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Paul Martin (*1938), kanadischer Politiker, Premierminister von Kanada (2003-2006).
Paul Martin wurde am 28. August 1938 in Windsor (Provinz Ontario) geboren. Nach dem Studium der Philosophie und Geschichte in Toronto machte er Karriere als Manager in der Schiffbauindustrie und stieg schließlich zum Vizepräsidenten des kanadischen Konzerns Power Corp auf. 1981 kaufte er das große Schiffsunternehmen Canada Steamship Lines heraus, sanierte es in der Folge und baute es zu einem international erfolgreichen Konzern aus.
Erst nach seiner erfolgreichen Bewährungsprobe in der freien Wirtschaft ging Martin in die Politik und folgte den Fußspuren seines Vaters, der als ein führender Politiker der Liberalen in vier Regierungen Minister gewesen war. 1988 wurde Paul Martin erstmals ins Parlament gewählt, schon zwei Jahre später bewarb er sich um den Vorsitz der Liberal Party (LP), unterlag jedoch Jean Chrétien. Dieser berief, als er 1993 Premierminister wurde, seinen früheren Konkurrenten als Finanzminister ins Kabinett.
In diesem Amt, in dem er neun Jahre wirkte, sanierte Martin als einer der erfolgreichsten Finanzpolitiker in der Geschichte seines Landes die desolaten Staatsfinanzen. 1998 erwirtschaftete er erstmals seit über zwei Jahrzehnten einen Haushaltsüberschuss. Weil seine harte Sparpolitik mit dem Abbau des Wohlfahrtsstaates einherging, zog Martin auch Kritik auf sich. Als er sich zunehmend als Nachfolgekandidat von Premierminister Chrétien ins Spiel brachte, entließ dieser im Juni 2002 seinen Rivalen aus dem Kabinett. Im nachfolgenden Machtkampf setzte sich Martin durch: Im November 2003 gab Chrétien das Amt des Parteivorsitzenden an Martin ab und verzichtete in der Folge auch auf das Amt des Regierungschefs, in dem Martin am 12. Dezember 2003 als sein Nachfolger vereidigt wurde.
Im Mai 2004 beraumte Martin für den 28. Juni 2004 vorgezogene Neuwahlen an, um vor dem Hintergrund abnehmender Zustimmung zu seiner Partei deren Wiederwahl zu sichern. Grund für die schwindende Akzeptanz war der im Februar bekannt gewordene Missbrauch von Staatsgeldern in Höhe von mindestens 60 Millionen Euro durch die LP, die sie für ihre Parteiorganisation in Quebec und deren Kampagne gegen separatistische Bestrebungen veruntreut hatte. Aus den vorgezogenen Wahlen gingen die Liberalen zwar erneut als stärkste Partei hervor, gewannen aber nur 135 der insgesamt 308 Mandate und verloren damit die absolute Mehrheit, die sie zuletzt innehatten. Martin regierte nun mit einer Minderheitsregierung weiter. Obwohl Martin selbst nicht in die Finanzaffäre seiner Partei verwickelt war, vermutlich nicht einmal Kenntnis von ihr hatte, erhöhte sich in der Folgezeit wegen dieser Affäre der Druck der Opposition auf die Regierung. Eine Vertrauensabstimmung im Mai 2005 konnte die Regierung noch knapp gewinnen, eine weitere im November 2005 verlor sie jedoch, woraufhin vorgezogene Parlamentswahlen anberaumt werden mussten. Bei diesen vorgezogenen Wahlen, die am 23. Januar 2006 stattfanden, wurden die Liberalen mit 103 Mandaten nur noch zweitstärkste Kraft und mussten die Regierungsverantwortung an die Konservativen abgeben. Im Februar 2006 löste deren Vorsitzender, Stephen Harper, Paul Martin im Amt des Premierministers ab. Im März 2006 gab Martin auch den Parteivorsitz ab, den (interimistisch) Bill Graham übernahm.