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Poetik, Lehre von der Dichtkunst. Poetik versteht sich zum einen als Dichtungstheorie, also als wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Wesen, Formen, Ausdrucksmitteln, Funktionen und Wirkungen der Dichtung, zum anderen als normative Anweisung zum „richtigen” Dichten sowie, im Zusammenhang damit, als Literaturkritik. Als Reflexion über den Charakter von Kunstwerken ist sie Kernstück der Ästhetik, als Theorie der Poesie Bestandteil der Literaturwissenschaft. Von der Antike (Aristoteles, Horaz) bis zur Aufklärung (Abbé Charles Batteux, Johann Christoph Gottsched) wurden programmatische, regelsetzende Poetiken verfasst, die die Gesetze einer idealen Dichtkunst aufzustellen versuchten. Seit der Epoche des Sturm und Drang erhielt die Poetik dann in zunehmendem Maße die Aufgabe einer Deutung von Dichtung zugesprochen, so bei Anthony Ashley Cooper Shaftesbury und Johann Gottfried von Herder. Im 20. Jahrhundert entstand die beschreibende Poetik im eigentlichen Sinn, die aus der Beobachtung der Einzelwerke Schlüsse auf Formeigenheiten und Gattungsgesetze zieht.