Desertifikation
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Desertifikation
3. Gegenmaßnahmen

Es ist schwierig, zwischen einer falschen Bewirtschaftung der Ressourcen in Trockengebieten und der natürlichen Schwankungsbreite in der Verfügbarkeit dieser Ressourcen zu unterscheiden. Letzteres ist ein typisches Merkmal der Gegenden, in denen es zur Desertifikation kommt. Wüsten und ihre Randzonen verhalten sich in Zeiträumen dynamisch, die im Vergleich zur Lebenszeit des Menschen sehr groß und daher für den Einzelnen schwer zu verfolgen sind. Diese Dynamik wird einerseits vom Niederschlag bestimmt, der von Tag zu Tag und von Jahreszeit zu Jahreszeit stark variiert, und andererseits von Dürrezeiten, die sich über Jahrzehnte erstrecken können. Insofern lässt sich nur schwer feststellen, ob im Sahel eine tatsächliche, von Menschen herbeigeführte Degradierung der Ressourcen (vor allem in Form von Bodenverschlechterung) überwiegt oder ob eher die mehr oder weniger stark anhaltende Dürre, die seit dem Ende der sechziger Jahre das Gebiet beherrscht, für den Verlust an Vegetation und Bodenmaterial verantwortlich ist. Über das tatsächliche Ausmaß der vom Menschen verursachten Desertifikation herrscht daher selbst unter Experten derzeit keine Einigkeit.

Widersprüche gibt es auch bei den Versuchen zur Bekämpfung der Desertifikation. Aufgrund der irrtümlichen Auffassung, es handele sich bei der Desertifikation um eine voranschreitende Front von Sanddünen, entstanden mehrfach „Grüngürtel”-Projekte, in denen Baumreihen gepflanzt wurden, um das Vordringen der Wüste aufzuhalten. So gab es etwa Vorschläge, solche Grüngürtel rings um die Sahara anzupflanzen, um das Vordringen der Wüste zu stoppen. Während Wanderdünen zwar in bestimmten Regionen Schaden anrichten können, etwa in Teilen Saudi-Arabiens, so stellen sie doch keineswegs das weit verbreitete Problem dar, für das sie oft gehalten werden; die Ursachen sind vielmehr weit vielschichtiger. Zudem kann man das Wandern der Dünen ohnehin kaum aufhalten.

Insgesamt hat man lange Zeit zu sehr auf eine technische Lösung der Desertifikations-Probleme gesetzt, ohne die Probleme des Bevölkerungswachstums und die jeweiligen sozialen, ökonomischen und politischen Faktoren, die damit verbunden sind, genügend zu berücksichtigen. Neue Ansätze versuchen daher, die lokalen Dorfgemeinschaften deutlich stärker an der Problemlösung zu beteiligen. Sie basieren auf den Erfahrung und Überlebensstrategien, die diese Menschen gerade in Dürrezeiten entwickelt haben.

Welche große Rolle die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen auch in hoch entwickelten Ländern in diesem Zusammenhang spielen können, zeigt das Beispiel aus den erwähnten Great Plains (USA), wo sich in den siebziger Jahren eine Winderosion von vergleichbarem Ausmaß wie in den dreißiger Jahren wiederholte. Hohe Weizenexporte in die damalige Sowjetunion und eine Förderung durch die Regierung, die den Farmern je nach bepflanzter Fläche und unabhängig von Wetter und Ernteertrag eine lohnende Summe Geld versprach, führten Anfang der siebziger Jahre dazu, dass große Flächen Brachland zur Weizenproduktion genutzt wurden. Als 1975 eine Dürreperiode eintrat, kam es erneut zu gewaltigen Staubstürmen und Bodenverlusten. Das schlimmste Einzelereignis war eine riesige Staubwolke im Portales Valley in New Mexico (USA) im Februar 1977, die nach Satellitenaufnahmen eine Größe von 400 000 Quadratkilometern aufwies.