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| 1. | Einleitung |
Energieeinsparung, sämtliche von privater und staatlicher Seite unternommenen Maßnahmen, die dazu dienen, in allen Bereichen der Gesellschaft und Wirtschaft den Energieverbrauch zu verringern. Sie betreffen insbesondere den sparsamen Umgang mit nicht erneuerbaren fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl und Erdgas, die beim weltweiten Energieverbrauch mit weitem Abstand an der Spitze stehen.
| 2. | Bedeutung |
Die Notwendigkeit der Energieeinsparung ergibt sich zum einen aus der Tatsache, dass die bestätigten Reserven fossiler Brennstoffe vermutlich nur noch für wenige Jahrzehnte zur Deckung des derzeitigen Verbrauchs ausreichen werden, vorausgesetzt der Verbrauch bleibt in etwa auf dem Niveau wie um die Jahrtausendwende; allerdings ist der weltweite Energieverbrauch seit einigen Jahrzehnten ständig im Steigen begriffen und steigt gerade in den bevölkerungsreichen Schwellenländern weiter an, was u. a. auch einen teils enormen Anstieg der Energiekosten bedingt. Zum andern belastet die Nutzung der fossilen Energieträger u. a. durch den Ausstoß von Kohlendioxid stark die Umwelt (siehe globale Erwärmung).
Darüber hinaus sollte auch die rasch fortschreitende Erschließung erneuerbarer Energien wie der Wasser- und Windkraft nicht dazu verleiten, die knappe Energie zu verschwenden. Bei der Wasserkraft ist das natürliche Potential vielfach bereits ausgeschöpft, und die Anlage riesiger Stauseen zur Stromerzeugung stellt schwerwiegende Eingriffe in die Umwelt dar. Bei Windkraftanlagen wird von so manchem Experten bezweifelt, dass sie in ihrer Betriebsdauer jemals so viel Energie liefern können, wie für ihren Bau aufgewendet werden musste.
Energieeinsparung ist sowohl auf der Seite der Verbraucher als auch auf der Seite der Produzenten möglich: Verbraucher könnten vorhandene Anlagen und Geräte energiebewusster nutzen und Produzenten verbesserte Anlagen und Geräte mit geringerem Verbrauch entwickeln. Zu den zahlreichen erfolgreichen Beispielen aus dem Alltag gehören vor allem jene Haushaltsgeräte wie Waschmaschine oder Geschirrspüler, die amtlich als Geräte mit effizienterer Nutzung ausgewiesen sind. Gegenüber der Reinigung in einem effizienten und effizient genutzten Geschirrspüler bedeutet z. B. die herkömmliche Reinigung im Spülbecken einen um etwa 50 Prozent höheren Energieverbrauch. Auf der Seite der Energiegewinnung und -umwandlung, beispielweise von fossilen Brennstoffen in Elektrizität und/oder Wärme für Heizzwecke, gibt es ebenfalls erfolgreiche neue Technologien wie die Kraft-Wärme-Koppelung.
Die Notwendigkeit, sparsam mit den Ressourcen umzugehen, ist naturgemäß in jenen Ländern am größten, die sich durch einen hohen Pro-Kopf-Verbrauch auszeichnen. Der Vergleich zwischen den USA, wo mit vergleichsweise billiger Energie verschwenderisch umgegangen wird, und der Schweiz, deren Energieverbrauch je Einwohner kaum halb so groß ist, beweist, dass mit konsequenter Energieeinsparung nicht zwangsläufig ein niedrigerer Lebensstandard verbunden sein muss.
| 3. | Wirtschaft und Privathaushalte |
Der Vergleich von Ländern und Volkswirtschaften ist freilich immer mit Unsicherheiten behaftet. Deutschland liegt z. B. nach dem Pro-Kopf-Verbrauch deutlich über dem weltweiten Durchschnitt, müsste daher den landesweiten Energieverbrauch stark reduzieren. Offenbar wird hier jedoch die Energie effizient genutzt, denn das Verhältnis zwischen gesamter Wirtschaftsleistung und Energieverbrauch ist in Deutschland überdurchschnittlich gut. Wie in anderen mitteleuropäischen Staaten hat der Energieverbrauch in der Industrie deutlich abgenommen, was allerdings nur zum Teil auf erfolgreiche Maßnahmen der Energieeinsparung, sondern auch auf den Strukturwandel innerhalb der Wirtschaft und auf konjunkturelle Einflüsse zurückzuführen ist. Ungünstig bleibt das Verhältnis zwischen der in Form der verschiedenen Energieträger bereitgestellten Primärenergie und der dem Verbraucher nach Umwandlungs- und Transportvorgängen zur Verfügung gestellten Endenergie. Hier betragen die Verluste rund 30 Prozent, die Einsparungspotentiale sind entsprechend groß.
Besonders dringender Bedarf an Maßnahmen zur Energieeinsparung besteht in den Privathaushalten. In Deutschland hat dieser Sektor des Endenergieverbrauchs inzwischen die Industrie als führenden Verbraucher abgelöst; rund 30 Prozent der zur Verfügung gestellten Endenergie werden hier von privaten Haushalten verbraucht. Anders als Unternehmen haben Privatleute nicht die Möglichkeit, gestiegene Energiekosten in Form höherer Preise an Konsumenten weiterzugeben; die Anreize zur Energieeinsparung sollten daher groß sein, zumal es viele bewährte Maßnahmen gibt, den Energieverbrauch deutlich zu senken.
| 4. | Heizwärme |
Die Beheizung der Räume und die Warmwasserbereitung verschlingen in Privathaushalten im Allgemeinen den weitaus größten Anteil der eingesetzten Energie: Etwa drei Viertel des gesamten Energieverbrauchs entfallen auf die Heizung, ein weiteres Zehntel muss für den Warmwasserbedarf aufgewendet werden. Spätestens wenn der Ölverbrauch 20 Liter bzw. der Gasverbrauch 20 Kubikmeter pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr übersteigt, sind Energiesparmaßnahmen erforderlich.
Die erste Maßnahme ist der Verzicht auf überflüssigen Komfort. Wer z. B. die Raumtemperatur um nur ein Grad senkt, spart 6 Prozent Heizkosten bzw. Energie, ohne dass dadurch die Temperaturen unbehaglich würden. Bis zu 10 Prozent Ersparnis bringt die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit in den Räumen, denn da feuchtere Luft vom Menschen wärmer empfunden wird als trockene, steigt mit der Luftfeuchtigkeit auch das Wärmegefühl.
Undichte oder geöffnete Fenster und Türen führen zu beachtlichen Verlusten von Heizwärme, die durchaus ein Drittel der gesamten eingesetzten Energiemenge betragen können. Vor allem das Dauerlüften durch gekippte Fenster sollte vermieden werden. Besser ist es, die Fenster mehrmals am Tag weit zu öffnen; innerhalb weniger Minuten wird so der gesamte Luftinhalt des Raumes erneuert.
Regelmäßige Pflege und Wartung vorhandener Heizungsanlagen bzw. der Ersatz veralteter Heizkessel durch moderne mit höherer Effizienz sind weitere Maßnahmen zur Senkung der Heizkosten und zur Erhöhung der Effizienz, auch wenn die Maßnahmen zunächst Investitionen erfordern. Oft genügt schon die regelmäßige Entlüftung der Heizkörper, denn Luft in der Heizungsanlage kann 10 Prozent höhere Heizkosten bedeuten. Ein noch höheres Einsparpotential – durchaus 40 bis 50 Prozent – ergibt sich durch das solare Heizen.
| 5. | Elektrizität |
Am gesamten Energieverbrauch deutscher Privathaushalte haben die Bereiche Haushaltsgeräte, Kommunikation und Beleuchtung, für die elektrischer Strom eingesetzt wird, mit durchschnittlich rund 10 Prozent nur einen vergleichsweise geringen Anteil. Da jedoch die Elektrizität eine recht teure Form der Energie ist, machen sich auch hier Maßnahmen der Energieeinsparung rasch bezahlt.
Ähnlich wie bei der Heizung können Stromkosten am einfachsten gesenkt werden, indem man auf Unnötiges verzichtet und die vorhandenen Geräte energiebewusst nutzt. Um eine Konservendose zu öffnen, ist z. B. nicht unbedingt ein elektrischer Dosenöffner nötig. Derartige Kleingeräte, von denen es in den Haushalten oft viele gibt, verbrauchen zwar im Betrieb nur wenig Strom, belasten jedoch durch die Energie, die für die Herstellung und den Transport eingesetzt werden muss, die gesamte volkswirtschaftliche Energiebilanz. Elektroherde sind im Haushalt mit durchschnittlich 10 Prozent Anteil gewöhnlich die kostspieligsten Verbraucher. Oft führen hier altbekannte Regeln zu einer spürbaren Energieersparnis. Wer z. B. den Kochtopf mit einem Deckel verschlossen hält, verbraucht bei einer bestimmten Menge Kochgut nur etwa ein Drittel der Energie wie ohne Topfdeckel. Die bewährte Regel, Geräte nach Gebrauch auszuschalten und erst bei Bedarf wieder einzuschalten, ist ebenfalls ein wirksames Mittel, um Strom zu sparen. Der Stand-by-Betrieb elektronischer Geräte (vor allem Fernseher, Videorecorder, Computer) belastet das Energiebudget eines Privathaushalts mit durchschnittlich rund 5 Prozent. Schließlich sollten konsequent Geräte benutzt werden, die eine bessere Energieeffizienz aufweisen, beispielsweise Energiesparlampen oder Kühlschränke mit wirksamerer Wärmedämmung und Abtauautomatik.
| 6. | Verkehr |
Der Sektor Verkehr hat seit 1990 als Energieverbraucher in den meisten Ländern Mitteleuropas die Industrie übertroffen und liegt etwa gleichauf mit den Privathaushalten. Obwohl der Trend in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts leicht rückläufig war, wird mit einem wieder ansteigenden Verkehrsaufkommen gerechnet, insbesondere beim Gütertransport. Da die energetischen Wirkungsgrade der Verkehrstechnologien trotz erheblicher Verbesserungen noch immer besonders niedrig sind, liegt hier ein Schwerpunkt künftiger Energieeinsparung.
Im Einzelnen ist der Energieverbrauch der Verkehrsmittel sehr unterschiedlich: Zum Beispiel verbraucht ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde mit einem Insassen pro Kilometer und Person durchschnittlich gut viermal mehr Energie als ein Auto, das mit gleicher Geschwindigkeit fünf Insassen befördert. Der Vergleich mit dem Zug fällt noch ungünstiger aus. Eine Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs auf Verkehrsträger mit relativ geringem Energieverbrauch, vor allem auf die Bahn und den öffentlichen Personennahverkehr, ist daher neben der Vermeidung unnötigen Verkehrs ein wichtiges Ziel der Energiepolitik. Zur Energieeinsparung können darüber hinaus z. B. neue Antriebstechnologien oder ein verbesserter Verkehrsfluss, etwa durch die Einrichtung „grüner Wellen” oder schnellere Informationen über Staus, beitragen.
| 7. | Kraftstoffverbrauch |
Gestiegene Kraftstoffpreise und unvermindert hoher Ausstoß umweltbelastender Abgase belegen die Notwendigkeit, vor allem im motorisierten Straßenverkehr sparsam mit Energie umzugehen. Dafür gibt es in den Bereichen Verkehrsvermeidung, Fahrweise, zusätzliche Energieverbraucher und Zustand des Fahrzeugs etliche wirksame Mittel.
Viele kürzere Fahrten aus dem Kaltstart führen zumindest bei Fahrzeugen mit Ottomotor (siehe Verbrennungskraftmaschine) zu höherem Energieverbrauch, denn in der Warmlaufphase benötigt der Motor ein Gemisch mit höherem Kraftstoffanteil. In dieser Phase kann der Verbrauch durchaus drei- bis viermal größer als im Durchschnitt sein. Verkehrsvermeidung bedeutet z. B. auch, dass mehrere Einzelfahrten durch Fahrgemeinschaften in einer einzigen, energie- und kostensparenden gebündelt werden.
Die Fahrweise beeinflusst den Kraftstoffverbrauch maßgeblich. Drei wichtige Punkte gilt es zu beachten: Nach dem Anfahren sollte zügig beschleunigt und in höhere Gänge geschaltet werden, um dann betont untertourig mit niedrigen, energiesparenden Drehzahlen und gleichmäßiger Geschwindigkeit zu fahren. Jeder Einsatz der Bremsen verbraucht Energie, deshalb vorausschauend fahren und bei Bedarf die Motorbremswirkung nutzen. Auch ein stehendes Kraftfahrzeug verbraucht im Straßenverkehr Energie, im Durchschnitt etwa einen Liter pro Stunde. Bei Stopps, z. B. vor der roten Ampel, am Bahnübergang oder im Stau, die länger als 20 Sekunden dauern, sollte der Motor folglich abgestellt werden.
Jedes außenbords angebrachte Zubehör wie Gepäck- oder Fahrradträger verändert die im Windkanal optimierte Aerodynamik des Fahrzeugs. Fahrrad-Dachträger mit Fahrrädern erhöhen z. B. den Kraftstoffverbrauch um rund 40 Prozent. Im Innern kann der auf das notwendige Maß begrenzte Gebrauch sinnvollen Zubehörs wie einer Klimaanlage oder Standheizung den Energieverbrauch spürbar senken, denn die genannten Geräte verbrauchen im Mittel bis zu 0,7 Liter pro Stunde. 400 Watt elektrische Leistung erfordern einen durchschnittlichen Mehrverbrauch von 0,5 Litern pro 100 Kilometer; bei den zahlreichen in modernen Autos installierten Geräten – vom Gebläse über die Hi-Fi-Anlage bis zur heizbaren Heckscheibe – ist dieser Wert rasch erreicht und überschritten.
Schließlich verbraucht ein regelmäßig gewartetes und optimal eingestelltes Fahrzeug deutlich weniger Energie. Ein zu niedriger Reifenluftdruck erhöht z. B. den Rollwiderstand und führt damit zu unnötigem Mehrverbrauch und Verschleiß, während umgekehrt ein regelmäßiger Ölwechsel und eine funktionstüchtige Zündanlage den Kraftstoffverbrauch senken.