| Suchansicht | Roman Polanski | Artikelansicht |
Roman Polanski (*1933), polnischer Regisseur und Schauspieler, seit 1976 französischer Staatsbürger. Mit seinem thematisch vielfältigen Werk gehört er seit den sechziger Jahren zu den profiliertesten Filmemachern des europäischen Kinos.
Polanski wurde am 18. August 1933 in Paris geboren, wuchs jedoch in Krakau auf und erlebte die Verschleppung seiner jüdischen Eltern ins Konzentrationslager (die Mutter wurde in Auschwitz getötet, der Vater überlebte knapp in Mauthausen). Nach der Deportation der Eltern floh Polanski aus dem Krakauer Ghetto und hielt sich bis zum Kriegsende bei Bauern auf dem Land versteckt. Bereits mit 14 Jahren begann er eine Laufbahn als Bühnenschauspieler und besuchte später die Filmhochschule in Łódź; dort begegnete er Andrzej Wajda, dessen Werk ihn stark beeinflusste.
Polanski arbeitete zunächst als Schauspieler und wirkte in verschiedenen polnischen Filmen mit. Als Regisseur realisierte er vorerst einige Kurzfilme, die große Beachtung fanden. Sein erster Spielfilm, Nóż w wodzie (1962; Das Messer im Wasser), stieß international auf äußerst positive Resonanz und wurde u. a. für den Oscar nominiert. Polanski ging anschließend nach England und drehte dort zwei bizarre experimentelle Filme, Repulsion (1965; Ekel) und Cul-de-sac (1966; Wenn Katelbach kommt); beide Werke wurden bei der Berlinale mit einem Silbernen bzw. Goldenen Bären ausgezeichnet. Repulsion war eines der beeindruckendsten Psychodramen der sechziger Jahre; Polanski schildert darin den Fall einer sensiblen Londoner Maniküre (gespielt von Catherine Deneuve), die sich als Gefangene einer von – aus ihrer Sicht – aggressiven Männern dominierten Welt zunehmend in Wahnvorstellungen verstrickt. Die virtuose Schwarzweißästhetik nahm einerseits Stilelemente der Nouvelle Vague auf, verband sie indessen mit typischen Effekten aus der Werkstatt Alfred Hitchcocks.
Polanskis Karriere in Hollywood begann mit Rosemary’s Baby (1968; Rosemaries Baby, mit Mia Farrow), einem Klassiker des modernen Horrorfilms, nachdem ihm mit The Fearless Vampire Killers (1967; Tanz der Vampire) bereits eine hochkarätige Genreparodie gelungen war. 1969 wurde Polanskis hochschwangere Ehefrau, die Schauspielerin Sharon Tate, mit einigen ihrer Freunde von dem psychopathischen Sektenführer und Satanisten Charles Manson und seinen Anhängern ermordet. Der spektakuläre Mordfall bewegte lange die amerikanische und internationale Öffentlichkeit. Unter dem Eindruck dieses Ereignisses zog sich Polanski eine Weile vom Filmgeschäft zurück.
Mit der kühnen und sperrigen Verfilmung des Shakespeare-Dramas Macbeth (1971; Macbeth) kehrte Polanski auf die Leinwand zurück. Sein Talent für atmosphärisch dichte Thriller stellte er mit Chinatown (1974; Chinatown, mit Jack Nicholson) unter Beweis, in dem er selbst, wie häufig in seinen Filmen, eine kleine Rolle übernahm. Der Thriller Le Locataire (1976; Der Mieter) nach einem Roman von Roland Topor, in dem er selbst die Hauptrolle spielte, ist ein verstörendes Psychogramm eines jungen Mannes, der sich in einer persönlichen Krise das Leben nimmt. 1977 geriet Polanski erneut in die Schlagzeilen der Regenbogenpresse, als er unter dem Verdacht, im Haus von Jack Nicholson eine 13-Jährige sexuell missbraucht zu haben, verhaftet wurde. Polanski gestand die Tat, entzog sich der strafrechtlichen Verfolgung im Jahr darauf jedoch durch eine Flucht nach Frankreich (seit 1976 ist er französischer Staatsbürger); in der Folgezeit reiste er nicht mehr in die USA ein, bis der zivilrechtliche Prozess 1997 nach einem außergerichtlichen Vergleich beigelegt wurde.
Seit dieser Affäre schuf Polanski hauptsächlich in Frankreich englischsprachige Produktionen für den internationalen Markt, wie das Melodram Tess (1979; Tess, mit Nastassja Kinski, nach dem Roman von Thomas Hardy), den Thriller Frantic (1988; Frantic, mit Harrison Ford), den kammerspielartigen Psychothriller Death and the Maiden (1994; Der Tod und das Mädchen, mit Sigourney Weaver und Ben Kingsley, nach dem Bühnenstück von Ariel Dorfman) und den mystischen Gruselfilm The Ninth Gate (1999; Die neun Pforten, mit Johnny Depp). Für seinen autobiographisch geprägten Film The Pianist (2002; Der Pianist, mit Adrien Brody), in dem er seine Erfahrungen im Krakauer Ghetto verarbeitete, erhielt Polanski die Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes und einen Oscar für die beste Regie. Mit Oliver Twist (2005; Oliver Twist) schuf der Regisseur eine hoch gelobte Adaption von Charles Dickens’ sozialkritischem Roman aus dem viktorianischen London.
Neben seinem Filmschaffen ist Polanski auch für die Bühne sowohl als Schauspiel- und Opernregisseur wie auch als Schauspieler tätig. Zu seinen bedeutendsten Inszenierungen zählen Alban Bergs Lulu (1974 in Spoleto), Giuseppe Verdis Rigoletto (1976 in München), Jacques Offenbachs Hoffmanns Erzählungen (1992 in Paris) und Henrik Ibsens Hedda Gabler (2003 in Paris). Unter dem Titel Roman (1984; Roman Polanski) publizierte er seine Autobiographie.