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Sitte

Sitte, tradierte, nicht als Gesetz fixierte Normen einer Gesellschaft oder gesellschaftlichen Gruppe, die in Form „eingelebter” alltäglicher Regeln das soziale Handeln im öffentlichen wie im privaten Leben bestimmen.

Sitten beruhen auf überlieferten, kulturspezifischen Werten und Normen eines Gemeinwesens. Sie entstehen durch die regelmäßige Wiederholung von Verhaltensweisen in immer wiederkehrenden Situationen. Die Mitglieder einer Gruppe orientieren ihr Verhalten fortwährend aneinander, wobei sich durch die unreflektierte Internalisierung dieser Normen eine Routine des Verhaltens herauskristallisiert. Die Einhaltung der Sitten kann gesellschaftlich durch Sanktionen kontrolliert werden.

In den modernen Industriegesellschaften herrscht eine Tendenz zur Verrechtlichung vor, d. h. immer mehr überkommene, häufig in vorindustrieller Zeit ausgebildete Sitten verlieren für die Regelung menschlichen Zusammenlebens an Bedeutung gegenüber den meist liberaleren, schriftlich fixierten Gesetzesnormen.

Siehe auch Brauch; Gewohnheitsrecht