Marxismus
Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken.
Marxismus
3. Kritik der politischen Ökonomie

Marx wollte die der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise innewohnenden Gesetzmäßigkeiten aufdecken. Jede geschichtliche Epoche war nach seiner Auffassung durch eine spezifische Produktionsweise gekennzeichnet, die ihrerseits einer jeweils spezifischen Machtkonstellation zugrunde lag. Diese Machtkonstellation wiederum zeichnete sich dadurch aus, dass sich eine ökonomisch herrschende Klasse in ständigem offenem oder verborgenem Konflikt mit einer anderen, unterdrückten Klasse befand.

In der kapitalistischen Gesellschaftsformation basiert die Grundbeziehung zwischen den Klassen, die Lohnbeziehung, auf einem Vertrag zwischen rechtlich gleichgestellten Parteien, die sich aber in gänzlich unterschiedlichen ökonomischen Ausgangslagen befinden. Die Besitzer des Kapitals (die Kapitalisten) bezahlen den Arbeitern (dem Proletariat) Löhne für eine vereinbarte Zahl von Arbeitsstunden, aber nicht für die erstellten Produkte. Die Kapitalisten eignen sich in diesem Prozess also das gesamte Arbeitsprodukt der Arbeiter an, welche als historisches Charakteristikum der kapitalistischen Produktionsverhältnisse weder über die Produktionsmittel noch über das von ihnen geschaffene Produkt verfügen können, sondern „... darauf angewiesen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um leben zu können”. In der Produktion schaffen die Arbeiter aber einen Wert, der ihren Lohn übersteigt, den so genannten Mehrwert. Dieser Mehrwert, d. h. die im Mehrprodukt vergegenständlichte Mehrarbeit des Lohnarbeiters, bildet die Quelle des Reichtums der bürgerlichen Klasse, die sich diesen als Eigentümerin der Produktionsmittel aneignet. Dem so genannten Mehrwertgesetz zufolge ist die permanente Produktion von Mehrwert das eigentliche Ziel der kapitalistischen Produktion. Während sich der Reichtum der besitzenden Klasse durch das rasche Wachstum des Kapitals beständig vermehrt, wächst aufseiten der Arbeiter Leistungsdruck, Arbeitshetze und Existenzunsicherheit. Marx ging davon aus, dass die Organisation der Arbeiter der Tendenz zur Verelendung entgegenwirken kann, konstatierte aber ein Anwachsen der Unsicherheit der Existenz, denn der Ersatz von immer mehr Arbeitern durch Maschinen (Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate) führt zu Massenarbeitslosigkeit und zur Entstehung einer industriellen Reservearmee. Marx behauptete, der Lohn zwinge die Arbeiter dazu, lebenslänglich für die Kapitaleigentümer verfügbar zu sein, wobei allerdings weder der Lohn noch der Arbeitsplatz garantiert seien.

Die historische Aufgabe der organisierten, sich ihrer selbst bewussten Arbeiterklasse bestand für Marx darin, die aus ökonomischer Notwendigkeit zyklisch wiederkehrenden ökonomischen und politischen Krisen dazu zu nutzen, im revolutionären Klassenkampf die Strukturen der bürgerlichen Gesellschaft zu überwinden. Marx führte dazu aus: „[Das Proletariat] kann seine eigenen Lebensbedingungen nicht aufheben, ohne alle unmenschlichen Lebensbedingungen der heutigen Gesellschaft, die sich in seiner Situation zusammenfassen, aufzuheben”; und weiter: „Das Proletariat ergreift die Staatsgewalt und verwandelt die Produktionsmittel zunächst in Staatseigentum. Aber damit hebt es sich selbst als Proletariat, damit hebt es alle Klassenunterschiede und Klassengegensätze auf und damit auch den Staat als Staat.” Im Verlauf der weiteren historischen Entwicklung markiert somit die Diktatur des Proletariats nur eine Übergangsphase. Eigentliches Ziel ist die Überführung der Produktionsmittel in die Hände der unmittelbaren Produzenten (Arbeiter), was zugleich Voraussetzung für das „Absterben der Staatsgewalt” ist, die nach Marx nur in Klassengesellschaften notwendig ist. Am Ende läuft der historische Prozess nach der Marx’schen Überzeugung auf eine klassenlose, d. h. kommunistische Gesellschaft zu, in der jeder nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen leben kann.

Siehe Kommunistisches Manifest