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| 3. | Wehrmacht und NS-Staat |
Das Offizierskorps, aber auch die Mannschaften waren in hohem Maß der autoritären, antidemokratischen Tradition des Kaiserreiches verhaftet. Von Beginn des NS-Regimes an passte sich die Reichswehr bzw. Wehrmacht mehr und mehr dem nationalsozialistischen Staat an und ordnete sich ihm unter, gefördert sowohl von einem großen Teil der militärischen Führungsriege, als auch durch den seit 1934 auf Hitler persönlich zu leistenden Eid. Grundlage dieser Anpassung war ein von vornherein zwischen Wehrmacht und Hitler bestehendes Einvernehmen in verschiedenen zentralen Punkten, wie in Fragen der Weltanschauung, der Aufrüstung und der Etablierung der Wehrmacht als der alleinigen „Waffenträgerin der Nation”. Letzteres wurde u. a. durch die Ausschaltung der als Konkurrenz empfundenen SA im Rahmen des blutig inszenierten Röhm-Putsches 1934 in die Wege geleitet.
Nach verdeckten Aufrüstungen und Heeresvergrößerungen in den Jahren 1933 und 1934 wurde die Wehrmacht seit dem 16. März 1935 unter Verletzung des Versailler Vertrags, der die deutschen Streitkräfte auf 100 000 Mann Landheer und 15 000 Mann Marine reduziert hatte, offen materiell und personell massiv aufgerüstet; zugleich wurde die im Versailler Vertrag untersagte Wehrpflicht wieder eingeführt. Erklärtes Ziel Hitlers war es, die Wehrmacht „kriegsfähig” zu machen. Ab Kriegsbeginn 1939 bis zur endgültigen Niederlage 1945 wurde der größte Teil der männlichen Bevölkerung zwangsrekrutiert, was im letzten Kriegsjahr in Kinder- und Greisenbataillone mündete (so genanntes „letztes Aufgebot”, offiziell „Volkssturm”, im Volksmund auch „Kanonenfutter” genannt).
| 1. | Kriegsverbrechen und Widerstand |
Die unselige, kriegs- und völkerrechtswidrige Rolle der Wehrmacht bei der Umsetzung des nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungskrieges ist unter Historikern unstrittig. So waren Wehrmachtsangehörige in den besetzten Gebieten regelmäßig an Massenerschießungskommandos und systematischen Misshandlungen insbesondere der Zivilbevölkerung beteiligt (in der Regel im Zusammenspiel mit der SS, dem SD und der Gestapo). Außerdem beteiligte sich die Wehrmacht im großen Stil an der Deportation von Juden, Sinti und Roma und politischen Oppositionellen aus den besetzten Gebieten in die Konzentrations- und Vernichtungslager.
In Anbetracht der immer unmenschlicher werdenden Verhältnisse an der so genannten Ostfront und der bereits absehbaren militärischen Niederlage bildeten sich zunehmend auch in Offizierskreisen Widerstandsgruppen, aus deren Reihen schließlich das erfolglose Attentat am 20. Juli 1944 auf Hitler verübt wurde. Zugleich propagierte die Wehrmachtsführung unter Hitler und Dönitz einen eisernen Durchhaltewillen, der den längst aussichtslos gewordenen Krieg unter hohen Menschenverlusten auf beiden Seiten unnötig in die Länge zog.