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| 1. | Einleitung |
Nordirland-Konflikt, teils gewalttätige Auseinandersetzung um den Status bzw. die Zugehörigkeit der britischen Provinz Nordirland zwischen dem katholisch-irischen Bevölkerungsteil und dem protestantisch-englischen bzw. der von ihm repräsentierten britischen Herrschaft über Nordirland.
| 2. | Historischer Hintergrund |
Nachdem im Jahr 1171 der englische König Heinrich II. mit seiner Armee nach Irland übergesetzt hatte, eroberten anglonormannische Barone die Insel und führten ein Feudal- und Rechtssystem ein. Ab 1300 hatte England seine Herrschaft über zwei Drittel der Insel gesichert.
Als Heinrich VII. eine Armee unter dem Befehlshaber Sir Edward Poynings nach Irland entsandte und ihn zum Vizekönig von Irland machte, erließ dieser 1494 ein Gesetz, nach dem alle Gesetzesvorlagen des irischen Parlaments der Billigung des englischen Königs bedurften. 1537 schlug Heinrich VIII. den Aufstand des Grafen von Kildare nieder, und 1541 ernannte das irische Parlament Heinrich VIII. zum König von Irland.
Die katholischen Iren widersetzten sich erbittert der Abschaffung der Messe unter Eduard VI., und es kam zu einem Aufstand in der Provinz Munster, den Truppen vom europäischen Festland niederwarfen (1569-1583). Königin Elisabeth I. ersetzte irische Pächter durch englische Siedler. Eine erneute Revolte zwischen 1593 und 1603 wurde unterdrückt und lieferte die Voraussetzungen für eine weitere Anglisierung des Landes unter den Stuarts.
1607 floh der gälische Adel (Flight of the Earls) nach den gescheiterten Aufständen aus Ulster, dem Zentrum des irischen Widerstands. Daraufhin siedelte England circa 100 000 schottische Presbyterianer in sechs Grafschaften der nordirischen Provinz Ulster an (siehe Ulster-Plantation). So schuf sich England eine breite Bevölkerungsbasis im Norden der Insel. Die katholischen Bauern waren nun Pächter und damit abhängig von den neuen protestantischen Grundherren. Den Aufstand der enteigneten katholischen Landbesitzer in Ulster schlug Oliver Cromwell 1649/50 grausam nieder. Er enteignete alle Katholiken in Ulster oder siedelte sie um und gab ihr Land Protestanten. Die Restauration unter Karl II. änderte nichts an der neuen Ordnung.
Die Thronbesteigung des katholischen Königs Jakob II. 1685, seine Absetzung und sein gescheiterter Versuch, an der Spitze einer irisch-jakobitischen Armee seinen Thron wiederzuerlangen, führten am 1. Juli 1690 zur Schlacht am Boyne, in der Jakob II. von den protestantischen Streitkräften Wilhelms III. besiegt wurde. Danach erließ das protestantische irische Parlament eine Reihe von Strafgesetzen gegen die Katholiken, die diesen untersagte, die Messe zu besuchen und Land zu kaufen oder zu erben. Damit wurden die wirtschaftlichen Grundlagen der katholischen Bevölkerung zerstört.
Erst 1795 bekamen die Katholiken durch William Pitts Catholic Relief Act gleiches aktives Wahlrecht und das passive Wahlrecht für fast alle Ämter. 1798 kam es erneut zu einem Aufstand, diesmal unter der Führung von Wolfe Tone (United Irishmen), der aber von den Briten ebenfalls brutal niedergeschlagen wurde. 1800 konnte Pitt dann den Act of Union (Unionsgesetze) aushandeln: Irland wurde damit Teil des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland; das irische Parlament wurde abgeschafft, und Irland bekam eine volle parlamentarische Vertretung in Westminster. Pitt musste jedoch zurücktreten, als sich Georg III. weigerte, den Katholiken volle Gleichstellung zu gewähren. Erst Daniel O’Connells Catholic Association konnte 1829 das Wahlrecht für Katholiken durchsetzen. Die Versuche der Fenier-Bewegung, die britische Herrschaft mit Gewalt zu stürzen, blieben dagegen vergeblich.
Charles Stuart Parnells Home-Rule-Bewegung setzte sich für die politische Autonomie der Insel ein. Die Ideen wurden vom britischen Premierminister William E. Gladstone aufgegriffen, doch er scheiterte zweimal (1886 und 1895) bei dem Versuch, die Gesetzesvorlage zur Home Rule durch das Parlament zu bringen. Die Folge war eine Radikalisierung unter jungen Iren, die sich Arthur Griffiths Sinn Féin oder anderen Organisationen anschlossen, die für ein freies Irland kämpften.
Nachdem der Osteraufstand von 1916 gescheitert war, kam es zur erneuten Radikalisierung: Sinn Féin und ihr militärischer Arm, die Irisch-Republikanische Armee (IRA), gewannen tausendfachen Zulauf, und sie führten einen Untergrundkrieg gegen die Briten.
Im Juli 1921 war der britische Premierminister Lloyd George schließlich bereit, mit Sinn Féin zu verhandeln. Nach fünfmonatigen Gesprächen wurde am 6. Dezember 1921 ein Unabhängigkeitsvertrag unterzeichnet, der am 7. Januar 1922 ratifiziert wurde. Nach diesem Vertrag erhielten 26 Grafschaften den Status eines Freistaates (Saorstát Éreann) innerhalb Großbritanniens (bzw. des späteren Commonwealth); doch sechs der neun Grafschaften der Nordprovinz Ulster hatten in einer Volksabstimmung für den Beitritt zu Großbritannien gestimmt.
Diese Grafschaften in der nördlichsten der vier irischen Provinzen wurden durch den Government of Ireland Act von 1920 als Nordirland eine eigenständige politische Einheit des Vereinigten Königreiches mit eigener Verfassung, eigenem Parlament und eigener Lokalverwaltung. Die Mehrheit betrachtete die Zugehörigkeit zu Großbritannien als Absicherung für ihren protestantischen Glauben und für ihre Vorherrschaft; die Katholiken dagegen sahen in der Schaffung Nordirlands ein Unrecht. Für den irischen Freistaat war die Abspaltung nicht endgültig, die nordirischen Grafschaften lehnten aber eine Wiedervereinigung ab.