Postmoderne
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Postmoderne
2. Postmoderne Literatur

Bereits in Finnegans Wake (1939) von James Joyce ist der spätmodernistische Versuch einer unendlichen Reflexion vorhandenen Literaturmaterials in einer gleichsam babylonischen Universalsprache spürbar. Ein weiterer Wegbereiter der literarischen Postmoderne war der Argentinier Jorge Luis Borges. Mit seinen Büchern schuf er ein enzyklopädisches Textuniversum, in dem eigener Text mit Fremdtext korrespondiert. Dieses intertextuelle Spiel kommt am eindrucksvollsten in Borges’ Erzählung Die Bibliothek von Babel (1944) zum Ausdruck, die das postmoderne Verfahren im Bild einer unendlichen, letztlich rational nicht mehr fassbaren Bücherei imaginiert. In Italien folgte Italo Calvino dieser Tradition.

Ein wichtiger früher Vertreter postmoderner Erzählkunst ist Thomas Pynchon, der bereits in den frühen Texten des Spätzünder-Bandes selbst die ironische Kritik an einer Professionalisierung postmoderner Rezeption („Rat das Zitat”) in die literarische Strategie miteinbezieht. In Deutschland formuliert die Komödie Kaldewey, Farce von Botho Strauß 1982 das Programm der Postmoderne und integriert damit einen theoretischen Überbau ins (Theater-)Spiel: „Diese Zeit, die sammelt viele Zeiten ein”. Weitere deutschsprachige Vertreter sind Peter Handke und Christoph Ransmayer. In den USA sind William Burroughs, Kurt Vonnegut, Robert Lowell Coover, John Fowles oder Paul Auster, in Lateinamerika Julio Cortázar und Mario Vagas Llosa der Postmoderne zuzurechnen. In Frankreich initiierte der Nouveau Roman mit seiner Betonung des Künstlichen der Kunst eine postmoderne Literaturtradition. Alain Robbe-Grillets Spiel mit bestimmten Gattungsmustern (Kriminal-, Detektiv- und Liebesroman) ist ein hervorstechendes Merkmal der Postmoderne – es wurde etwa von Vladimir Nabokov vorweggenommen. Der Borges-Verehrer Umberto Eco legte mit seinem Bestseller Der Name der Rose einen mittelalterlichen Kriminalroman vor, der postmoderne und semiotische Theorie zu einem literarischen Konglomerat verknüpft. Weitere Beispiele für postmodernes Schreiben sind Salman Rushdies Midnight’s Children (1981, Mitternachtskinder), Doris Lessings Canopus in Argus (1979-1985) und Angela Carters surrealistisches Märchen Bloody Chamber (1979, Blaubarts Zimmer). Auch in der postkommunistischen Sowjetunion versuchen Autoren in einer Abkehr von den Schreibvorgaben des sozialistischen Realismus die Unsicherheit und Heterogenität ihrer Gegenwart mit postmodernen Verfahren literarisch zu fixieren. Hervorstechendes Stilmerkmal hierbei ist vor allem die Groteske.