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Heinrich Zimmermann war Teilnehmer an einer Entdeckungsreise von James Cook, die auch nach Polynesien führte. Am 6. Januar 1779 landete die Expedition auf Hawaii, dem damaligen Owaihi. Zimmermann fasste seine Beobachtungen der Lebensweise der Einwohner zusammen.
(…) Die letzte und größte Insel davon nannte sich Owaihi; und vor dieser warfen wir am 6. Januar 1779 Anker, besserten unsere Schiffe und Tauwerke aus und hielten uns bis zum 4. Februar auf selbiger auf.
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Herr Cook nannte diese Inseln insgesamt nach des Lord Sandwichs Namen, die Sandwich-Inseln.
Die Einwohner sprechen, (…) eine den Tahiten sehr ähnliche Sprache, haben auch die nämliche Leibesgröße, die nämliche rotbraune Farbe und Gesichtsbildung. Aber ihr Wuchs und überhaupt ihr äußerliches Ansehen ist weit schöner, und in ihrem Umgang sind sie angenehmer, auch viel gesitteter und geschickter.
Das Frauenzimmer trägt am vorderen und hinteren Teil des Kopfes die Haare ganz rund abgeschnitten, auf die nämliche Art wie in England die Kinder.
Die Mannspersonen scheren sich ihre Bärte mit zwei gegeneinandergehaltenen Seemuschelschalen ab.
Beide Geschlechter sind am Leib auf die nämliche Art wie die Tahiten mit schwarzbrauner Farbe punktiert, und ihre Kleidung besteht meistenteils nur in Schamtüchern von einer Baumrinde, die aber mit verschiedenen Dessins sehr kunstvoll gemalt und so schön sind, daß man glaubt sie wären Cids oder Kattun.
Das Frauenzimmer ziert den Hals und Kopf noch mit Kränzen, die von kleinen Vogelfedern verschiedener und abwechselnder Farben gemacht, welcher Putz ihnen auch sehr wohl ansteht.
Ihre Wohnungen sind ganz zugemacht und mit einer ordentlichen Tür zum Eingange versehene Hütten, und an verschiedenen Stellen kann das Tageslicht hinein. Sie sind von unten bis oben auf mit Gras und Laub durch schön geflochtene Stricke so dicht und kunstvoll eingeflochten, daß auch der stärkste Regen nicht durchdringen kann; sie haben aber keine besonderen Zimmer oder Abteilungen. Ihr Lager besteht in einer von bemaltem Gras kunstvoll geflochtenen Matte, und jene der Tahiten kommen diesen an Kunst, Schönheit und Stärke bei weitem nicht gleich. Gerätschaften in den Hütten nahm ich gar keine bei ihnen wahr, außer aus Holz fein gedrehten Schüsseln und Teller.
Ihr Werkzeug besteht lediglich aus harten schönen Steinen, und es ist daher sehr zu verwundern, wie sie solche Gerätschaften verfertigen können.
Ihre Fahrzeuge sind kunstvoll zusammengesetzte Kähne und meistenteils mit zweierlei Farben außenher schattiert, unten sind die meisten gelbbraun und an der oberen Rundung schwarz angestrichen. Die Farbe verliert durch das Wasser nicht das mindeste. Der Bau dieser Kähne ist denen der Tahiten gleich, nur haben diese Insulaner keine so großen wie jene.
Ihre Waffen sind fünf bis sechs Fuß lange Spieße und Schleudern. Jene sind von hartem, schwarzbraunem und wie lackiert aussehendem Holze; vorn hinter der Spitze haben sie mehrere Zacken rückwärts und sind daher, wenn sie in das Fleisch eingehen, schwerlich herauszubringen; die Schleudern aber sind breit geflochtene Stricke. Dann haben sie auch noch eine Art von hölzernen Dolchen, die wie ein Degen so dünn, zweischneidig und ungefähr zwei Schuh lang sind. Sie sind mit ihren Waffen sehr geübt und geschickt; und wenn sie gegeneinander streiten, so halten sie ihre schon oben beschriebenen und zum Bett dienenden Matten zum Schutze vor sich.
Den Gegenstand ihrer Abgötterei untersuchte ich soweit es mir möglich war. Der König einer jenen Inseln ist zugleich der Hohepriester und bestimmt einen sicheren Tag, den sie feiern, oder nach ihrer Sprache matauen, und ihre Götter verehren. Wie oft das aber im Jahre und ob es mehr als einmal geschieht, weiß ich nicht.
Dieser Tag wird sehr hoch von ihnen gehalten; und keiner würde das geringste, man möge ihm auch geben was man wolte, vertauschen oder verhandeln.
Sie haben eine sehr große Anzahl Götter und nennen sie alle nach den Namen ihrer Könige und Ehris.
Diese Götter flechten sie in der Form eines Brustbildes aus einer Art dünnen und biegsamen Holzes, samt dem Hals, Kopf, Nase, Mund und Ohren. Sie setzen denselben Augen von Perlmutterschalen und große Schweinszähne ein. Von der Brust bis ganz über den Kopf besetzen sie selbige mit kleinen roten Vogelfedern in solcher Menge, daß man von dem inneren Holze gar nichts mehr wahrnimmt.
Die Brustbilder und alle übrigen Teile sind von ungeheurer Größe. Einigen von diesen ihren Göttern machen sie auf dem hinteren Teil des Kopfes falsche Haare, und einigen setzten sie auch Kappen auf, die ebenfalls auf die nämliche Art geflochten und mit Federn besetzt sind, jedoch aber mit gelben und noch mehr mit anderen Federn schattiert sind, und den römischen Pickelhauben sehr gleichen.
Sie trugen uns mehrere Götzenbilder zum Eintauschen an; wir handelten auch verschiedene von ihnen ein, die wir mit nach England nahmen.
Herrn Cook machten sie auf der Insel Owaihi auch zu einem Gott und richteten ihm zu Ehren ein Götzenbild auf. Sie nannten es nach dessen Namen: O-runa no te tuti. O-runa hieß Gott, tuti Cook. Dieser Abgott war wie der ihrige geformt, aber statt der roten mit lauter weißen Federn geziert, vermutlich aus dem Grunde, weil Herr Cook als ein Europäer von weißer Hautfarbe war.
Heinrich Zimmermann: Reise um die Welt mit Capitain Cook. Mannheim 1781. Neudruck Tübingen und Basel 1978, S. 102–107
Erscheint in:
Hawaii
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