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| 3. | Normbrüche und Normverstöße |
Gezielte Normbrüche werden häufig als Mittel des politischen, sozialen oder kulturellen Protests eingesetzt, wobei die Normbrecher durchaus damit rechnen, bestraft zu werden (z. B. im Fall des zivilen Ungehorsams). Normbrecher berufen sich in der Regel auf eine andere, höher angesiedelte Norm, die ihrer Ansicht nach durch die Norm, gegen die protestiert wird, verletzt wird (derartige Normbrüche sind etwa Hausbesetzungen, Straßenblockaden oder unerlaubte Demonstrationen). Ein solcher Normenkonflikt muss nicht selten gerichtlich entschieden und beigelegt werden.
Unter Normalisierung versteht man den Versuch einer Gruppe, Normverstöße, die nicht unmittelbar zum Zerbrechen der Gruppe führen, zu thematisieren und zu entschärfen, um eine erneute „Normalität” der Gruppensituation herzustellen. Dabei kann abweichendes Verhalten durchaus selbst in die Norm einbezogen werden und diese somit „erweitert” werden, um soziale Konflikte zu mildern oder zu verhindern; Beispiele dafür sind Auffassungen von „anständigem Verhalten” bzw. „manierlichem Benehmen”, von tolerierbaren Modevorstellungen, die allesamt historischem Wandel unterliegen, oder auch die Legalisierung ursprünglich gesetzeswidrigen Verhaltens (siehe Schwangerschaftsabbruch, Homosexualität, Scheidung etc.). Scheitern solche Integrationsversuche, kann dies dazu führen, dass sich die Normverletzer von der Gruppe oder der Gesellschaft abwenden und ihre nicht tolerierten Normverstöße nun bewusst praktizieren; in gewissem Rahmen „normales” abweichendes Verhalten von Jugendlichen kann so in manifeste Kriminalität und eine dementsprechende Karriere münden.