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Überfischung, Dezimierung des Bestands einer Fischart durch übermäßigen Fang, so dass die befischte Art ihre Bestandsgröße nicht mehr erhalten kann.
Die Bestandserhaltung einer Fischart erfordert, dass ausreichend Jungfische bis zur Geschlechtsreife heranwachsen (weibliche Störe werden z. B. erst mit 8 bis 14 Jahren geschlechtsreif). Die Fischerei führt jedoch zusätzlich zur natürlichen Mortalität (insbesondere durch Räuber) einen weiteren gravierenden Mortalitätsfaktor in die Populationen der betroffenen Art ein. Zudem verschiebt sie durch den bevorzugten Fang großer Individuen die Altersstruktur der Population. Konsequenz der Überfischung ist nicht nur die Bedrohung der befischten Populationen, sondern auch eine mögliche Destabilisierung des Ökosystems. So können vom Rückgang einer Fischart auch Räuber wie Zahnwale, Robben oder Meeresvögel betroffen sein, die sich von diesen Fischen ernähren.
Nach Einschätzung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) war 2007 ein Viertel der weltweit genutzten Fischbestände von Überfischung betroffen. Zur Überfischung und Störung des ökologischen Gleichgewichts der Meere tragen vor allem auch riesige Fabrikschiffe und die Verwendung großer Schleppnetze bei (siehe Fischerei: Methoden des Fischfanges). In diesen Netzen verfangen sich besonders viele „unerwünschte” Fische und andere Meerestiere als Beifang und werden zumeist tot oder sterbend ins Meer zurückgeworfen. Die Überfischung hat im Zusammenwirken mit der Gewässerverschmutzung vielerorts so weitreichende Konsequenzen, dass nur noch ein mehrjähriges Aussetzen der Fischerei eine Regeneration der betroffenen Fischbestände ermöglichen würde. Überfischung wirkt sich jedoch nicht nur negativ auf die aquatischen Ökosysteme aus, sondern auch auf die Fischerei selbst: Wegen stark gesunkener Erträge verloren bereits viele Fischer und in der Fischerei Angestellte ihre wirtschaftlichen Lebensgrundlagen.
Überfischung betrifft sowohl global die Weltmeere als auch viele einzelne Regionen, insbesondere die Küstengewässer zahlreicher Meere. Zu den Fischarten, deren Bestände in Nord- und Ostsee überfischt sind, gehören beispielsweise Kabeljau, Seelachs, Schellfisch, Makrele, Seezunge und viele lokale Populationen von Sandaalen. Neben zahlreichen meeresbewohnenden Fischen, z. B. Heringen, Rotbarschen, Thunfischen sowie den meisten Haien und Rochen, leiden auch viele zwischen Meer und Süßwasser wandernde Fischarten unter Überfischung, wie Flussaale und die Lachse im Nordostpazifik sowie reine Süßwasserfische, etwa Störe. Auch andere Meerestiere, beispielsweise die Austern im Wattenmeer, sind von Überfischung betroffen. Um der Überfischung Herr zu werden, wurden für manche betroffene Arten Fangquoten und Schutzzonen eingeführt; zur Sicherung der Versorgung mit Fisch verlegt man sich verstärkt auf Fischzucht bzw. Aquakultur.