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Auf den Inseln Tongas

An der 1785 begonnenen Expedition nahmen neben dem Entdeckungsreisenden Jean François de La Pérouse auch Botaniker, Vulkanologen und andere Wissenschaftler teil. Die beiden Schiffe steuerten im Rahmen der Reise mehrere Inseln im südlichen Pazifik, darunter auch einige tongaische Inseln, an.

Auf den Inseln Tongas

Die folgende Nacht war schrecklich. Die Finsternis, die uns umgab, war so dick, daß es unmöglich war, irgend etwas um uns zu erkennen. In dieser Lage wäre es sehr unklug gewesen, zwischen so vielen Inseln, Riffen und Korallenbänken zu kreuzen. Wir lavierten daher bis Tagesanbruch, aber da war es noch windiger als in der Nacht, und das Barometer war um drei Linien gefallen. Ich näherte mich Latte auf zwei Meilen und bekam vor dieser Insel einen Windstoß, der mich zwang, Kurs auf Kao und Toofoa zu nehmen. Diese beiden Eilande mußten uns ziemlich nahe sein, wir konnten sie im Nebel aber nicht erkennen. Kapitän Cook hatte Kao und Toofoa auf seiner Karte verzeichnet. Er war in den zwei Meilen breiten Kanal zwischen den beiden Inseln eingelaufen und hatte seine Breite und Länge genau bestimmt. Dies war für uns von größter Wichtigkeit, weil es uns ermöglichte, die Längenangaben unserer Seeuhren zu kontrollieren. Um weitere Vergleichsmöglichkeiten zu haben, liefen wir Tongatabu an. Für Herrn Dagelet hatte das Observatorium von Tongatabu die gleiche Bedeutung wie das von Greenwich, hatte doch Kapitän Cook in seinem unermüdlichen Eifer zwischen beiden Punkten innerhalb von vier oder fünf Monaten mehr als zehntausend Längen- und Breitenbestimmungen vorgenommen. Um fünf Uhr abends hellte es auf, und wir konnten die Insel Kao sehen, die die Form eines sehr spitzen Kegels hat. Bei klarem Wetter könnte man sie schon bei einer Distanz von dreißig Meilen erkennen. Die Insel Toofoa, die ebensohoch ansteigt und in deren Nähe wir uns befanden, zeigte sich nicht und blieb im Nebel verborgen.

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Die beiden Inselchen Honga Tonga und Honga Hapaee sind weiter nichts als dicke Felsen. Sie ragen jedoch so hoch aus dem Meer empor, daß man sie schon in fünfzehn Meilen Abstand wahrnimmt. Ihre Form ändert sich jeden Augenblick, und es dürfte schwierig sein, sie zu zeichnen, wenn man nicht auf der Stelle verharrt. Sie schienen mir von gleicher Größe zu sein und eine halbe Meile Umfang zu haben. Ein etwa eine Meile breiter Kanal trennt beide Inseln, die zehn Meilen weit nördlich von Tongatabu liegen. Wir erblickten Tongatabu vom Mastkorb aus am 31. Dezember um sechs Uhr morgens. Zuerst sahen wir nur die Wipfel der Bäume, die aus dem Meer emporzuwachsen schienen. Als wir näher kamen, hob sich auch das Land aus dem Wasser, aber nur zwei oder drei Klafter hoch. Wir konnten Kap van Diemen und die Klippenbank erkennen, die weit draußen vor dem Kap liegt; um die Mittagszeit hatten wir sie ungefähr zwei Meilen ostwärts. Da der Wind von Norden kam, steuerte ich auf die Südküste der Insel zu, die für Seefahrer unproblematisch ist und der man sich auf drei Flintenschuß nähern kann. Die Brandung brach sich mit Wut an der ganzen Küste, aber hinter der Brandung sahen wir lachende Baumgärten. Die ganze Insel schien bebaut zu sein, Bäume begrenzten die Felder, die im schönsten Grün prangten. Es ist wahr, wir hatten Regenzeit, die ganze Landschaft war von ihr verzaubert. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß auf einer so flachen Insel während eines Teils des Jahres eine schreckliche Trockenheit herrscht. Wir sahen auch nicht den kleinsten Hügel. Tongatabu ist so flach, wie es das Meer nicht bei Windstille ist.

Die Hütten der Insulaner lagen nicht zu Dörfern vereint nebeneinander, sondern in den Feldern zerstreut, wie in unseren reichsten Gegenden die Landhäuser. Bald stießen sieben oder acht Pirogen vom Ufer ab und kamen auf uns zu. Sie wagten aber nicht, nahe heranzukommen, obschon das Meer ganz ruhig war. Die Pirogen waren von denen auf den Navigator-Inseln nicht verschieden, aber offenbar wußten sie nicht mit ihnen umzugehen. Acht oder zehn Klafter von uns entfernt sprangen die Insassen der Boote ins Wasser und schwammen auf uns zu. In jeder Hand hielten sie eine Kokosnuß, die sie gutmütig gegen kleine Stückchen Eisen, Nägel oder kleine Beile eintauschten. Bald stieg ihr Zutrauen zu uns, und sie kletterten zu uns an Bord. Wir sprachen mit ihnen über Pulaho und Feenu; wir verkehrten miteinander wie alte Bekannte, die sich wiedersehen und sich über gemeinsame Freunde unterhalten. Ein junger Insulaner behauptete, er sei Feenus Sohn; diese Schwindelei oder diese Wahrheit brachte ihm mehrere Geschenke ein. Er stieß, als er sie entgegennahm, einen Freudenschrei aus und gab uns durch Zeichen zu verstehen, daß wir, wenn wir vor der Küste ankerten, von ihm und seinen Freunden eine Menge Lebensmittel erhalten würden, nur seien die Pirogen zu klein, um sie zu transportieren. Tatsächlich befanden sich auf den Booten weder Hühner noch Schweine, nur einige Bananen und Kokosnüsse; da die kleinste Welle diese elenden Fahrzeuge umwarf, wären die Tiere auch ertrunken, bevor wir sie hätten kaufen können.

Die Insulaner waren überaus lebhaft, aber nicht wild. In ihrem Körperbau unterschieden sie sich wenig von uns, sie waren den Matrosen weder an Größe noch an Muskelstärke überlegen. Im übrigen verrieten ihre Sprache, ihre Tätowierung, ihre Tracht, überhaupt alles, daß sie mit den Bewohnern der Navigator-Inseln einer Abstammung waren.

Jean François de La Pérouse: Zu den Klippen von Vanikoro. Weltreise im Auftrag Ludwigs XVI. 1785-1788. Stuttgart und Wien 1987, S. 298-301.

Erscheint in:

La Pérouse, Jean François de Galaup, Comte de; Tonga

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