Südostasiatische Kunst und Kultur
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Südostasiatische Kunst und Kultur
3. Birmanische Nats

Die Geister Birmas (des heutigen Myanmar), die nats, werden im Allgemeinen mit menschlichen Zügen dargestellt. Im 11. Jahrhundert trennte König Anawratha aus Pagan die nats offiziell vom Buddhismus in Birma ab, um damit die Staatsreligion zu reinigen. Er erstellte eine offizielle Liste von 37 Geistern, die sein Volk verehrte. Spätere Könige brachten die Liste immer wieder auf den neuesten Stand, das letzte Mal König Bodawpaya im frühen 19. Jahrhundert.

Die Shwe-Zigon-Pagode in Nyaung-U wurde unter der Herrschaft von Anawratha begonnen und von seinem Nachfolger Kyanzittha vollendet. Ein kleiner Bau innerhalb der Anlage von Shwe-Zigon beherbergt Darstellungen der 37 nats. Die meisten, wie die Baum- oder Fluss-nats, halten sich in der freien Natur auf und sind unsichtbar. Viele der nats in Shwe-Zigon wurden vor nicht allzu langer Zeit hergestellt. Es handelt sich dabei um kleine Abbilder aus Holz, Zement oder Kunststoff, die mit leuchtenden Farben bemalt sind. Das überlebensgroße Steinbild von Sakka, dem Herrn der nats, der sich aus dem Hindu-Gott Indra herleitet, wird im Allgemeinen in die Pagan-Zeit (9. bis 13. Jahrhundert n. Chr) datiert.

Die Shwe-Zigon-Pagode gehört heute zu den größten Heiligtümern Myanmars. Andere buddhistische Sakralbauten, so genannte Stupas, wie z. B. der Shwe-Hsan-Daw, ein Bau, der auch zur Zeit Anawrathas und Kyanzitthas errichtet wurde, ziehen heute vor allem Touristen an.

Die Abbilder der nats finden sich manchmal außerhalb des Pagodenbezirks, häufiger aber innerhalb der Anlage, wenn auch nicht auf dem Stupa.

Das Abbild von Sakka in Shwe-Zigon ist schwer zu sehen, da es hinter Gittern und Glas steht. Ähnlich verhält es sich auch mit anderen hochangesehenen nats, die in dem kleinen Bau in einer Ecke der Tempelumrandung zusammengefasst sind. Denn der Akt der Verehrung erfordert nicht unbedingt, das der Gläubige dessen Abbilder auch deutlich sieht. Viel wichtiger ist das Wissen um die Präsenz und Kraft. Diese Gewissheit spornt zu Opfergaben an. Dieser Aspekt der Verehrung der nats erinnert an das Tragen der ikats auf Sumba, wo sich die Wirkung des Stoffes aus dem Wissen herleitet, dass magische Motive und Muster eingewebt sind, die man aber nicht unbedingt sehen muss.