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Bodenerosion

Bodenerosion, Abtragung des Bodens durch Wasser oder Wind.

Bodenerosion ist in allen Gebieten mit lückenhafter oder fehlender Pflanzendecke ein natürlicher Vorgang. Als Bodenerosion im engeren Sinn gilt die durch Eingriffe des Menschen in die Natur ausgelöste und beschleunigte Bodenabtragung. Vor allem als Folge von Abholzung, Überweidung und unsachgemäßer Bodenbearbeitung hat sie sich seit der Jungsteinzeit ausgebreitet und beschleunigt. Sie stellt die schwerwiegendste Form der Bodenverschlechterung dar, weil Verluste an Bodensubstanz in der Praxis kaum wieder rückgängig gemacht werden.

An der Bodenerosion durch Wasser sind große Regentropfen beteiligt, die mit hoher Energie auf die ungeschützte Bodenoberfläche prallen. Sie zerschlagen die Bodenteilchen in kleinere Partikel und erleichtern so die Erosion durch flächenhaft oder in einzelnen Rinnsalen abfließendes Wasser. Es kerbt flache Rillen, aber auch tiefere Rinnen und Gräben in den Boden. Im Extremfall hinterlässt die Wassererosion von Schluchten zerfurchte Badlands, die landwirtschaftlich nicht mehr genutzt werden können. Der Wind transportiert lose Partikel des nackten Bodens ab. Größere Teilchen rollen und springen über die Bodenoberfläche und setzen sich meist nach einem kurzen Weg wieder ab, feinkörnigeres Bodenmaterial wird hoch aufgewirbelt und bildet Staubwolken, die nicht selten Strecken von mehreren tausend Kilometern zurücklegen.

Neben der Niederschlagsintensität und der Windgeschwindigkeit bestimmen zahlreiche weitere Faktoren Art und Stärke der Bodenerosion. Bei der Erosion durch Wasser sind Hangneigung, Hanglänge und Wasserdurchlässigkeit des Oberbodens von Bedeutung. Die Bodenfeuchte, die Größe der Angriffsfläche für den Wind und der Gehalt an leichten organischen Partikeln beeinflussen maßgeblich die Winderosion. Wichtigste Faktoren für das Ausmaß der Erosion durch Wasser und Wind sind jedoch die Art der Bodenbedeckung und die Bodenart. Eine geschlossene Rasendecke verhindert die Abtragung praktisch vollständig, während manche Kulturpflanzen (insbesondere Mais und Zuckerrüben) die Bodenerosion beschleunigen. Am leichtesten können die mittleren Korngrößen wie feiner Sand von der Bodenoberfläche abgelöst werden, sowohl zu den gröberen (Steine) als auch zu den feineren Korngrößen (Ton) hin sinkt die Erosionsgefahr.

Das Ausmaß der Bodenerosion schwankt in weiten Grenzen. Bodenverluste von mehr als 30 Tonnen pro Hektar und Jahr weisen auf stark erosionsgefährdete Böden hin. Maximalwerte können mehr als 100 Tonnen pro Hektar und Jahr betragen. Schon bei einem einzigen mehrtägigen Winderosionsereignis wurden z. B. in Norddeutschland Bodenverluste von bis zu 200 Tonnen pro Hektar gemessen. Gerade in den gemäßigten Breiten wird die Gefahr der Bodenerosion bei Ackerland häufig unterschätzt; die Abtragung verläuft hier eher unbemerkt, weil das Pflügen die Erosionsspuren wieder verwischt. Seit dem frühen Mittelalter wurden z. B. in Deutschland ackerbaulich genutzte Hänge um durchschnittlich 50 Zentimeter tiefer gelegt.

Die Schäden durch die Abtragung und die Ablagerung des abgeschwemmten bzw. ausgewehten Bodenmaterials sind beträchtlich. Weltweit gehen jährlich mindestens 75 Milliarden Tonnen Boden durch Wasser- und Winderosion verloren. Auf den erodierten Flächen und in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft verschlechtert sich die Nährstoff- und Wasserversorgung, es kommt zu Verlusten an durchwurzelbarer Bodensubstanz, Kulturpflanzen werden ausgespült und unter erodiertem Bodenmaterial (Kolluvium) begraben. Weitreichende Folgen hat die Bodenerosion u. a. durch den verstärkten Nähr- und Schadstoffeintrag in Gewässer (Eutrophierung), die Ansammlung von Sedimenten in Stauseen oder die Staubbelastung der Luft, die zu einer Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Tier werden und die Desertifikation beschleunigen kann.

Schäden durch Bodenerosion können in der Regel nicht behoben, sondern nur verhindert oder gemildert werden. Den besten Schutz vor Bodenabtragung bietet die möglichst ununterbrochene Bedeckung der Bodenoberfläche durch Vegetation oder Mulch. Konturpflügen (parallel zu den Höhenlinien), dem Gelände angepasster Streifenanbau und die in den Tropen und Subtropen traditionellen Mischkulturen können die Bodenverluste ebenfalls deutlich verringern. Bei sehr starker Erosionsgefahr ist die Anlage von Anbauterrassen und Windschutzhecken hilfreich.