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Arbeitsgesellschaft, Gesellschaftsordnung, in der Arbeit der zentrale Lebensinhalt ist und sich der Status der Einzelnen aus ihrer Arbeitstätigkeit ergibt. In der Antike und im Feudalismus ist Arbeit in erster Linie ein negativer Begriff, trägt die Bedeutung von Leiden oder Mühsal und ist die Tätigkeit der unteren Klassen, der Sklaven oder Leibeigenen.
Die Geschichte der Arbeitsgesellschaft beginnt mit dem Aufstieg des Bürgertums, das sich selbst über Arbeit, Disziplin und Ordnung definiert. Durch Martin Luther und die „protestantische Ethik” (Max Weber) erfährt Arbeit erstmals eine positive Bewertung, der Müßiggang wird zum sozialen Feindbild. Im 16. und 17. Jahrhundert beginnt der soziale Feldzug gegen Bettler und Herumtreiber, die ersten Arbeitshäuser und Manufakturen entstehen. Gleichzeitig weicht die ländliche Produktion für den eigenen Bedarf mehr und mehr der arbeitsteiligen Produktion für einen anonymen Markt. Erst die industrielle Revolution und das Fabriksystem machen die Arbeit zur gesamtgesellschaftlichen Basis. Heute gilt Arbeit als nicht hinterfragte Voraussetzung jeglichen gesellschaftlichen Handelns, zugleich gilt jede Tätigkeit die gegen Entgelt verrichtet wird als Arbeit.
Die Kritik der Arbeitsgesellschaft wurde in erster Linie von Karl Marx geleistet. Er sieht das grundlegende Problem in der Verwandlung von Arbeit für den realen Bedarf in Arbeit als Selbstzweck, als blinde Produktion für einen anonymen Markt, als Verwandlung von lebendiger in tote Arbeit, die sich letztendlich nur im Geld verwirklicht. Diese Arbeit um der Arbeit willen nennt er abstrakte Arbeit. Sie führt zur Entfremdung des Produzenten von seinem Produkt und letztlich zur Ausbeutung der Arbeiter durch die Besitzer der Produktionsmittel. Max Weber beschreibt dies ähnlich, wenn auch weniger zugespitzt, indem er darauf verweist, dass der „Erwerb” vom Mittel zur Befriedigung der Bedürfnisse zum Zweck des Lebens mutiert (Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, 1905).
Die Ironie der Geschichte wollte es, dass die Marx’sche Kritik der Arbeit, positiv gewendet, zur Rechtfertigungstheorie der Arbeitsgesellschaften des Ostblocks wurde. In den jüngeren Debatten um die Arbeitsgesellschaft steht nicht mehr die Kritik der Arbeit als solcher im Mittelpunkt, sondern die blanke Tatsache, dass menschliche Arbeit verstärkt durch technologische Innovationen überflüssig wird. Buchtitel wie Das Ende der Arbeit (Jeremy Rifkin, 1995) oder Die arbeitslose Gesellschaft (Gero Jenner, 1997) verweisen auf die Krise der Arbeitsgesellschaft mit dem zentralen Phänomen der Massenarbeitslosigkeit. Die öffentliche Debatte teilt sich dabei in zwei Hauptfraktionen: die eine erwartet staatliche Investitionsprogramme und eine gerechtere Verteilung der Arbeit, die andere setzt auf Produktionszuwächse durch eine weitere Stärkung des Marktes. Gleichzeitig tritt verstärkt eine Frage in den Vordergrund: wie lässt sich der „Arbeitsmangel” in „Zeitwohlstand” verwandeln (Ulrich Beck: Die Zukunft von Arbeit und Demokratie, 1997). Lösungsvorschläge beziehen sich dabei häufig auf den so genannten Dritten Sektor oder Non-Profit-Bereich (Rifkin), womit vor allem Tätigkeiten gemeint sind, die dem Gemeinwohl dienen. Ulrich Beck möchte die Arbeitsgesellschaft durch eine „plurale Tätigkeitsgesellschaft” ersetzt wissen, in welcher der Status menschlicher Tätigkeiten nicht mehr von ihrer Bezahlung abhängen soll.