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attac

attac (Abkürzung für Association pour une Taxation des Transactions Financières pour l’Aide aux Citoyens: Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der Bürger), internationales Netzwerk, in dem sich zahlreiche Organisationen und Einzelpersonen zusammengeschlossen haben, um der Globalisierung unter dem Vorzeichen eines ungezügelten Neoliberalismus entgegenzutreten und sich für eine solidarische und ökologische Weltwirtschaft einzusetzen.

Ihre Entstehung verdankt attac einem Aufruf in der französischen Monatszeitung Le Monde Diplomatique im Dezember 1997, eine Bewegung ins Leben zu rufen, „um den ungehemmten Finanzspekulationen ein Ende zu setzen”. Nach ihrer Gründung am 3. Juni 1998 in Paris konzentrierte sich die Organisation zunächst darauf, für eine demokratische Kontrolle der internationalen Finanzmärkte und die Besteuerung von Spekulationsgewinnen aus Devisengeschäften nach dem Konzept des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers und Nobelpreisträgers James Tobin („Tobinsteuer”) zu werben. Die große Resonanz auf diese Initiative führte schon bald zu einer Ausweitung des Aktionsfeldes unter dem Motto: „Die Welt ist keine Ware”. Ausgehend von der Kritik an der mangelhaften demokratischen Legitimation der Supraorganisationen, die wirtschaftliche Entscheidungen von globaler Tragweite treffen (wie Internationaler Währungsfonds, Weltbank und Welthandelsorganisation), fordert attac eine fundamentale Reform des als ungerecht betrachteten Welthandelssystems einschließlich einer Schuldenstreichung für die Entwicklungsländer, schärfere Banken- und Börsenaufsicht sowie stärkere Besteuerung von Kapitaleinkünften und großen Vermögen. Unter dem Eindruck der weltweiten militärischen Aktivitäten der USA nach den Terrorattacken vom 11. September 2001 gewann die Globalisierungskritik auch eine pazifistische Dimension.

Bildungsaktivitäten zur Aufklärung über weltwirtschaftliche Zusammenhänge, Kampagnen und spektakuläre Aktionen vor allem anlässlich großer internationaler Konferenzen – u. a. bei der Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation in Seattle (USA) im September/Dezember 1999, beim Weltwirtschaftsforum in Davos (Schweiz) im Januar 2000, beim EU-Gipfel in Göteborg (Schweden) im Juni 2001, beim G-7-Gipfel in Genua (Italien) im Juli 2001 und beim Weltsozialforum in Porto Alegre (Brasilien) im Februar 2002 – verschafften attac große Aufmerksamkeit in den Medien und einen Zuwachs an Mitgliedern und Sympathisanten.

Im Jahr 2003 zählte attac mehr als 90 000 Mitglieder in etwa 50 Ländern; in Deutschland hat attac etwa 16 000 Mitglieder. Unter dem Dach des attac-Netzwerks finden sich zahlreiche Organisationen und Gruppen zusammen, die ein breites gesellschaftliches Spektrum vertreten, sich aber alle den Zielen von attac verpflichtet sehen. In Deutschland waren es 2003 über 160 Organisationen, darunter kirchliche und pazifistische Gruppen, Umweltaktivisten, Intellektuelle, Entwicklungshelfer sowie Untergliederungen von Parteien. Bei der eigenen Organisation sucht attac die Herausbildung hierarchischer Strukturen zu vermeiden; Koordinierungskreise und der „Ratschlag” als zentrales Entscheidungsgremium beschließen nach dem Konsensprinzip über die Arbeit. Angesichts der zunehmenden Unübersichtlichkeit der Organisation wurde 2002 mit der Entwicklung vereinsähnlicher Strukturen begonnen.