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Arbeit (Soziologie)

Arbeit (Soziologie), die Aufwendung physischer, geistiger oder emotionaler Anstrengung für die Herstellung von Waren zum eigenen oder fremden Gebrauch sowie das Erbringen von Dienstleistungen.

Grundsätzlich kann zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit unterschieden werden. Die Erwerbsarbeit war lange Zeit vorwiegend den Männern vorbehalten. Umgekehrt waren Tätigkeiten wie Hausarbeit und Kindererziehung die Domäne der Frauen. Diese Form der geschlechtlichen Arbeitsteilung wird in den westlichen Industrienationen seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts nach und nach aufgeweicht. In der Geschichte wurde Arbeit sowohl im religiösen als auch im philosophischen Zusammenhang unterschiedlich bewertet. Einen besonderen Stellenwert nahm die Arbeit seit der Reformation in der lutherischen und calvinistischen Theologie ein. Den Zusammenhang zwischen der protestantischen Arbeitsethik und der Entwicklung der kapitalistischen Industriegesellschaft arbeitete insbesondere Max Weber in Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus (1905) heraus.

Seit Hegel, spätestens aber mit dem Marxismus ist der Begriff der Arbeit aus der Soziologie wie auch der Philosophie der Moderne nicht mehr fortzudenken. Die Industriegesellschaft versteht sich selbst ausdrücklich als „Arbeitsgesellschaft” (Ralf Dahrendorf) und wird wesentlich durch Arbeit strukturiert – im Gegensatz zur mittelalterlichen Ständegesellschaft, die den sozialen Status durch Geburt festlegt. Arbeit wird dabei auch als demokratiefördernd aufgefasst: Mit seiner „Hände Arbeit” könne sich jeder, wenn er den notwendigen Einsatz und die geforderte Leistung aufbringe, „nach oben arbeiten”.

Demgegenüber hat die Soziologie u. a. von Karl Marx die Form der Arbeit und die Arbeitsteilung in der Industriegesellschaft kritisiert. Dabei steht vor allem die Entfremdung im Mittelpunkt: Entgegen der behaupteten Selbstverwirklichung durch Arbeit führe diese im Gegenteil zur Fremdheit sich selbst gegenüber. Auf dieser Erfahrung beruht das Konzept der Arbeiterklasse und die Tätigkeit der europäischen Arbeiterbewegung. In der fortgeschrittenen Industriegesellschaft verliert die (produktionsorientierte) Arbeit zunehmend an Bedeutung zugunsten der Dienstleistung. Mittlerweile wächst auch die Dienstleistungsgesellschaft in die Informationsgesellschaft hinüber, in der vor allem die Verfügung über Information und Wissen zählt.

Siehe auch Arbeitssoziologie