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Um den Schutz von EDV-Geräten vor Blitzen und Überspannungen geht es in dem Hintergrundbericht von Carsten Fabich, der in der Ausgabe 17/99 des Computermagazins c’t erschien (hier ein Ausschnitt).
(…) Im Jahr 1752 hat Benjamin Franklin erkannt, dass der Blitz ein elektrisches Phänomen ist; die Erfindung des Blitzableiters geht auf ihn zurück. Solche Ableiter verhindern Brände und direkte Schäden an der Bausubstanz, indem sie die Energie des Blitzes gefahrlos in die Erde führen.
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Auch bei Encarta |
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Für bestimmte Bauten wie Kraftwerke, Chemieanlagen oder Krankenhäuser machen die Behörden Auflagen zur Errichtung einer Blitzschutzanlage nach aktuellem Stand der Technik. Zudem können Versicherungen bei fehlendem oder mangelhaftem Blitzschutz die Leistung versagen. Meist ist die Installation von Blitzschutzanlagen jedoch eine freiwillige Entscheidung des Erbauers. Ein Einbau empfiehlt sich auf jeden Fall bei Bauwerken, die ihre Umgebung überragen sowie bei leicht entflammbaren Dachmaterialien wie Reet oder Holz.
Gewitter bergen jedoch ebenso indirekte Gefahren für die technisierten Teile der Welt. Ein naheliegendes Beispiel dafür sind Krankenhäuser, in denen ein Ausfall der Stromversorgung zur Katastrophe führen kann. Insbesondere Intensivpatienten an lebenserhaltenden Systemen wie Herz-Lungen-Maschinen sind auf eine zuverlässige Stromversorgung existenziell angewiesen.
Im Oktober 1997 schlug ein Blitz in der Nachbarschaft einer Feuerwache in Reutlingen ein. Die Überspannung suchte sich ihren Weg über Erdpotenzialanschlüsse und Schutzleiter in die Feuerleitzentrale und zerstörte das Vermittlungssystem sowie Teile des PC-Netzwerkes. Telefonleitungen, Notrufleitungen und Direktverbindungen zu Polizeirevieren waren unterbrochen. Immerhin ließ sich innerhalb von drei Stunden die Funktionstüchtigkeit der Leitstelle wieder herstellen. Aber während dieser drei Gewitterstunden wäre die Feuerwehr im Falle eines erforderlichen Einsatzes wohl nur mit Verspätung eingetroffen.
Überspannungen durch Blitzschläge gelangen vergleichsweise oft über Telefonleitungen in Häuser. Die Telekom hat laut Aussage eines Pressesprechers einige Sicherungsmaßnahmen ergriffen, um das Schlimmste zu vermeiden. Vor allem gefährdete Überlandleitungen gibt es kaum noch, die wenigen laut Telekom noch vorhandenen sollen mit Überspannungsableitern (ÜSG) ausgestattet sein. Auch Gebäude, die als besonders gefährdet gelten, bekommen einen entsprechenden Schutz verpasst. In diese Kategorie fallen beispielsweise Häuser in flachen ländlichen Gegenden, neben denen hohe Bäume oder Türme stehen.
Unterirdisch verlegte Telefonkabel sind zwar durch das über ihnen liegende Erdreich passiv geschützt, doch hört bei analogen Anschlüssen der Schutz hier auch schon auf. Einzig in exponierten Lagen, oder dort, wo bereits einmal ein Einschlag stattgefunden hat, installiert die Telekom von sich aus einen Überspannungsschutz. Weder in Straßenverteilern noch in der TAE-Dose finden sich Schutzelemente, nur in den Baugruppen der Ortsvermittlungen sind sie regulär eingebaut. Das Risiko zerstörter Telefone kalkuliert man offensichtlich von vornherein mit ein. ISDN-Kunden stehen etwas besser da, weil die bei ihnen stets vorhandenen NTBAs (Leitungsabschlüsse) grundsätzlich entsprechende Bauelemente enthalten.
Wer nun seine TK-Anlage noch weiter schützen möchte, kann im Fachhandel zusätzliche Schutzgeräte für die Telefondose in der Wohnung kaufen. Die Telekom bietet darüber hinaus so genannte Serviceverträge für ihre Kauf- und Mietgeräte an; nach einem Blitzschaden kann man damit auf kostenlose Reparatur hoffen.
Blitzinfo
Flughäfen, Energieversorgungsunternehmen oder Landwirte wären froh über frühzeitige Gewitterwarnungen. Den einem Blitz folgenden Donner kann man nur bis zu Entfernungen von etwas mehr als 20 km hören. Gewitterwolken bewegen sich aber mitunter recht zügig und so vergehen manchmal nur wenige Minuten, bis das Unwetter eintrifft.
Auch im Freizeitbereich kann eine Prognose hilfreich sein. Segler etwa könnten ihren Törn um ein paar Stunden verschieben, oder Golfplatzbetreiber Warnungen vor einem nahenden Gewitter aussprechen, damit die Spieler ihren Schläger nicht im falschen Moment in die Luft strecken.
Die Firma Siemens überwacht die Gewitteraktivität deutschlandweit. Gegen Gebühr erteilt ihr Blitzinformationsdienst BLIDS Auskunft über aktuelles und historisches Blitzgeschehen. Dazu registrieren vierzehn über Deutschland verteilte Messstationen den Zeitpunkt des Eintreffens der elektromagnetischen Welle eines Blitzes. Genaue Zeitdaten des Global Positioning System (GPS) sorgen für eine exakte Synchronisation. Aus der Zeitdifferenz lässt sich der Einschlagsort auf 300 bis 1 000 m genau berechnen und die Amplitude gibt Auskunft über die Stromstärke des Blitzes.
Kunden können die Daten online abrufen oder werden per Fax, Handy oder Pager über bevorstehende Gewitter alarmiert (Einrichtung 300 DM, Jahresabo 210 DM). Mit einer Einzelabfrage (ab 485 DM) kann man auch nachträglich herausfinden, ob eventuell ein Blitz einen entstandenen Überspannungsschaden verursacht hat. Kostenlos sind die Blitzaktivitäten der letzten fünf Tage in einer groben Übersichtskarte per WWW abrufbar.
Informationen über das Blitzgeschehen in Europa liefert auch die Wetterzentrale. Zwar ist dieses Angebot nicht so detailliert wie der Service von Siemens, dafür aber kostenlos. Blitzintensitätskarten, die stündlich aktualisiert werden, zeigen die Aktivität über den Tagesverlauf. Ein Archiv dokumentiert das Geschehen seit Mai 1998.
Fehlgeleitet
Ein funktionstüchtiger Blitzableiter allein schützt zumindest vor der gröbsten Gefahr für Leib und Leben sowie Bränden, bewahrt empfindliche Elektronik aber nicht unbedingt vor Schaden. So schlug ein Blitz in die Niederlassung eines süddeutschen Dienstleistungsunternehmens ein und verursachte an den EDV-Geräten einen Sachschaden von zirka 20 000 Mark.
Um sich in Zukunft vor weiteren Einschlägen zu schützen, ließ das Dienstleistungsunternehmen äußere Blitzableiter installieren. Doch ein erneuter Einschlag verursachte nahezu den gleichen Hardwareschaden. Das beweist zum einen: Blitze können entgegen dem Volksglauben durchaus zweimal am selben Ort einschlagen. Zum anderen belegt es die Notwendigkeit eines Mittel- und Feinschutzes vor Überspannungen.
Blitzschäden an elektronischen Geräten machen sich jedoch nicht immer sofort bemerkbar, besonders wenn sie durch entfernte Einschläge verursacht wurden. Obwohl ein Gerät noch einwandfrei funktioniert, kann ein Spannungsstoß bereits seine Lebensspanne drastisch verkürzt haben. Der Ausfall verzögert sich dann lediglich um Tage oder Wochen. Fließen hingegen hinreichend hohe Blitzströme, lässt sich der Schaden unmittelbar an gesprengten IC-Gehäusen oder verdampften Leiterbahnen erkennen.
Finanzielle Blitzableiter
Innerhalb der Gewährleistungs- oder Garantiezeit eines Gerätes ist mancher Blitzgeschädigte geneigt, die Kosten auf den Hersteller abzuwälzen. Wer aber – unwissend oder absichtlich – ein Gerät mit Überspannungsschaden zur Reparatur gibt, kann unter Umständen auf den Kosten für die Wiederherstellung sitzen bleiben. Schließlich trifft den Hersteller keine Schuld, handelt es sich doch weder um einen herstellerbedingten Defekt noch um einen Produktionsfehler.
Hausratversicherungen inklusive Überspannungsschutz oder spezielle Elektronikversicherungen versprechen hierbei finanziellen Beistand. Jedoch decken die Hausratversicherungen in der Regel nur Schäden durch einen direkten Blitzeinschlag auf dem versicherten Grundstück. Für den Einschluss von Überspannungsschäden, die auch ein entfernter Blitz verursachen kann, verlangen die Assekuranzen meist Prämienzuschläge. Diese können bis zu 40 Pfennig je 1 000 DM Hausratneuwert betragen. Häufig finden sich jedoch im Kleingedruckten Hinweise darauf, dass Computer und DV-Geräte nicht mitversichert sind.
Eine zuschlagsfreie Versicherung von Überspannungsschäden bieten beispielsweise die Rahmenverträge des BdV Bundes der Versicherten (Schäden bis drei Prozent der Versicherungssumme) oder die WGV Württembergisch Schwäbische Allgemeine (bis fünf Prozent der Versicherungssumme).
Die geregelte Schadenssumme der Elektronik-Versicherungen in Deutschland liegt bei etwa 38 Millionen DM jährlich. Laut Auskunft des Versicherers Münchner Rück steigt die Anzahl gemeldeter Schäden seit einigen Jahren kontinuierlich. Gründe dafür gibt es mehrere. Wo in einem Privathaushalt vor 20 Jahren nur ein Telefon und TV-Gerät durch eine Überspannung beschädigt wurden, stehen inzwischen teure Multimedia-Rechner und Telekommunikations-Anlagen. Auch die Bauteile in den Geräten sind heute erheblich empfindlicher gegen hohe Spannungspulse. In Firmen und zunehmend im Privatbereich finden sich Netzwerke, die einem Blitz Tür und Tor gleich zu mehreren Rechnern öffnen.
Da Blitze und Überspannungen ein Gerät jedoch oftmals erst mit verspäteter Wirkung zerstören, ergibt sich eine kaum abschätzbare Dunkelziffer bei der Schadenssumme. Nicht jeder Haushalt hat eine entsprechende Versicherung abgeschlossen, so dass auch hier einige Schäden bei der Berechnung der Summe nicht in Erscheinung treten.
Schlimmer als die Sachschäden können bei Blitzeinschlägen die Folgeschäden wiegen – wie etwa Datenverlust, Produktionsausfall, unterbrochene Kommunikation mit Kunden oder Außendienstmitarbeitern. Obwohl die Wahrscheinlichkeit eines direkten Blitzschlages relativ gering ist, sollte sich der Einsatz präventiver Schutzmaßnahmen auch an diesen Szenarien messen.
Selbst in privaten Haushalten richten Überspannungen schnell fünfstellige Schadenssummen an, wenn es TV-, Video- und Audio-Geräte, Telefon, Fax, Computer und Haushaltsgeräte erwischt. Netzfilter für die Steckdose stellen zwar einen tragbaren Kompromiss zwischen effizientem Gesamtschutz und akzeptablen Kosten dar. Für eine Blitzschutzanlage mit abgestuftem Überspannungsschutz sind sie jedoch kein Ersatz. (…)
Mit freundlicher Genehmigung von: c't magazin @ VERLAG HEINZ HEISE, HANNOVER, Nr. 17/99, S. 130ff.
Erscheint in:
Überspannungsschutz; Computer
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