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Rudolf von Willemoes-Suhm, Teilnehmer der Challenger-Expedition (1872-1876) schilderte in einem Brief an seine Mutter seine Erlebnisse nach der Landung auf den Fidschi-Inseln im Juli 1874.
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Wenn man durch die Straßen Levukas geht, muß es auffallen, wie sehr die neu eingeführte Zivilisation mit den noch vorhandenen wilden Elementen kontrastiert. Gleich hinter der Stadt ist ein großes Dorf der Eingeborenen, und da sieht man z. B. vor einem eleganten Schauladen zehn bis zwölf der Bewohner des Dorfes, fast ganz nackte Wilde, umherliegen, mit durchbohrten Nasen und Ohren (Salomoninsulaner) oder mit enormer Perücke und allerlei merkwürdigem Zierrat im Haar, an den Armen und Beinen. Man bemerkt auch viele originelle Gestalten, die direkt aus dem gebirgigen Inneren des großen Viti-Levu zur Stadt kommen, um sich das Leben und Treiben der Papalanjis (Weißen) anzusehen und alle Schattierungen, vom hellsten Samoaner bis zum dunkelsten Papua, ziehen an unseren Blicken vorüber. In den Tälern, dicht bei Levuka, bilden die Creeks zum Teil herrliche Bassins mit Wasserfällen, wo wir sehr erfrischende Bäder nahmen. Vorgestern fuhren dann Buchanan und ich in der Yacht des deutschen Konsuls nach Makongai, seiner Insel, hinüber, um ihn dort zu besuchen. Er hat das ganze Ding gekauft und bewirtschaftet seine Baumwollplantagen selbst mit nur einem Aufseher und circa 150 Männern und Weibern von circa 15 verschiedenen Inseln der Südsee, die nackt, mit allem erdenklichen Schmuck versehen, in den Hütten, wo die Kokosnußfaser per Maschine gereinigt oder die Baumwolle zerzupft wird, einen wunderbaren Anblick gewähren. Wir landeten gegen drei Uhr und wurden vom Konsul, einem trockenen, stark verbauerten Herrn, zunächst durch die Hütten, dann durch einen Garten und schließlich in sein Wohnhaus auf einen Hügel geführt, von wo man eine paradiesische Aussicht hat. Übrigens erschien uns dieser Mensch geizig oder gänzlich verkommen, denn sein Haus zeigte kaum mehr Spuren von Zivilisation als die Hütte eines Native. Wir badeten wieder unter einem Wasserfall, aßen sehr einfach mit dem Konsul und einem Aufseher zur Nacht und erlebten dann das seltene Schauspiel, um deswillen wir eigentlich gekommen waren, einen Meki-Tanz. Der Konsul rief nämlich den Eingeborenen, die in ihren Hütten Siesta hielten, zu, sie möchten heute uns zu Ehren einen Meki aufführen (was sonst nur am Sonnabend geschehen darf), worüber sie alsbald in ein förmliches Freudengeheul ausbrachen. Als nun gegen Abend der Mond sich in voller Klarheit hinter dem Hügel erhoben hatte, kamen die Insulaner schön geschmückt herbei. Einige hatten sich Bananen- und Palmenblätter um Kopf und Lenden oder den Rücken hinauf gebunden. Andere waren nackt geblieben, aber mit Bogen, Pfeilen, Clubs etc. bewaffnet; und alle begannen nun, die Waffen schwingend und mit rhythmischem Geheul in die klagenden Strophen des Vorsängers einfallend, einen wüsten Tanz, wobei sie bald diejenigen umkreisten, die im Zentrum standen, bald alle in Reihen oder paarweise avancierten. Diese Tänze werden mit fabelhafter Geschwindigkeit ausgeführt, sind auch alle durchaus bestimmt und reguliert; das Ganze macht aber auf den europäischen Beschauer ungefähr den Eindruck, als tanzte eine Herde der tollsten Teufel in irgendeiner Höllenszene bei bengalischem Licht. Die Weiber der Plantage standen zuschauend umher, meistens junge Mädchen; unter ihnen eine ganz junge Person, die Brust mit schönen, breiten Perlenschnüren umwunden, das Gesicht rot und schwarz angemalt; offenbar die vornehmste unter ihnen und in gewisser barbarischer Weise schön zu nennen. Sie ist die Tochter eines kleinen Chefs von Spirito-Santo, Neue Hebriden. Die übrigen waren fast alle Tokolau-Weiber (Unionsinseln) mit etwas eingedrückter Nase und vorstehendem Maulwerk, mit ziemlich heller Hautfarbe und schlichtem, langem Haar; außerdem gab es noch einige reine Papuas mit krausen Locken von den Banks-Inseln sowie Malayinnen. Letztere bekleidet, die anderen nackt, mit Grasgürtel. Nach dem Fest wurde unten im Tal Kawa bereitet, ein berauschendes Getränk, aus den Wurzeln eines Baumes, die sie trocken kauen und dann den Saft mit Wasser extrahieren, eine Operation, die fast noch ekelhafter ist, als der Geschmack des Getränks. Am anderen Morgen mußten wir nach einem herrlichen Bad leider bald wieder fortfahren und brauchten bei widrigem Wind zwölf Stunden, um nach Levuka zurückzukommen.
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Rudolf von Willemoes-Suhm: Die Challenger-Expedition. Zum tiefsten Punkt der Weltmeere 1872-1876. Stuttgart 1984, S. 174-176.
Erscheint in:
Pazifischer Ozean; Fidschi
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