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| 3. | Allophone |
Bei der Ermittlung des Phoneminventars einer Sprache findet man meist auch Laute, die keine Bedeutungsveränderung bewirken. Man spricht hier auch vom Aufdecken der Phonemvarianten einer Sprache. Diese werden auch als Allophone bezeichnet. Im Deutschen findet z. B. keine Bedeutungsveränderung statt, wenn das Zungen-R /r/ oder Zäpfchen-R /R/ verwendet wird. In einigen anderen Sprachen sind /r/ und /R/ Phoneme, im Deutschen jedoch handelt es sich um Allophone oder fakultative Varianten. Man unterscheidet zwischen freien oder auch fakultativen Varianten (wie bei [r] und [R]) und kombinatorischen Varianten. Insgesamt sind die meisten Allophone kombinatorische Varianten, d. h., sie sind komplementär verteilt.
Im Deutschen wird z. B. der ch-Laut /x/ je nach lautlicher Umgebung anders realisiert: So hat das ch in Bach [′bax] andere lautliche Eigenschaften als das ch in Teich [′taiç]. In Bach wird ch velar realisiert, in Teich verursacht der Diphthong [ai] eine palatale Aussprache. Würden in diesem Fall die beiden ch anders realisiert, so wäre das zwar für den Hörer auffällig, es käme jedoch nicht zu einer Bedeutungsveränderung.
Das Erstellen des Lautinventars von neu beschriebenen Sprachen, die in der Regel noch nicht über eine Form der Verschriftung verfügen, wird dadurch erschwert, dass Laute je nach ihrer lautlichen Umgebung anders realisiert werden. So klingt z. B. sch in Wunsch – phonetisch gesehen – ganz anders an als in Kirsche. Beim schnellen Sprechen werden Laute ausgelassen (Elision), Laute eingefügt (Liaison), und Laute werden einander angeglichen (Assimilation).