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| 2. | Biographie |
Walter Benjamin wurde am 15. Juli 1892 als Kind eines wohlhabenden Mitinhabers eines Auktionshauses in Berlin geboren. In seinen 1932/33 entstandenen autobiographischen Prosastücken Berliner Kindheit um 1900, die in der Frankfurter Zeitung und Vossischen Zeitung erschienen (posthum 1950 als Buch), reflektierte er u. a. seine eigene großbürgerliche jüdische Herkunft. Von 1912 bis 1919 studierte er Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Freiburg/Breisgau, Berlin und München. 1915 veröffentlichte er eine erste größere Arbeit, Das Leben der Studenten, in der er sich kritisch mit der eigenen Vergangenheit in der Jugendbewegung und der Freien Studentenschaft auseinandersetzte.
Angeregt durch den Kabbala-Forscher Gershom Scholem, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, schrieb er 1916 den spekulativ-kabbalistischen Essay Über die Sprache überhaupt und über die Sprache des Menschen. Diesen Aufsatz wie sein messianisches Theologisch-politisches Fragment, das 1920 entstand, hat Benjamin zu Lebzeiten nicht veröffentlicht. Die Texte zirkulierten nur in einem ausgewählten Freundeskreis. Seine messianisch-eschatologische Geschichtsauffassung erweiterte er Mitte der zwanziger Jahren mit der Übernahme von marxistischen Theorien.
1919 promovierte Benjamin in Bern bei Richard Herbertz mit der Dissertation Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik (1920). In der Folgezeit bis zu seinem Tod arbeitete er als freier Publizist und schrieb zahlreiche Essays und Kritiken für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, ab 1929 auch für den Rundfunk. Zu seinen wichtigsten literarischen Arbeiten gehören die Essays über Johann Peter Hebel, Karl Kraus und über den Surrealismus. Benjamin setzte sich vor allem mit der französischen Literatur (Marcel Proust, Charles Baudelaire, Louis Aragon) auseinander und setzte sich für die deutschsprachige Avantgarde wie Bert Brecht, Franz Kafka und Paul Scheerbart ein.
Mit seiner kunstphilosophischen Abhandlung Ursprung des deutschen Trauerspiels, einer Untersuchung über die Geschichte des deutschen Barockdramas, wollte sich Benjamin 1925 an der Frankfurter Universität habilitieren. Die gegen damalige philosophische und philologische Traditionen gerichtete Arbeit wurde aber wegen ideologischer und methodologischer Vorbehalte von der Fakultät nicht angenommen. Die Abhandlung wandte sich entschieden gegen jegliche induktiv einfühlungsästhetische Literaturbetrachtung. Die Buchfassung dieses sprachtheoretisch ausgerichteten und geschichtsphilosophisch fundierten Entwurfs einer materialistischen Erkenntnistheorie erschien erst 1928.
1933 musste Benjamin nach Paris emigrieren, und er wurde freier Mitarbeiter bei der von Max Horkheimer herausgegebenen kulturkritischen neomarxistischen Zeitschrift für Sozialforschung, die 1930 am seit 1923 existierenden Frankfurter Institut für Sozialforschung gegründet worden war.
Auf der Flucht vor der deutschen Besatzungsmacht über die Pyrenäen nach Spanien nahm sich Walter Benjamin am 26./27. September 1940 im katalonischen Ort Port-Bou (Provinz Gerona) das Leben. Hier befindet sich seit 1991 in Gedenken an Walter Benjamin ein Environment des israelischen Künstlers Dani Karavan.