten.

Mit freundlicher Genehmigung von: bild der wissenschaft, 1996, H. 6.

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Säulenkaktus; Kakteen­gewächse

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