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Im Juni 1900 eskalierte die Opposition der so genannten „Boxer” gegen die imperialistischen Tendenzen der westlichen Großmächte in China und damit verbunden gegen Christentum und Industrialisierung im Boxeraufstand, der Besetzung des Gesandtschaftsviertels in Peking durch die Aufständischen, in deren Verlauf auch der deutsche Gesandte Klemens Freiherr von Ketteler ermordet wurde. Die Westmächte einschließlich Deutschlands entsandten große Kontingente nach China und schlugen den Aufstand rasch und äußerst blutig nieder. Als die deutschen Truppen am 27. Juli 1900 Richtung China in See stachen, verabschiedete Kaiser Wilhelm II. sie mit der im Folgenden wiedergegebenen so genannten „Hunnenrede”, in der sich das imperialistische Sendungsbewusstsein und die nationale Arroganz des Kaisers aufs Deutlichste manifestierten.
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Große überseeische Aufgaben sind es, die dem neu entstandenen Deutschen Reiche zugefallen sind, Aufgaben weit größer, als viele meiner Landsleute es erwartet haben. Das Deutsche Reich hat seinem Charakter nach die Verpflichtung, seinen Bürgern, sofern diese im Ausland bedrängt werden, beizustehen. Die Aufgaben, die das alte Römische Reich deutscher Nation nicht hat lösen können, ist das Deutsche Reich in der Lage zu lösen. Das Mittel, das ihm dies ermöglicht, ist unser Heer. In dreißigjähriger treuer Friedensarbeit ist es herangebildet worden nach den Grundsätzen meines verewigten Großvaters. Auch ihr habt eine Ausbildung nach diesen Grundsätzen erhalten und sollt nun vor dem Feinde die Probe ablegen, ob sie sich bei euch bewährt haben. Eure Kameraden von der Marine haben diese Probe bereits bestanden, sie haben euch gezeigt, daß die Grundsätze unserer Ausbildung gute sind, und ich bin stolz auf das Lob auch aus dem Munde auswärtiger Führer, das eure Kameraden draußen sich erworben haben. An euch ist es, es ihnen gleich zu tun. Eine große Aufgabe harrt eurer: ihr sollt das große Unrecht, das geschehen ist, sühnen. Die Chinesen haben das Völkerrecht umgeworfen, sie haben in einer in der Weltgeschichte nicht erhörten Weise der Heiligkeit des Gesandten, der Pflicht des Gastrechts Hohn gesprochen. Es ist das um so empörender, als das Verbrechen begangen worden ist von einer Nation, die auf ihre uralte Kultur stolz ist. Bewahrt die alte preußische Tüchtigkeit, zeigt euch als Christen im freudigen Ertragen eurer Leiden, mögen Ehre und Ruhm Euren Fahnen und Waffen folgen, gebt an Manneszucht und Disziplin aller Welt ein Beispiel. Ihr wißt es wohl, ihr sollt fechten gegen einen verschlagenen, tapferen, gut bewaffneten, grausamen Feind. Kommt ihr an ihn, so wißt: Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter König Etzel sich einen Namen gemacht haben, der sie noch jetzt in Ueberlieferung und Märchen gewaltig erscheinen läßt, so muß der Name Deutscher in China auf tausend Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen. Wahrt Manneszucht, der Segen Gottes sei mit euch, die Gebete eines ganzen Volkes, meine Wünsche begleiten euch, jeden einzelnen. Oeffnet der Kultur den Weg ein für allemal! Nun könnt ihr reisen! Adieu, Kameraden!
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Johannes Hohlfeld (Hg.): Dokumente der Deutschen Politik und Geschichte von 1848 bis zur Gegenwart. Band 2: Das Zeitalter Wilhelms II. 1890–1918. Berlin o. J., S. 114f.
Erscheint in:
Wilhelm II. (Deutsches Reich und Preußen); Boxeraufstand
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