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Relief, in der Kunst die plastische Gestaltung in der Fläche, die die Figuren aus der Ebene hervortreten lässt, eine tiefenräumliche Staffelung jedoch mit zeichnerischen, also zweidimensionalen Mitteln erreicht.
Das Relief vereinigt die dreidimensionalen Eigenschaften der Plastik mit den linearperspektivischen Gesetzmäßigkeiten und Möglichkeiten der Zeichnung. In der Terminologie unterscheidet man zwischen dem Hochrelief, in dem die plastische Ausarbeitung stark aus der Fläche hervortritt, dem Halbrelief, bei dem die Tiefendimension der plastischen Ausarbeitung proportional um die Hälfte verkürzt ist und dem Flachrelief, bei dem sich die Wölbung nur wenig von der Kontur abhebt. Beim versenkten Relief, einer Sonderform der altägyptischen Kunst, bleiben die „Leerflächen” an der Oberfläche stehen, während die Figuren versenkt in die Oberfläche eingearbeitet sind. Je nach dem Grad der Annäherung an malerische Bildkonzepte unterscheidet man stilistisch zwischem dem strengen Relief und dem malerischen Relief: Das strenge Relief lebt vom Umriss der Figuren, die ohne Überschneidungen vor der so weit wie möglich leer gelassenen (und bisweilen durch Malerei akzentuierten) Fläche stehen; das malerische Relief gestaltet diese Flächen mit Landschaften, Architektur oder figuralen Hintergründen nach malerischen Gesetzmäßigkeiten. Werkstoffe des Reliefs sind alle Materialien, die sich für plastische Gestaltungen eignen, also von innen heraus oder von außen hinein zu bearbeiten sind.
Ritzdarstellungen, die in gewisser Hinsicht als Vorläufer des Reliefs anzusehen sind, finden sich schon in vorgeschichtlicher Zeit (siehe paläolithische Kunst). Schnitzereien und Steinreliefs zeichnen die Kunst nahezu aller, auch schriftloser Kulturen aus. Hoch entwickelt ist seit der Antike das indische Relief, meist vielfigurig und von plastischer Fülle und oft von riesigem Format (siehe indische Kunst und Architektur). Im ostasiatischen Raum finden sich schon im 2. Jahrtausend v. Chr. reliefierte Keramik sowie reliefierte Bronzegefäße seit dem 16. Jahrhundert v. Chr. Einen Höhepunkt erreichte die Reliefkunst im Vorderen Orient und im alten Ägypten im 3. Jahrtausend v. Chr. (siehe ägyptische Kunst und Architektur); in der griechischen Antike löst es sich von seiner engen Bindung an die Architektur und erlangt als selbständige Kunstgattung eine Bedeutung, die das Fundament für die gesamte abendländische Entwicklung werden sollte (siehe griechische Kunst und Architektur). Seine höchste Vervollkommnung erreicht das Relief hier in den Friesen des Parthenons. Die christliche Spätantike und das frühe Mittelalter bevorzugen das Relief im Bereich der Kleinkunst, erst in Romanik und Gotik erreichen die architektonisch-plastischen Anlagen der Portale der großen Kathedralen wieder das große Format. Ein Wiederaufleben des malerischen Reliefs, wie es schon in der Antike entwickelt worden war, bringen die Renaissance und in deren Nachfolge der Barock. Den Durchbruch zur Moderne mit der Aufhebung jeglicher konventionellen Reliefauffassung erreicht Auguste Rodin mit seinem 1880 begonnenem monumentalen Höllentor, das auch für die figürliche Reliefkunst des 20. Jahrhunderts bahnbrechend gewirkt hat.