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Matthias Platzeck

Matthias Platzeck (*1953), deutscher Politiker (SPD), Umweltminister (1990-1998) und Ministerpräsident von Brandenburg (seit 2002), Vorsitzender der SPD (2005/06).

Matthias Platzeck wurde am 29. Dezember 1953 in Potsdam geboren. Nach Schulbesuch und Wehrdienst bei der NVA studierte er von 1974 bis 1979 an der Technischen Hochschule Ilmenau biomedizinische Kybernetik und war anschließend, nach Stationen als wissenschaftlicher Mitarbeiter und als technischer Direktor eines Krankenhauses, von 1982 bis 1990 als Leiter der Abteilung Umwelthygiene bei der Hygieneinspektion Potsdam tätig. Daneben absolvierte er in den Jahren 1982 bis 1987 an der Akademie für Ärztliche Fortbildung in Berlin ein postgraduales Studium im Fach Umwelthygiene.

1988 gründete Platzeck zusammen mit anderen Umweltaktivisten die Potsdamer Bürgerinitiative Argus (Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung), die sich gegen den in der DDR weit verbreiteten Raubbau an der Natur und der historischen Bausubstanz in den Städten engagierte. Im November 1989 gehörte er zu den Mitbegründern der Grünen Liga, wurde deren Sprecher und war in dieser Funktion von Dezember 1989 bis Februar 1990 Mitglied des zentralen Runden Tisches der DDR. Anschließend war er kurzzeitig (bis April 1990) Minister ohne Geschäftsbereich in der Regierung Modrow, und im März 1990 zog er für die Grüne Partei der DDR in die letzte Volkskammer der DDR ein.

Im Oktober 1990 wurde Platzeck für Bündnis 90 (siehe Bündnis 90/Die Grünen) in den Brandenburger Landtag gewählt und wenig später zum Minister für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung in der von Manfred Stolpe geführten Landesregierung ernannt. Nach der formellen Konstituierung von Bündnis 90 als Partei 1991 gehörte Platzeck dem Bundessprecherrat der Partei an; 1993 schied er aus der Partei aus, da er deren Fusion mit den Grünen ablehnte. Nach den Landtagswahlen in Brandenburg 1994, bei denen die SPD die absolute Mehrheit errang, berief Stolpe den nun parteilosen Platzeck erneut in das Amt des Umweltministers; 1995 trat Platzeck auf Anraten Stolpes der SPD bei. Bundesweit große Popularität und Anerkennung erwarb er sich durch sein überdurchschnittliches Engagement und seine Glaubwürdigkeit während des Oder-Hochwassers im Sommer 1997. Im September 1998 wurde Platzeck mit deutlicher Mehrheit zum Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam gewählt; er hatte sich auf Betreiben Stolpes für dieses Amt zur Verfügung gestellt, um als äußerst populärer SPD-Kandidat in Potsdam eine Machtübernahme durch die PDS zu verhindern.

Seit 1998 Mitglied des Brandenburger Landesvorstands der SPD, stieg Platzeck im Dezember 1999 in den Bundesvorstand der Partei auf, und im Juni 2000 wurde er – im Zuge der Neuordnung der Partei nach ihren verheerenden Verlusten bei den Landtagswahlen im September 1999 – zum Landesvorsitzenden der SPD in Brandenburg gewählt.

Im Juni 2002 gab Platzeck das Oberbürgermeisteramt auf und löste Manfred Stolpe im Amt des Ministerpräsidenten ab; auch in dieses Amt wurde er auf Betreiben Stolpes gewählt. Seinen Rücktritt und die Designation Platzecks zum Nachfolger hatte Stolpe mit der Notwendigkeit eines Generationenwechsels begründet. Platzeck führte die von Stolpe 1999 begründete große Koalition mit der CDU unverändert fort. Die Landtagswahlen im September 2004 erbrachten für die SPD Verluste, die mit 7,4 Prozentpunkten jedoch geringer ausgefallen waren, als vor dem Hintergrund des bundesweiten dramatischen Popularitätsverlustes der SPD befürchtet worden war. Die SPD blieb in Brandenburg mit knapp 32 Prozent der Stimmen stärkste Partei, und zu verdanken hatte sie dies in erster Linie Platzecks großem Engagement und seiner Aufrichtigkeit. Platzeck führte die Koalition mit der CDU fort, nachdem seine Sondierungsgespräche mit der PDS über die Bildung einer Koalition nicht zu einem akzeptablen Ergebnis geführt hatten.

Als der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering Ende Oktober 2005 überraschend seinen Rücktritt erklärte, verständigte sich die Parteiführung binnen kurzem auf Platzeck als dessen Nachfolger; am 15. November 2005 wählte der SPD-Parteitag Platzeck nahezu einstimmig – mit mehr als 99 Prozent der Delegiertenstimmen – zum neuen Vorsitzenden der SPD. Bereits im April 2006 trat er nach nur fünf Monaten im Amt aus gesundheitlichen Gründen wieder zurück; den Parteivorsitz übernahm Kurt Beck.