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Kanadischer Film, historische Entwicklung des Films in Kanada.
Der erste kanadische Film wurde 1897 von James Freer, einem Farmer aus Manitoba, gedreht und in England als Werbefilm für die Immigration nach Kanada eingesetzt. Ab 1912 wurden zwar auch fiktionale Filme gedreht, der mächtige Nachbar USA machte es Kanada jedoch unmöglich, eine eigenständige Filmindustrie zu entwickeln. Trotz einiger Glanzlichter wie die Serie Canadian Cameo (1932) von Gordon Sparling entwickelte sich Kanada bis in die dreißiger Jahre zu einem Ableger Hollywoods. Das änderte sich 1939 mit der Gründung des National Film Board (NFB).
Unter der Leitung des Dokumentarfilmers John Grierson sah das NFB seine Aufgabe in der Produktion und Verbreitung kanadischer Filme, wobei frankokanadische Filme zunächst kaum vertreten waren. Das NFB ist bis heute berühmt für seine herausragenden Animations- und Dokumentarfilme. So wurde die Dokumentation Churchill’s Island 1941 mit einem Oscar ausgezeichnet, 1952 erhielt auch Norman McLarens pazifistischer Animationsfilm Neighbours einen Academy Award.
1958 filmten die Frankokanadier Michel Brault und Gilles Groulx mit Handkameras und Rekorder Menschen und Ereignisse auf der Straße und schufen mit Les Raquetteurs einen „Direct film”, ein Dokumentarstil, der häufig kopiert wurde.
In den sechziger Jahren wurde der Spielfilm ein wichtiges Segment des kanadischen Filmschaffens. Don Owens Nobody Waved Goodbye (1964) widmete sich dem Thema jugendlicher Unzufriedenheit und lief – ein Novum für den kanadischen Film – auch erfolgreich in New York. Auch Brian Moores The Luck of Ginger Coffey (1964) war ein großer Erfolg.
Mit der Gründung der Canadian Film Development Corporation (CFDC, ab 1984 Telefilm) im Jahr 1967 wurden kanadische Filmemacher finanziell gefördert und erreichten nach und nach ein größeres Publikum außerhalb Kanadas. David Cronenberg verschaffte sich internationale Anerkennung mit hochkarätigen Horrorfilmen von verstörender Kraft, u. a. mit The Brood (1979; Die Brut), Scanners (1980; Scanners – Ihre Gedanken können töten), das Remake The Fly (1986; Die Fliege), seiner erfolgreichsten Arbeit, der Burroughs-Adaption Naked Lunch (1991; Naked Lunch – Nackter Rausch) und Crash (1996; Crash). Zum führenden kanadischen Filmemacher avancierte Atom Egoyan, ein immigrierter Armenier, der sich in seinem ambitionierten Werk häufig mit der Erfahrung von Verlust und Fremdheit hinter einer Fassade von Normalität beschäftigt. Sein intelligentes Drama Exotica (1994; Exotica) lief erfolgreich bei den Filmfestspielen von Cannes, und The Sweet Hereafter (1997; Das süße Jenseits) erhielt eine Oscar-Nominierung.
Bekannt unter Filmliebhabern sind die experimentellen Filme von Guy Maddin wie Tales from the Gimli Hospital (1988; Geschichten aus dem Gimli Hospital) und Careful (1992; Careful). Auch die frankokanadische Filmindustrie in Quebec gewann zunehmend an Einfluss. Denis Héroux’ Valérie (1968) und Claude Fourniers Deux femmes en or (1970) feierten große finanzielle Erfolge. Claude Jutras Mon oncle Antoine (1971; Mon oncle Antoine) brachte weniger pekuniären Gewinn als künstlerische Anerkennung. In den achtziger Jahren erschienen interessante Filme wie Denys Arcands Le Déclin de l’empire américain (1986; Der Untergang des amerikanischen Imperiums) und sein Oscar-nominierter, vielschichtiger Film Jésus de Montréal (1989; Jesus von Montreal) sowie Jean-Claude Lauzons preisgekrönte Arbeiten Un zoo la nuit (1987; Un zoo la nuit) oder Leoló (1992; Leoló). Atanarjuat (2001; Atanarjuat – The Fast Runner), ein bildkräftiges Werk von Zacharias Kunuk, war der erste von Inuit inszenierte und produzierte Spielfilm.