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Der Handwerksgeselle Heinrich Zimmermann ließ sich 1776 für die dritte Weltreise des Entdeckers James Cook anheuern und beteiligte sich bei mehreren Landgängen. Hier beschreibt Zimmermann die Landung in Tasmanien (dem damaligen van Diemensland) und den ersten Kontakt mit den Bewohnern der Insel.
Am 26. Januar 1777 kamen wir nach dem südlichen Teil von Neuholland, nämlich dem sogenannten van Diemensland, und warfen in einem bequemen Hafen ungefähr 42½ Grad südlicher Breite und 150 Grad östlicher Länge Anker.
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Weil hier mehrere Wasserquellen waren und das Land auch gutes Holz bot, so wurden gleich Anstalten gemacht, von beidem einen Vorrat zu sammeln.
Es fanden sich bald an dem Ufer sieben wilde Einwohner ein, spielten anfänglich mit den auf dem Wasserfaß gelegenen Spunten, endlich warfen sie auch die Fässer um, und rollten sie hin und her, ohne jedoch uns im mindesten in unserer Arbeit zu stören.
Das Freudengeschrei und Gelächter, das diese Wilden hierbei führten, kam uns in den Gesträuchen an den Wasserquellen zu Ohren; wir liefen aus Furcht zu den Booten, in welchen wir unsere Gewehre zurückgelassen, und der Leutnantsgehilfe, Herr Hume, ein Schottländer, feuerte über die Köpfe der Eingeborenen eine Flinte ab. Die Wilden, die vorher, und wie sie uns aus den Gesträuchen herauskommen sahen, gar keine Furcht merken ließen und ganz ruhig in ihrem Spiele fortfuhren, stimmten auf diesen Schuß ein erbärmliches Geschrei an, schlugen beide Hände flach auf den Kopf und liefen in aller Eile in die Wildnis.
Herr Kommodore Cook wurde über diesen unvorsichtigen Streich sehr unwillig, besonders weil er auf seiner vorigen Reise mit den Einwohnern an der ganzen Küste von Neuholland zu gar keinem freundlichen Umgange, aller Mühe ungeachtet, gelangen konnte, auch damals auf dem jetzt in Frage kommenden van Diemensland gar keine Einwohner wahrnahm.
Herr Cook ging am nämlichen Tag nebst einigen Leuten noch ein ziemliches Stück Weges in das Land hinein, und war so glücklich, daß er bei seiner Rückkunft ungefähr neun Wilde mitbrachte. Er beschenkte sie mit Spiegeln, weißen Hemden, Gehängen von Glaskorallen und einigen metallenen Brustbildern Ihrer Majestät König Georgs III. von Großbritannien, und dieses hatte eine so gute Wirkung, daß am andern Tag schon von selbst neunundvierzig Manns- und Frauenspersonen sich bei uns einfanden; diese wurden zum Teil wie die vorigen beschenkt, waren aber gleich ihnen nicht zu bewegen, mit uns auf die Schiffe zu gehen.
Diese Wilden sind von ganz dunkelbrauner Farbe, haben ganz kurze wollige Haare, und sind nach der Äußerung des Herrn Cook den Eingeborenen an der Küste von Neuholland sehr ähnlich. Sie gehen ganz entblößt und beiderlei Geschlechter bedecken niemals ihre Scham; die Weiber hatten ihre kleinen Kinder in einem Felle auf dem Rücken hängen und trugen sie mit sich, wo sie hingingen. Ihre Mundart ist ganz fein, von ihrer Sprache aber konnten wir und auch Omai nicht das mindeste verstehen. Ihr Wuchs ist nicht der schönste, und wir bemerkten unter ihnen eine sehr krüppelhafte und bucklige Mannsperson, die nebst dieser ihrer Ungestalt noch dadurch sich von allen andern unterschied, daß sie ganz feuerrotes, wolliges Haar hatte; dieser war gleichwohl, soviel wir aus dem verehrenden Betragen der übrigen herausmerken konnten, der Befehlshaber von ihnen. Waffen nahmen wir bei ihnen gar keine wahr, und hielten sie daher für gute, unschuldige Leute, und Herr Cook konnte seine Verwunderung über den Unterschied dieser gegen jenes ungesellige wilde Volk an der Küste von Neuholland nicht genug äußern.
Ihre Nahrung besteht, soviel ich in der Geschwindigkeit erforschen konnte, aus Seemuscheln, Seeaustern und Fischen, auch allerlei Wurzeln. Es war keine Spur von Ackerbau noch von fruchtbaren Bäumen, auch sogar nicht von Hütten anzutreffen. Das Brot, das wir ihnen reichten, nahmen sie zwar an, warfen es aber gleich wieder weg.
Vermutlich verändern diese Leute, besonders bei dem in den Monaten Juni, Juli und August eintretenden größten Winter gleich den Tataren ihren Aufenthalt und ziehen nach Norden hin; es läßt sich dieses um so eher vermuten, weil Herr Cook vorher niemand von ihnen an der Küste angetroffen hat.
Über ihre Religion und Sitten konnte ich gar keine Nachricht einziehen, weil wir schon am vierten Tag nach Neuseeland abgingen.
Heinrich Zimmermann: Reise um die Welt mit Capitain Cook. Mannheim 1781. Neudruck Tübingen und Basel 1978, S. 40-44.
Erscheint in:
Cook, James; Tasmanien
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