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| 1. | Einleitung |
Ferdinand de Saussure (1857-1913), Schweizer Sprachwissenschaftler, der wichtigste Wegbereiter der modernen Sprachwissenschaft und der strukturalistischen Linguistik.
Ferdinand de Saussure wurde am 26. November 1857 in Genf geboren und stammte aus einer wohlhabenden Familie der bürgerlichen Oberschicht. Entscheidend für seinen späteren Werdegang war, dass bei seiner schulischen Ausbildung besonderer Wert auf das Erlernen der Sprachen Englisch, Französisch, Deutsch, Lateinisch und Griechisch gelegt wurde. Auch der Sprachwissenschaftler Pictet, den er in seinem Elternhaus kennen lernte, hatte früh Einfluss auf seine Beschäftigung mit Sprache, bereits im Alter von 15 Jahren verfasste Saussure die Abhandlung Essai sur les langues. Nach Abschluss der Schule besuchte er ein Jahr lang Lehrveranstaltungen in Physik und Chemie an der Universität Genf, bevor er sich ab 1876 in Leipzig vier Jahre lang dem Sprachstudium widmete. Sein erster Lehrer war Karl Brugman, ein namhafter Vertreter der so genannten Junggrammatiker. Zwischenzeitlich studierte Saussure 1878/79 in Berlin bei dem Schleiermacher-Schüler Hajim Steinthal, dessen sprachphilosophisches Gedankengut er später für die Entwicklung strukturalistischer Theorien fruchtbar machen konnte.
Nachdem 1879 sein grundlegendes Werk zum proto-indogermanischen Vokalsystem Mémoire sur le système primitif des voyelles dans les langues indo-européennes erschienen war, promovierte er 1880 mit dem Dissertationsthema De l’emploi du génitif absolu en sanscrit. 1881 setzte Saussure seine Studien in Paris fort, wo er kurze Zeit später als Dozent für Gotisch und Althochdeutsch tätig war, 1891 wurde er Professor für Sanskrit und vergleichende Sprachwissenschaft an der Universität Genf. 1906 wurden die Forschungen an Saussures Institut auf allgemeine Linguistik und Geschichte der indogermanischen Sprachen ausgedehnt. Seinen Ruf als Wegbereiter der modernen Linguistik erwarb er sich durch die Vorlesungen, die er von 1907 bis 1911 hielt und deren Thesen durch die Mitschriften seiner Studenten Charles Bally und Albert Sechehaye unter dem Titel Cours de linguistique générale (1916; Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft, 1931) publiziert wurden. 1912 musste er seine Lehrtätigkeit wegen Krankheit aufgeben. Ferdinand de Saussure starb am 22. Februar 1913 in Vufflens-sur-Morges (Kanton Waadt).