Reconquista
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Reconquista
2. Hintergründe

Die Reconquista wird traditionell als ein einziger, langer Kreuzzug der Christen gegen die „Ungläubigen” dargestellt, es wird also die religiöse Dimension der Reconquista in den Mittelpunkt gestellt. Dieser Aspekt wurde allerdings während der Reconquista selbst bis ins ausgehende 11. Jahrhundert, als der christliche Westen zu seinen Kreuzzügen ins Heilige Land aufbrach, in Spanien praktisch nicht wahrgenommen. Ein zweites Charakteristikum der Reconquista war das Bestreben der christlichen Herrscher auf der Iberischen Halbinsel, das untergegangene westgotische Reich wieder herzustellen; die christlichen Herrscher sahen sich als dessen legitime Erben, reklamierten einen Rechtsanspruch auf die muslimischen Gebiete und untermauerten diesen Anspuch u. a. dadurch, dass sie al-Andalus (das muslimische Südspanien) unter sich aufteilten, noch bevor sie es erobert hatten. Verträge zwischen Kastilien und Aragonien aus dem 12. und 13. Jahrhundert belegen diese Teilungsabsichten.

Beweggründe und Verlauf der Reconquista waren außerordentlich vielfältig und unterlagen demographischen, wirtschaftlichen, sozialen und politischen Einflüssen. In jedem Fall aber bedeutete die Reconquista und die damit einhergehende Wiederbesiedelung der eroberten Gebiete durch Christen eine ständige Bewegung großer Menschenmengen, und zwar in erster Linie in Nord-Süd-Richtung. In wirtschaftlicher Hinsicht brachte die Inbesitznahme der ehemals muslimischen, in der Regel deutlich weiter entwickelten Gebiete den Christen erhebliche Vorteile: Die wirtschaftliche Produktivität wurde gesteigert und diversifiziert. Reconquista und Wiederbesiedelung spielten daher bei der Entwicklung der christlichen Gesellschaft im mittelalterlichen Spanien eine große Rolle.