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Fruchtwechsel, landwirtschaftliches Prinzip, bei dem auf einer Ackerfläche verschiedene Pflanzenarten nach einem bestimmten System aufeinander folgend angebaut werden, um die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten und Schädlingsbefall sowie Bodenerosion (siehe Bodenverschlechterung) zu reduzieren.
Fruchtwechsel bedeutet, dass nacheinander bestimmte Feldfrüchte auf denselben Flächen angebaut werden – im Gegensatz zu Systemen, bei denen nur eine Fruchtart oder planlos abwechselnd Früchte angebaut werden. Bei einem System der Fruchtfolge wechseln die Pflanzen entsprechend den Mengen und Arten organischer Substanz, die sie dem Boden zuführen. Typisch ist ein Wechsel zwischen Getreide und Hackfrüchten wie Kartoffeln oder Gemüse: Erstere sind meist mit relativ geringem Arbeitsaufwand zu kultivieren, da kaum Unkräuter in den dichten Getreideäckern gedeihen; Letztere liefern im Gegenzug höhere Erträge, benötigen aber relativ häufiges Pflügen. Da dies den Verlust organischer Substanz (siehe Humus) durch Oxidation beschleunigt, werden beim Fruchtwechsel oft Arten wie Roggen, Kürbis, Gurken oder Erbsen zwischengepflanzt, die nur an der Oberfläche wurzeln und daher eine geringe oder gar keine Bodenbearbeitung brauchen.
Zum System der Fruchtfolge gehören außerdem Deckfrüchte sowie Pflanzen zur Gründüngung. Erstere, z. B. Hafer oder Winterroggen, sollen den Boden während des Brachliegens vor Erosion schützen. Die Pflanzen der Gründüngung, vor allem Stickstoff fixierende Hülsenfrüchtler, werden nach der Ernte untergepflügt und erhöhen so den organischen Anteil des Bodens. Beispiele hierfür sind Klee, Steinklee, Buchweizen und das Rainfarnblättrige Büschelschön. Eine tiefere Durchwurzelung durch Hülsenfrüchtler wie die Blaue Luzerne oder die Esparsette verbessert auch die Entwässerung, weil nach dem Verrotten der Wurzeln kleine Kanäle im Boden bleiben. Obgleich durch die Gründüngung selbst kein Ertrag erzielt wird, bewirkt sie doch ein besseres Wachstum der nachfolgend angebauten Feldfrüchte und sollte mindestens einmal alle vier Jahre durchgeführt werden.
Durch einen sinnvollen Fruchtwechsel wird nicht nur der Boden verbessert, sondern auch der Befall durch Schädlinge und Krankheitserreger eingeschränkt, da viele dieser Organismen relativ spezifisch eine bestimmte Wirtspflanze angreifen. Ein Anbau von Früchten und Gemüse für den menschlichen Verbrauch im Wechsel mit Futterpflanzen für das Vieh verringert außerdem die Ausgaben für Futtermittel. Fruchtwechsel dient somit gleichermaßen dem Schutz natürlicher Ressourcen wie der Sicherung bzw. Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft. Das systematische Prinzip dafür wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in England entwickelt und ist heute vorwiegend im ökologischen Landbau verbreitet. Die Zyklen des Fruchtwechsels variieren – je nach Bodenbeschaffenheit, Hanglage, Klima, Kapazitäten des betreffenden Betriebs, wirtschaftlichen Zwängen usw. – meist zwischen drei und acht Jahren bzw. Pflanzperioden.