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Seidenstraßen, Karawanenstraßensystem, das China über Zentralasien mit den Mittelmeer- und Schwarzmeerküsten verband. Die Bezeichnung geht auf den Deutschen Ferdinand von Richthofen zurück, der die Routen nach dem wichtigsten Handelsgut, der Seide, benannte.
Die Seidenstraßen existieren seit etwa 100 v. Chr. Die zahlreichen Straßen führten von der chinesischen Stadt Chang’an (heute Xi'an) aus durch das Pamirgebirge und den Karakorum nach Samarkand und Baktrien bis nach Damaskus, Odessa und an die Mittelmeerhäfen Alexandria und Antiochia. Es gab eine nördliche und eine südliche Route; der Streckenverlauf änderte sich, wenn sich die politisch-militärischen Gegebenheiten änderten. Neben der Ost-West-Verbindung gab es auch Seidenstraßen, die China mit Indien oder dem Norden verbanden. Die Seidenstraßen dienten dem Transport von Luxuswaren: Seide, Wolle, Gold und Silber, aber auch Kulturpflanzen (Pfirsiche, Mandeln); aus dem Osten kamen neben der Seide auch Jade, Eisen, Keramik und Pelze. Ferner wurden durch die Seidenstraßen aus Europa zur Zeit Nestors das Christentum und aus Indien der Buddhismus nach China gebracht. Darüber hinaus waren die Seidenstraßen immer nicht nur Handels- sondern auch wichtige Kommunikationswege. Berühmte Reisende auf den Seidenstraßen waren u. a. Marco Polo, Sven Hedin und Xuanzang.
Bereits die Römer kamen im Zuge ihrer Kriege mit den Parthern mit Seide in Kontakt und begannen sich für deren Herkunft zu interessieren. Seide war bei den Römern sehr populär und begehrt. Vermutlich erreichte 284 eine römische Delegation China; dort wurden auch römische Münzen gefunden. Während der Han-Dynastie forcierten die Chinesen den Ausbau der Handelswege und legten Befestigungen zum Schutz der Karawanen an. Den Höhepunkt ihrer Bedeutung erreichten die Seidenstraßen während der Tang-Dynastie: Die damalige Hauptstadt Chang’an entwickelte sich zur internationalen Metropole mit rund zwei Millionen Einwohnern. Der Niedergang der Seidenstraßen begann mit dem Ausbau der Seewege von und nach China. Der Transport von Waren auf dem Seeweg war tendenziell sicherer, schneller und damit profitabler. Hinzu kam seitens der Chinesen eine isolationistische Politik, die von der Ming-Dynastie bis ins 19. Jahrhundert reichte. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts begannen sich westliche Archäologen (u. a. Sir Aurel Stein) für die Seidenstraßen zu interessieren; zahlreiche Zeugnisse der Vergangenheit kamen so z. B. ins Britische Museum. In jüngster Zeit spüren zunehmend Touristen den Spuren der Seidenhändler nach.