Entwaldung
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Entwaldung
2. Geschichte und regionale Unterschiede der Entwaldung

Während heutzutage die Entwaldung als weit reichendes Umweltproblem anerkannt ist, betrachtete man sie früher als normalen Vorgang, der die Entwicklung eines Staates oder allgemein die Ausbreitung der Zivilisation begleitete. Man kann dies sowie die weit reichenden Folgen etwa bei den Kulturen des Mittelmeerraumes feststellen, insbesondere bei den alten Griechen und Römern. Sie holzten teilweise riesige Waldflächen zum Bau ihrer Schiffsflotten, zur Konstruktion von Brücken und für andere Bauzwecke ab. Aufgrund der herrschenden Klimaverhältnisse konnte sich der Wald nur sehr langsam regenerieren, und es entwickelte sich – verstärkt durch die einsetzende Beweidung durch Schafe und Ziegen – eine Vegetation aus immergrünen Sträuchern und niedrigen Bäumen, die so genannte Macchie (siehe Steppe), die man meist als ganz natürlich für dieses Gebiet ansieht. Der Wald galt dabei häufig als zivilisationsfeindlich und entwicklungshemmend, so etwa beim Vordringen der Römer nach Norden zu den Germanen, die „in Wäldern hausten”.

In den gemäßigten Breiten hing die Entwicklung und Ausbreitung der Landwirtschaft direkt von der Entwaldung ab, da erst dadurch die Flächen entstanden, auf denen überhaupt Landwirtschaft betrieben werden konnte. In anderen Regionen, die natürlicherweise nicht (fast) vollständig von Wald bedeckt sind, war dies anders, doch wurden auch dort bereits seit langem Waldflächen gerodet, um die Anbauflächen zu vergrößern. Der größte Teil von Englands Waldfläche wurde z. B. um 1350 abgeholzt. Auf dem europäischen Kontinent geschah dies schon etwas früher, doch gab es größere regionale Unterschiede, die mit der jeweiligen geschichtlichen Entwicklung zusammenhängen. Eine weitere Phase starker Waldvernichtungen gab es im 18. und 19. Jahrhundert, als in Europa und Nordamerika der Bedarf an freien Flächen wuchs, bedingt durch das Wachstum der Städte und später die beginnende Industrialisierung. Der Wald lieferte dazu Bau-, Heiz- und Brennmaterial. Letzteres war auch der entscheidende Grund für den Erfolg mancher Industriezweige wie etwa der Glasherstellung, die entscheidend vom Holz als Brennstoff abhingen. Ähnliches gilt für die Erzgewinnung und -verhüttung. Holz lieferte auch hier das Brennmaterial, was z. B. in Zentralspanien im ausgehenden Mittelalter zur fast völligen Abholzung großer Flächen und damit zum heutigen Landschaftsbild führte. Aufgrund der Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft konnte andererseits teilweise die Waldfläche auch wieder zunehmen; sie stieg etwa in Großbritannien von fünf Prozent um 1900 bis auf etwa zehn Prozent der Landfläche in den neunziger Jahren.

Am gravierendsten sind die Folgen der Entwaldung in den Tropen (siehe Regenwald). Obwohl der Wald dort äußerst üppig erscheint, stockt er überwiegend auf einem sehr nährstoffarmen Boden; ermöglicht wird er vielmehr dadurch, dass die Nährstoffe in dem Wald selbst zirkulieren und aufgrund eines fast geschlossenen Kreislaufes kaum Nährstoffverluste auftreten. Wird der Wald entfernt, so kommt es aufgrund der hohen Niederschläge in den Tropen zu einer raschen Auswaschung der Nährstoffe und massiver Bodenerosion. Die ohnehin langsame Neubildung des Bodens wird dadurch verhindert und der neue Pflanzenbewuchs, der sich auf solchen Flächen einstellt, unterscheidet sich daher grundlegend von demjenigen zuvor. Dennoch ging die Kolonialpolitik von der falschen Annahme aus, dass sich die tropischen Böden für lukrative Plantagen von Exportfrüchten und für die Rinderhaltung eigneten. Die weit reichenden Folgen – von Bodenverschlechterung bis zur Etablierung einseitiger wirtschaftlicher Abhängigkeiten – hat die lokale Bevölkerung heute zu tragen.

Seit 1950 nimmt die Abholzung in den Tropen aus verschiedenen Gründen dramatisch zu. Zum einen standen nun schwere Maschinen zur Verfügung, die die Rodung von Hand ersetzten und daher die Abholzung stark beschleunigten; zum anderen nahm aber auch das Interesse an dem aufgrund der niedrigen Arbeitslöhne billigen Tropenholz weltweit zu. Das Holz wird dabei nicht nur als Edelholz für wertvolle Möbel oder ähnliche Zwecke genutzt, sondern auch für einfache Verpackungszwecke, obwohl dazu auch schnell wachsendes Holz aus den gemäßigten Breiten verwendet werden könnte, dessen Nutzung weitaus weniger dramatische ökologische Konsequenzen hätte. Auch das starke Wachstum der Weltbevölkerung hat erheblich zur Zunahme der Waldabholzung und -degradierung seit dieser Zeit beigetragen. Neben dem erhöhten Brennholzbedarf spielt dabei vor allem der Bevölkerungsdruck eine Rolle, der z. B. in Brasilien eine Erschließung des Amazonasgebiets mit dem Bau der Transamazônica zur Folge hatte. In jüngster Zeit hat sich die Abholzung in den Tropen nochmals dramatisch beschleunigt; in der Zeit von 1981 bis 1990 ist eine annähernde Verdoppelung der jährlichen Entwaldungsrate in 52 tropischen Ländern zu verzeichnen. Zwischen 1990 und 2000 nahm die weltweite Waldfläche jährlich im Mittel um rund neun Millionen Hektar ab. Den Ergebnissen einer von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erstellten Studie zufolge ist der Rückgang der Wälder in Afrika und Lateinamerika am stärksten.