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| 2. | Von den Anfängen bis zum 2. Weltkrieg |
Im Vergleich mit anderen europäischen Filmländern begann Italien erst relativ spät mit einer eigenen Produktion. Der Kameramann Vittorio Calcina, Generalvertreter der Gebrüder Lumière in Italien, drehte zwar bereits ab 1896 Dokumentarfilme, den ersten italienischen Spielfilm schuf aber erst Filoteo Albertini mit La presa di Roma, 20 Settembre 1870 (1905; Die Eroberung Roms). In der Zwischenzeit dominierte französische Importware den italienischen Markt. In der Zeit von 1905 bis 1914 stieg die Produktionsrate italienischer Filme dann steil an, weit mehr als die Hälfte aller Filme der Stummfilmperiode entstand innerhalb dieses Zeitraums in den Zentren Rom, Neapel, Mailand und Turin. Giovanni Pastrone produzierte mit dem Komiker André Deed in der Rolle des Cretinetti mehr als hundert Slapstick-Komödien.
Als spezielles Genre kamen aus Italien historische Monumentalfilme, die auch international erfolgreich waren: Il Cid (1909; Der Cid, Regie Mario Caserini), La caduta die Troia (1911; Der Fall Trojas, Regie Giovanni Pastrone), Quo vadis (1912; Quo vadis, Regie Enrico Guazzoni), Gli ultimi giorni di Pompei (1913; Die letzten Tage von Pompeji, Regie Eleuterio Rodolfi). Als Höhepunkt dieser Gattung und des italienischen Stummfilms überhaupt gilt Giovanni Pastrones kostspieliger Karthago-Film Cabiria (1913; Cabiria) mit einer Spieldauer von über drei Stunden. Pastrone setzte hier zum ersten Mal den von ihm entwickelten Kamerawagen ein und erzielte damit sensationelle Effekte optischer Bewegung wie Raumtiefe, Rückfahrten und Nahaufnahmen. Zu den Regisseuren, die sich von diesem Film beeinflussen ließen, zählen auch die berühmten amerikanischen Regiepioniere D. W. Griffith und Cecil B. De Mille. Filmmelodramen, die beliebten Schauspielerinnen attraktive Rollen lieferten („Divenfilm”), blieben dem theatralischen Naturalismus verpflichtet, z. B. Fior di male (1915, mit Lyda Borelli), Assunta Spina (1915; Assunta Spina, mit Francesca Bertini), Cenere, (1916; Asche, mit Eleonora Duse). Der 1. Weltkrieg und die Wirtschaftsschwäche des Landes setzten dem Konsolidierungsprozess des italienischen Films ein abruptes Ende. In der Nachkriegszeit brachte der Massenimport von Hollywood-Produktionen die einheimische Filmindustrie an den Rand des Ruins.
Diese Situation änderte sich erst mit der Erfindung des Tonfilms. Nicht nur in technischer Hinsicht stellt hier der psychologische Milieufilm Rotaie (1929; Schienen) von Mario Camerini, der stumm gedreht und nachträglich mit einer Tonspur versehen wurde, den zukunftsweisenden Ausgangspunkt dar; thematische und filmästhetische Komponenten machten ihn zu einem Vorläufer der Filme des Neorealismus. Das gilt in mancher Hinsicht auch für Sole (1929), einen der letzten Stummfilme Alessandro Blasettis, der Einflüsse des deutschen und sowjetischen Kinos zeigt.