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Lebensmittelallergie und -unverträglichkeit
1. Einleitung

Lebensmittelallergie und -unverträglichkeit, Krankheiten, die bei manchen Menschen nachteilige Reaktionen auf bestimmte Lebensmittel zur Folge haben.

2. Lebensmittelallergie
1. Definition

Sofortreaktionen auf Lebensmittel sind die offensichtlichsten und häufig die gefährlichsten Formen einer Lebensmittelallergie. Wenn eine Person z. B. stark allergisch auf Erdnüsse reagiert, können bei ihr unmittelbar nach dem Verzehr einer Nuss Zunge und Kehlkopf anschwellen, sie kann einen akuten Asthmaanfall erleiden und sogar daran sterben. Weniger bedrohliche Reaktionen auf Lebensmittel sind u. a. ein leichter Juckreiz im Bereich der Zunge oder des Mundes nach dem Verzehr von Äpfeln oder Steinobst. Dies ist oft der Fall bei Patienten mit Heuschnupfen, die auf früh blühende Bäume wie z. B. Birken allergisch reagieren. Andere Lebensmittelallergien können fast jeden Teil des Körpers in Mitleidenschaft ziehen und Krankheiten wie Ekzeme, Asthma und Urtikaria (Nesselsucht) hervorrufen.

2. Mechanismus

Überall an Körperoberflächen finden sich Mastzellen: in Mund, Nase, Darm und Haut. Wenn sich an diese Zellen Immunglobulin (ein Protein, siehe Immunsystem) der Klasse E (IgE) bindet, können die Zellen durch ein Allergen – etwa ein Lebensmittel, Pollen oder Staub – zum „explosionsartigen” Ausschütten von Histamin veranlasst werden. Dies kann Juckreiz, Niesen, pfeifendes Atmen, Hautausschlag und Diarrhöe bewirken.

Eine Allergie kann durch Haut- oder Labortests, bei denen das spezifische IgE im Blut gemessen wird, diagnostiziert werden. Es sind einfache Methoden mit einem hohen Genauigkeitsgrad. Bei manchen hochgradig allergischen Patienten sollte man Hauttests besser vermeiden und sich auf den Bluttest verlassen. Antihistaminika und Corticoide bekämpfen die Symptome zu einem gewissen Grad. Zudem kann ein 2003 zunächst nur in Australien zugelassenes, als anti-IgE bezeichnetes Medikament, welches das IgE inaktiviert, nach einem im New England Journal of Medicine erschienenen Bericht bei Asthma, Heuschnupfen und Lebensmittelallergien eingesetzt werden.

3. Krankheiten

Wenn die Symptome einer Allergie sofort nach Verzehr eines Lebensmittels auftreten, ist das verursachende Lebensmittel offensichtlich, und es handelt sich höchstwahrscheinlich um eine echte Lebensmittelallergie, die über IgE-vermittelte Reaktionen abläuft. Bei einigen Krankheiten jedoch tritt die Reaktion auf ein Lebensmittel ziemlich langsam auf, z. B. Asthma, eitrige Mittelohrentzündung (chronische seromuköse Otitis media), ständiger Schnupfen (chronische Rhinitis) und Urtikaria. Möglicherweise hat der Patient das Lebensmittel jahrelang täglich gegessen, ohne den Zusammenhang zu erkennen. Erst wenn das Lebensmittel fünf bis zehn Tage vom Speiseplan gestrichen wird, zeigt sich, dass alle Symptome verschwunden sind. Wird das Lebensmittel wieder aufgenommen, tauchen die ursprünglichen Probleme erneut auf. Lebensmittelallergene können in den Blutstrom resorbiert und zu allen Teilen des Körpers transportiert werden. Diese vom Blut beförderten Allergene können in den Mastzellen eines empfänglichen Organs eine Reaktion auslösen. Bei einigen Patienten tritt die allergische Reaktion auf ein Lebensmittel nur auf, nachdem sie körperlich aktiv waren und außerdem das Allergie auslösende Lebensmittel verzehrt haben. Bei Rhinitis kann das Lebensmittelallergen die Symptome viele Stunden oder sogar Tage später hervorrufen.

4. Anzahl der Betroffenen

Es ist schwierig, präzise Angaben über die genaue Zahl der Lebensmittelallergiker zu liefern, da viele Fälle nicht diagnostiziert werden. Es ist jedoch bekannt, dass 10 Prozent der Kinder an Asthma und die gleiche Prozentzahl an Migräne leiden. Von Ekzemen sind ungefähr 12 Prozent betroffen. Diese Zahlen geben einen Hinweis auf die Größe des Problems. Allergien gelten als „Umweltkrankheit Nummer eins” in der westlichen Welt.

3. Lebensmittelunverträglichkeit
1. Definition

Eine Lebensmittelunverträglichkeit ist jede übersteigerte Reaktion auf Lebensmittel, bei der eine Beteiligung des Immunsystems nicht nachgewiesen werden kann, weil Haut- und Bluttests und andere allerologische Tests negativ sind. Möglicherweise ist das Immunsystem in irgendeiner Weise beteiligt, aber nicht als wichtiger Faktor beim Hervorrufen der Symptome.

Untersuchungen haben inzwischen bewiesen, dass Lebensmittelunverträglichkeit in Verbindung mit Krankheiten wie Colon irritabile (Reizkolon; Schmerzen im Grimmdarm), Migräne, Arthritis, Morbus Crohn und Hyperaktivität (siehe ADHS) auftritt. Es gibt eine breite Skala von Symptomen, die auf den Ausschluss von bestimmten Lebensmitteln aus der Ernährung ansprechen. Eine Diät, bei der Nahrungsmittel ausgeschlossen werden, sollte unter Aufsicht eines Arztes begonnen werden. Entscheidend ist die vorsichtige und allmähliche Wiedereinführung des Lebensmittels und die Beobachtung der Auswirkungen.

2. Mechanismen

Es gibt kein Testverfahren, um bei einem Patienten eine Lebensmittelunverträglichkeit eindeutig zu diagnostizieren; Hauttests sind nicht hilfreich, und kein Bluttest ist wirklich zuverlässig. Manchen Menschen fehlt ein Enzym in der Darmschleimhaut, die so genannte Lactase, die Milchzucker (Lactose) spaltet. Der Zustand des Lactasemangels führt zu Lactose-Unverträglichkeit, die wiederum Diarrhöe hervorruft. Dieses Enzym brauchen nur Säuglinge, die mit Muttermilch ernährt werden. Nach der Säugeperiode ist Milch normalerweise kein Grundnahrungsmittel mehr, und das Enzym geht verloren.

Eine Lebensmittelunverträglichkeit kann aber auch aufgrund anderer Faktoren entstehen. Einige Patienten entwickeln erst ein Colon irritabile, wenn ihnen nach einer Operation Antibiotika verabreicht wurden. Manche Menschen entwickeln diese Symptome nach Einnahme der empfängnisverhütenden „Pille” oder von Cortisontabletten. Bei einigen Patientinnen werden die Darmsymptome mit vaginalem Soor (einer Pilzinfektion) in Verbindung gebracht. Man vermutet, dass diese Formen des Colon irritabile auf Grund übermäßigen Wachstums Gärung erzeugender Organismen im Darm auftreten; sie können durch eine Diät sowie Arzneimittel gegen Pilze behandelt werden.

3. Diagnose von Lebensmittelunverträglichkeit

Der einzige zuverlässige Weg, um herauszufinden, ob ein Lebensmittel die Symptome verursacht, besteht darin, es aus der Ernährung auszuschließen und später wieder zuzusetzen. Oft fühlt sich der Patient zwar anfangs schlechter („Entzugsreaktion”), aber nach sechs bis sieben Tagen stellt sich meistens eine deutliche Verbesserung ein. Wenn nach drei Wochen keine Besserung eingetreten ist, sollte die Diät aufgegeben werden.

4. Hauptursachen bei Lebensmittelunverträglichkeit

Eine Faustregel besagt: Je „gieriger” eine Person nach einem Lebensmittel ist, um so wahrscheinlicher reagiert sie empfindlich darauf. Farb- und Konservierungsstoffe sowie Grundnahrungsmittel spielen eine wichtige Rolle bei hyperaktiven Kindern. Getreidearten und Molkereiprodukte sind bei den meisten dieser Erkrankungen die üblichen Ursachen, Zucker und Hefeprodukte insbesondere bei Colon irritabile. Im Folgenden werden einige der Lebensmittel angeführt, die Symptome und die möglicherweise auftretenden Krankheiten auslösen können.

Mehl und Gluten. Auf Weizenprodukte gibt es insbesondere zwei übersteigerte Reaktionen: Überempfindlichkeit auf Gluten, die Zöliakie (siehe unten) hervorruft; und Reaktionen, die als Weizenunverträglichkeit bezeichnet werden können. Hierbei ist der Mechanismus unbekannt, aber der Patient spricht auf den Ausschluss des Lebensmittels aus der Ernährung gut an. Das Hauptproblem jeglicher Diagnose von Lebensmittelunverträglichkeit liegt in der Verzögerung zwischen dem Verzehr des Lebensmittels und dem Auftreten der Symptome. Dieses Problem wird dadurch erschwert, dass die meisten Menschen mehrmals täglich Weizenprodukte in Form einer Hauptmahlzeit oder eines Imbisses (Teigwaren, Kekse, Sandwichs, Kuchen) zu sich nehmen.

Zöliakie ist auf eine Überempfindlichkeit auf das im Getreide enthaltene Gluten zurückzuführen. Dies hat eine Schädigung der Darmschleimhaut zur Folge, wodurch Diarrhöe und oft ein damit einhergehender stark juckender Hautausschlag hervorgerufen werden (Dermatitis herpetiformis). Zöliakie kann mit Hilfe eines Bluttests diagnostiziert werden, aber die beste Möglichkeit ist die Entnahme einer Gewebeprobe von der Dünndarmwand zur mikroskopischen Untersuchung. Die Struktur der Darmschleimhaut ist im gesunden Zustand sehr charakteristisch, aber bei einer Schädigung durch Gluten wird sie flach und dünn. Die Behandlung besteht in einem lebenslangen Ausschluss von glutenhaltigen Produkten. Italienische Forscher berichteten 2001 in der Zeitschrift Lancet, unter Zöliakie Leidende hätten ein deutlich erhöhtes Sterberisiko, insbesondere wenn keine glutenfreie Diät eingehalten würde; Todesursache sei häufig das Non-Hodgkin-Lymphom, eine Krebserkrankung Blut bildender Organe.

Getreideintoleranz ist weiter verbreitet als Zöliakie. Die Symptome können als Colon irritabile zusammengefasst werden. Dies ist ein Krankheitsbild, bei dem Diarrhöe, Verstopfung, Unterleibsschmerzen und Blähungen auftreten. Untersuchungen lassen selten eine Anomalie des Darmes erkennen. Weitere Symptome sind Lethargie, Gelenk- und Kopfschmerzen. Bei 50 Prozent der Patienten mit Colon irritabile erweist sich der Ausschluss von entsprechenden Lebensmitteln aus der Ernährung als erfolgreich.

Molkereiprodukte. Es gibt mehrere Mechanismen, durch die Molkereiprodukte Reaktionen hervorrufen. Der Mangel des Enzyms Lactase kommt weltweit bei 75 Prozent der Bevölkerung vor und gilt als „normal”. Westeuropäer behalten dieses Enzym auch nach ihrer Kindheit und können dementsprechend unter normalen Umständen ihr Leben lang Milchzucker verdauen. Manche Menschen verlieren das Enzym entweder in der Kindheit oder später und müssen daher Lactose meiden. Bei ihnen besteht eine Lactoseunverträglichkeit und ein Lactasemangel. Andere reagieren allergisch auf Milcheiweiß, können aber den Zucker vertragen.

Hyperaktivität. Mehrere Untersuchungen, darunter zwei vom Great Ormond Street Hospital in London, haben gezeigt, dass bestimmte Lebensmittel, Farb- und Konservierungsstoffe bei Kindern Stimmungsschwankungen und hyperaktives Verhalten herbeiführen können. Eine Form der Desensibilisierung (Immuntherapie) hat sich in diesen Fällen als hilfreich erwiesen.