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Ausländische Direktinvestitionen

Ausländische Direktinvestitionen (ADI), Kapitalanlage eines Investors im Ausland mit dem Ziel der Einflussnahme auf ein zu gründendes oder bestehendes Unternehmen.

Im Gegensatz zu Portfolioinvestitionen, die vorrangig der Geldanlage dienen, wird mit der Tätigung einer ausländischen Direktinvestition die Absicht verfolgt, Betriebsstätten oder Tochterunternehmen zu errichten bzw. ausländische Unternehmen zu erwerben oder sich an ihnen mit einem Anteil zu beteiligen, der einen entscheidenden Einfluss auf die Unternehmenspolitik gewährleistet. Als Kriterium zur statistischen Abgrenzung wird in der Regel eine Kapitalbeteiligung von mindestens 10 Prozent herangezogen. Eine Form von ADI ist das Joint Venture.

Motive zur Tätigung von ADI können Steuervergünstigungen, niedrigere Lohnkosten oder geringere Umweltschutzauflagen im Ausland sein, aber auch die Umgehung von Handelshemmnissen und Sicherung bzw. Erschließung von Rohstoffquellen und Absatzmärkten. Für das Empfängerland können ADI sowohl positive Wirkungen – wie Verbesserung der Kapitalversorgung, Beschäftigungseffekte und Technologietransfer – haben, aber auch negative Folgen nach sich ziehen: Die Gefahr der Verdrängung einheimischer Produzenten oder des Einkommenstransfers zu Gunsten der Investoren ist insbesondere in Entwicklungsländern gegeben.

Das Wachstum des von multinationalen Unternehmen getätigten ADI-Volumens übertrifft seit etwa 20 Jahren deutlich das Wachstum des Weltsozialprodukts und des Welthandels und gilt als einer der wichtigsten Motoren der Globalisierung. 2001 belief sich der weltweite Bestand an ADI auf 6,8 Billionen US-Dollar, die fünf wichtigsten Empfängerländer waren USA, China, Großbritannien, Frankreich und Belgien mit Luxemburg, die fünf wichtigsten Senderländer USA, Frankreich, Belgien mit Luxemburg, Deutschland und Großbritannien.

ADI werden häufig als Indikator der internationalen Wettbewerbsfähigkeit eines Landes herangezogen, indem die Kapitalabflüsse den -zuflüssen gegenübergestellt werden. Die Bundesrepublik Deutschland entwickelte sich in den achtziger Jahren zum Nettokapitalexporteur, d. h. deutsche Unternehmen investierten wesentlich mehr im Ausland als ausländische Unternehmen im Inland. Die weit verbreitete Meinung, dies deute auf eine Schwäche der deutschen Wirtschaft hin, ist allerdings nicht wissenschaftlich erwiesen. Nach einer weltweiten Verlangsamung der Investitionsentwicklung präsentierte sich die deutsche Direktinvestitionsbilanz 2001 mit rund 480 Milliarden US-Dollar ausländischen Investivkapitals und einem deutschen Auslandsengagement von rund 514 Milliarden US-Dollar relativ ausgeglichen.