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| 1. | Einleitung |
Fledermäuse, Unterordnung der Fledertiere mit rund 900 Arten, die zumeist 17 Familien zugeordnet werden. Die nächsten Verwandten der Fledermäuse sind die Flughunde.
Fledermäuse sind mit Ausnahme der Antarktis auf allen Kontinenten anzutreffen; ihre größte Arten- und Individuendichte erreichen sie in tropischen Regionen. Nur vier Fledermausfamilien leben in gemäßigten Breiten, und die Anzahl der Arten verringert sich in Richtung auf die Polargebiete; zwei Familien erreichen subarktische Regionen. Zu den in Mitteleuropa vorkommenden Fledermäusen gehören Abendsegler, Mausohren, Hufeisennasen, Breitflügel-, Langohr-, Mops-, Wasser- und Zwergfledermäuse; erst um die Jahrtausendwende als neue Arten beschrieben wurden Mückenfledermaus und Nymphenfledermaus.
| 2. | Besonderheiten im Körperbau |
Ebenso wie Flughunde erlangen Fledermäuse ihre Flugfähigkeit mit Hilfe von Flughäuten, die durch die verlängerten Mittelhand- und Fingerknochen sowie die Hinterbeine gespannt werden. Im Gegensatz zum Körperbau der Flughunde sind Schwanzflughaut und Schwanzwirbelsäule bei den meisten Fledermäusen gut entwickelt. Die heute lebenden Fledermäuse unterscheiden sich von fast allen Flughunden auch dadurch, dass sie am zweiten Finger keine Kralle tragen. Anders als Flughunde haben Fledermäuse zudem kleine Augen und zumeist relativ große, kompliziert geformte Ohrmuscheln. Denn Fledermäuse orientieren sich weniger optisch, sondern vor allem mit Hilfe von Ultraschalllauten, deren Echo sie auffangen und auswerten (siehe Echoorientierung).
Die Hintergliedmaßen sind relativ schwach entwickelt, sie dienen der Fledermaus vor allem dazu, sich mit dem Kopf nach unten im Quartier festzuhalten; ein Sehnenmechanismus ermöglicht dies ohne Kraftaufwand, so dass auch tote Fledermäuse oftmals im Quartier hängen bleiben. Fledermäuse können mit zusammengelegten Flügeln „vierfüßig” laufen, indem sie sich auf ihre Handgelenke und Füße stützen.
Das älteste bekannte Fledermausfossil ist die 2008 beschriebene, aus dem frühen Eozän stammende, ungefähr 52 Millionen Jahre alte Fledermausart Onychonycteris finneyi, die im US-Bundesstaat Wyoming gefunden wurde. Diese Fledermaus war bereits flugfähig, hatte jedoch an allen Fingern Krallen und konnte deshalb wahrscheinlich geschickt im Geäst klettern. Dem Bau ihrer Gehörschnecke (Cochlea) zufolge war sie noch nicht zur Echoortung in der Lage. Fledermäuse haben demzufolge zunächst die Flugfähigkeit und dann die Fähigkeit zur Echoortung erworben.
| 3. | Größen |
Die meisten Fledermäuse sind kleiner als Flughunde, doch gibt es einen deutlichen Überschneidungsbereich. Die kleinste Fledermausart ist die im westlichen Thailand lebende Hummelfledermaus; sie hat eine Kopfrumpflänge von drei Zentimetern, wiegt etwa zwei Gramm, und ihre Flügelspannweite beträgt rund 15 Zentimeter. Die größte Fledermausart ist die Australische Gespenstfledermaus, die eine Kopfrumpflänge von 13 Zentimetern, fast 200 Gramm Gewicht und eine Spannweite von einem halben Meter erreichen kann.
| 4. | Orientierung |
Alle Fledermäuse orientieren sich durch Ultraschallortung: Sie senden hochfrequente Tonimpulse aus, die von der Umgebung reflektiert werden und deren Echo das Gehör der Fledermaus aufnimmt. So ortet eine Fledermaus beispielsweise die Position eines vor ihr befindlichen Insekts und seine Flugrichtung und kann sogar feststellen, um was für ein Insekt es sich handelt. Fledermäuse „sehen” ihre Umwelt also sozusagen mit dem Gehör. Daher verlieren sie auch in absoluter Dunkelheit nicht die Orientierung im Raum (im Gegensatz etwa zu Eulen).
Die Laute werden im Kehlkopf gebildet und entweder durch den Mund oder die Nase ausgestoßen. Die von Fledermäusen verwendeten Tonhöhen oder Frequenzen liegen bei etwa 20 bis 120 Kilohertz und damit in der Regel außerhalb des menschlichen Hörvermögens; insbesondere jüngere Menschen können aber relativ tiefe Ortungsrufe wahrnehmen, z. B. die von Abendseglern. Bei der Annäherung an ein Beuteinsekt sendet die Fledermaus ihre Rufe in immer schnellerer Folge aus. Wenn man Fledermausrufe durch einen Ultraschalldetektor hörbar macht, nimmt man diese Ruffolge als charakteristisches Summen (englisch feeding buzz) wahr. Manche tropischen Pflanzen, die von Fledermäusen bestäubt werden, haben speziell geformte Blütenblätter, die Ultraschallrufe der Fledermäuse besonders gut reflektieren; Nektar und Pollen suchende Fledermäuse werden dadurch auf diese Blüten aufmerksam. Fledermäuse verwenden verschiedene Strategien, um das Echo der eigenen Rufe von dem im selben Gebiet jagender Artgenossen zu unterscheiden. So variieren die Nasenflügel carnivorer (Fleisch fressender) Blattnasen innerhalb der Art von Tier zu Tier ein wenig, so dass jede Fledermaus etwas andere Ortungsrufe aussendet.
Manche Fledermäuse spüren ihre Beute auf, indem sie auf Geräusche oder Gerüche achten, die von Beutetieren ausgesandt werden. Denn bei der Beutesuche am Boden oder in dichter Vegetation können Fledermäuse das vom Hintergrund reflektierte Echo oft nicht vom Beutetierecho unterscheiden. Jedoch orientieren sich Fledermäuse durchaus auch optisch; beispielsweise nutzen sie in der Dämmerung sichtbare Geländemerkmale. Manche Fledermäuse nehmen sogar ultraviolettes Licht wahr: Eine lateinamerikanische Blattnasenart orientiert sich in der Dämmerung an den UV-Licht-Reflexionen mancher Blüten, um Pollen und Nektar aufzuspüren.
| 5. | Ernährung |
Die meisten Fledermäuse fressen Insekten und andere Wirbellose, die sie entweder im Flug erbeuten (wobei die Schwanzflughaut häufig als Käscher eingesetzt wird), von der Vegetation ablesen oder vom Boden aufnehmen. Viele Arten aus der Familie der Blattnasen ernähren sich von Früchten; andere nehmen mit Hilfe ihrer stark verlängerten Zungen den Nektar aus Blüten auf und tragen dabei zur Bestäubung von Pflanzen bei. Einige der größeren Blattnasen sind Allesfresser, die nicht nur Insekten und Früchte fressen, sondern auch kleine Lurche, Eidechsen, Vögel, Mäuse und sogar Fledermäuse ergreifen. Ebenfalls zu den Blattnasen gehören die Vampire der amerikanischen Tropen, die ausschließlich von Blut leben, das sie aus kleinen Wunden auflecken. Diese Wunden fügen sie ihrer Beute – Vögel, Huftiere und gelegentlich auch Menschen – vorsichtig mit ihren rasiermesserscharfen Zähnen zu. Mindestens drei Fledermausarten fangen Fische, indem sie ihre großen, mit kräftigen Krallen bewehrten Füße im Flug dicht unter der Wasseroberfläche entlangziehen.
| 6. | Winterschlaf und Wanderungen |
Da Insekten fressende Fledermäuse gemäßigter Breiten im Winter keine Nahrung fänden, fressen sie sich ab dem Spätsommer Fettvorräte an und halten Winterschlaf. Zur Überwinterung ziehen sie sich im Herbst u. a. in Felshöhlen, alte Bergwerksstollen, Kellergewölbe oder Baumhöhlen zurück. Ihre Körpertemperatur kann dann bis nahe an den Gefrierpunkt absinken; in diesem Zustand sind Fledermäuse nur noch zu langsamen, reflektorischen Bewegungen in der Lage. Winterschlafende Fledermäuse dürfen nicht gestört werden, da sie beim Aufwachen Energie verbrauchen und dabei ihre Vorräte an Körperfett abbauen; ihre Fettvorräte werden ohnehin dadurch reduziert, dass viele Fledermäuse auch von Natur aus gelegentlich den Winterschlaf unterbrechen. Auch im Sommer begeben sich Fledermäuse – vor allem tagsüber – bei kühler Umgebungstemperatur in einen Zustand, der dem Winterschlaf ähnelt, man nennt dies Tagesschlaflethargie.
Manche in gemäßigten Zonen verbreitete Fledermausarten, etwa Abendsegler, legen zwischen Sommer- und Winterquartieren weite Wanderstrecken zurück. Die europäische Rauhautfledermaus kann sogar Distanzen von mehr als 1 900 Kilometer überwinden. Andere Arten leben stationär und überwintern in der Nähe ihrer Sommerquartiere.
| 7. | Fortpflanzung |
Bei den Arten der gemäßigten Zonen findet die Begattung zumeist vor dem Winterschlaf statt, wenn diese Fledermäuse sich im Bereich der Winterquartiere versammeln, zum Teil auch während Unterbrechungen des Winterschlafs in den Winterquartieren. Die Spermien überleben in diesen Fällen zumeist während des Winterschlafes in der Gebärmutter des begatteten Weibchens. Die Befruchtung erfolgt dann erst nach der Freisetzung der Eizelle aus dem Eierstock, wenn die Fledermaus im Frühling erwacht ist. Ein anderes Fortpflanzungsmuster zeigt die europäische Langflügelfledermaus. Hier erfolgen Eisprung, Begattung und frühe Entwicklung des Embryos in ganz normaler Abfolge vor dem Winterschlaf. Doch dann ruht die weitere Entwicklung des Embryos bis zum Frühjahr. Die meisten Arten, u. a. diejenigen gemäßigter Breiten, haben ein promiskes Paarungssystem: Männchen und Weibchen paaren sich also mit jeweils mehreren Partnern. Bei manchen tropischen Fledermäusen verteidigen jeweils ein oder zwei Männchen einen kleinen Harem. Einige wenige andere Arten leben monogam und bilden kleine Familiengruppen.
Trächtige Fledermausweibchen versammeln sich zu Gesellschaften, die als Wochenstuben bezeichnet werden; diese können je nach Art einige wenige bis Tausende von Weibchen umfassen. Die Jungen der meisten mitteleuropäischen Arten kommen nach etwa 50-tägiger Tragzeit zur Welt und werden maximal vier Wochen gesäugt. In dieser Zeit klammern sich die Jungen tagsüber zumeist am Fell der Mutter fest und werden abends vor Beginn des Jagdfluges der Alttiere im Quartier abgesetzt. Nach dem Ende der Säugeperiode sind die Jungen flugfähig und machen selbständig Beute. Nur wenige Fledermausarten bringen mehr als ein Junges zur Welt: Abendsegler und Zwergfledermäuse z. B. bekommen regelmäßig Zwillinge; die ebenfalls zur Familie der Glattnasen gehörenden Fledermäuse der Gattung Lasiurus bringen pro Wurf bis zu vier Junge zur Welt.
| 8. | Lebenserwartung und Feinde |
Fledermäuse können drei bis vier Mal so alt werden wie andere Kleinsäuger ihrer Größe; für mehrere Arten wurde ein Höchstalter von mehr als 30 Jahren (maximal 33 Jahre) nachgewiesen. Zu den Fressfeinden von Fledermäusen gehören Eulen, Greifvögel und Raubtiere; an den Eingängen tropischer Fledermaushöhlen lauern manchmal Schlangen auf Fledermäuse. Fledermäuse, auch solche europäischer Arten, können von Tollwutviren befallen sein, die jedoch nicht mit denen der Fuchstollwut identisch sind. In seltenen Fällen (nicht in Mitteleuropa) erkrankten auch Menschen an diesen Viren. Um Bisse zu vermeiden, empfiehlt es sich, Fledermäuse, die sich z. B. in eine Wohnung verflogen haben, nur mit Handschuhen zu ergreifen.
| 9. | Gefährdung |
Fledermäuse sind in großen Teilen ihrer Verbreitungsgebiete, auch in Mitteleuropa, im Bestand bedroht. Zu den Hauptursachen für die Bestandsrückgänge gehören die Zerstörung von Naturlandschaften und der Mangel an Quartieren. So gibt es in mitteleuropäischen Forsten nur noch wenige Altbaumbestände, die Fledermäusen Quartier bieten könnten, und die moderne Bauweise ermöglicht Fledermäusen oftmals keinen Zugang zu Dachböden. Zudem reagieren Fledermäuse empfindlich auf Pestizide, etwa Holzschutzmittel auf Dachböden.
| 10. | Systematische Einordnung |
Fledermäuse bilden die Unterordnung Microchiroptera der Ordnung Chiroptera. Glattnasen bilden die Familie Vespertilionidae. Die Mückenfledermaus heißt zoologisch Pipistrellus pygmaeus oder Pipistrellus mediterraneus, die Nymphenfledermaus heißt Myotis alcathoe, die Hummelfledermaus Craseonycteris thonglongyai, die Australische Gespenstfledermaus Macroderma gigas, die Rauhautfledermaus Pipistrellus nathusii und die Langflügelfledermaus Miniopterus schreibersi. Vampirfledermäuse bilden die Unterfamilie Desmodontinae der Familie Phyllostomidae.