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| 3. | Die Dekolonisation in Afrika |
Die arabischen Staaten Nordafrikas standen seit dem Zerfall des Osmanischen Reiches unter der Herrschaft Frankreichs, Italiens und Großbritanniens. In vielen Kolonien bildete sich in der Folge eine starke nationalistische Elite nach europäischem Vorbild heraus, die danach strebte, die Macht zu übernehmen. Die ehemals italienische Kolonie Libyen erlangte 1951 die Unabhängigkeit. In Algerien, das nicht als Kolonie, sondern als Bestandteil Frankreichs angesehen wurde, erkämpfte sich im so genannten Algerienkrieg (1954-1962), der mehrere hunderttausend Opfer forderte, die nationale Befreiungsfront Front de Libération Nationale (FLN) die Unabhängigkeit. Auch in Marokko und Tunesien strebten nationalistische Bewegungen seit dem 2. Weltkrieg nach Unabhängigkeit. Frankreichs Versuche, diese Bestrebungen gewaltsam zu unterdrücken, scheiterten. 1956 wurden sowohl Marokko wie auch Tunesien gemäß eines 1955 mit Frankreich geschlossenen Vertrags unabhängig.
Die Dekolonisation der britischen Kolonien südlich der Sahara verlief nicht überall ohne Probleme. In den Ländern mit wenigen weißen Siedlern gelang sie nach indischem Muster: Nachdem zunächst Parlamentswahlen durchgeführt worden waren, entließ Großbritannien 1957 Ghana (die ehemalige Goldküste) und 1960 Nigeria in die Unabhängigkeit. In Ländern mit größerem weißen Bevölkerungsanteil verzögerten die Briten jedoch den Rückzug. Dies führte zu oft radikalen Widerstandsbewegungen gegen die Kolonialherrschaft wie dem Mau-Mau-Aufstand in Kenia. Nach jahrelangem Kampf erhielt Kenia 1963 die Unabhängigkeit. Die britische Kolonie (Süd-)Rhodesien hatte sich von 1953 bis 1963 mit Nordrhodesien (das 1964 als Sambia selbständig wurde) und Njassaland (1964 Malawi) zur Zentralafrikanischen Föderation zusammengeschlossen. Nach dem Zerfall der Föderation erklärte Südrhodesien als erstes Land nach den USA (1776) einseitig die Unabhängigkeit von Großbritannien. Die von Großbritannien und den Vereinten Nationen verhängten Sanktionen zeigten keine Wirkung. Erst nach jahrelangem Guerillakrieg der Befreiungsorganisationen ZANU (Zimbabwe African National Union) und ZAPU (Zimbabwe African People’s Union) konnte die schwarzafrikanische Bevölkerungsmehrheit 1980 die Souveränität im nun Simbabwe genannten Staat erlangen. In den sechziger und siebziger Jahren erkämpfte die Unabhängigkeitsbewegung SWAPO die Souveränität Namibias gegen die Apartheidregierung Südafrikas.
Frankreich hatte seinen Kolonien in Schwarzafrika 1956 durch die Gründung der Französischen Union (Union Française) die innere Selbstverwaltung ermöglicht. 1958 gab Frankreich den Kolonien die Wahlmöglichkeit zwischen der Selbständigkeit und der Mitgliedschaft in der Französischen Gemeinschaft (Communauté Française). Lediglich Guinea entschied sich bereits 1958 für die Unabhängigkeit, 1960 folgten die verbliebenen Kolonien: Madagaskar, Mali, Dahomey (das heutige Benin), Niger, Obervolta (heute: Burkina Faso), Elfenbeinküste, Tschad, die Zentralafrikanische Republik, Kongo, Gabun, Senegal und Mauretanien.
Blutig verlief auch die Dekolonisierung von Belgisch-Kongo, dem späteren Zaire. In den fünfziger Jahren hatte die belgische Regierung ein Programm für die Entlassung Kongos in die Unabhängigkeit erarbeitet. Als 1959 überraschend Aufstände ausbrachen, gewährte Belgien zum Juni 1960 die Unabhängigkeit. Patrice Lumumba wurde zum Präsidenten gewählt, aber schon bald von Oberst Mobutu gestürzt, der mit Unterstützung der ehemaligen Kolonialmächte Frankreich und Belgien eine der grausamsten Diktaturen des postkolonialen Afrikas errichtete. 1975 musste schließlich auch Portugal, das sich am längsten der Dekolonisation widersetzte, nach Guerillaaktivitäten in Angola, Moçambique (FRELIMO) und Guinea-Bisseau diese Staaten in die Unabhängigkeit entlassen. Mit diesen erlangten auch die Kapverdischen Inseln, São Tomé e Príncipe und die daraufhin von Indonesien besetzte asiatische Kolonie Osttimor die Unabhängigkeit.