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| 4. | 18. und 19. Jahrhundert |
Nach den phantastischen Fahrten Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausens (Reisebeschreibung nach der oberen Mondwelt), der Gesellschaftssatire Jonathan Swifts (Gullivers Reisen), der Parodie auf den Ritterroman von Miguel de Cervantes (Don Quijote) und den philosophischen Reisefiktionen der Aufklärung – darunter Voltaires Candide – entwickelte sich der bildungsbeflissene Reiseroman des Barock und der erotisch-galante Rokoko-Reiseroman. In der Tradition von Laurence Sternes Empfindsamer Reise durch Frankreich und Italien (1768) entstand Schummels Empfindsame Reise durch Deutschland (1770-1772).
Im 18. Jahrhundert begründen Daniel Defoe und Tobias George Smollet zudem die Robinsonade bzw. den Seeroman. Daneben erschienen erste Weltreise-Bücher, so Johann Georg Adam Forsters Reise um die Welt (1777) oder Adelbert von Chamissos Reise um die Welt (1821). Jules Vernes erschloss den Reiseroman der Sciencefiction. Seine Reise um die Welt in 80 Tagen reizte im 20. Jahrhundert Autoren wie Jean Cocteau (Meine Reise um die Welt in 80 Tagen) und Julio Cortázar (Reise um den Tag in 80 Welten) zu intelligenten Variationen. Die Abkehr von den Naturtheorien Jean-Jacques Rousseaus zeigte sich im Sturm und Drang, etwa bei Friedrich Maximilian Klingers Faust (1791). Hingegen besitzen Jean Pauls phantasiereiche Reiseromane Züge des Idyllischen. Das Sujet der Lügenfahrten nehmen die sich um die Person Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen rankenden Münchhauseniaden auf: Auch diese Tradition setzte sich bis ins 20. Jahrhundert fort, etwa bei Paul Scheerbart, Walter Hasenclever u. a.
Eigene Erfahrungen in exotischer Ferne skizzierte Iwan Gontscharow Mitte des 19. Jahrhunderts in Fregat Pallada (2 Bde.; Die Fregatte Pallas), zugleich eine anklagend-parodistische Variante der Reiseliteratur einer sentimental-verklärenden Romantik. (Innerhalb der deutschen Romantik taucht das Motiv etwa in Joseph Freiherr von Eichendorffs Aus dem Leben eines Taugenichts von 1826 auf.) Der Abenteuer- und Entdeckerlust anderer Autoren steht hier die eigene Unfähigkeit zum Genuss des Fremden („Kälte und Trägheit hatten mich ganz übermannt”) entgegen.