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Spracherwerb
1. Einleitung

Spracherwerb, Vorgang des Erlernens einer Sprache. Es ist zu unterscheiden zwischen Erstspracherwerb (Erwerb der Muttersprache) und Zweitspracherwerb. Bei letzterem wird wiederum zwischen natürlichem und gelenktem Zweitspracherwerb differenziert. Unter gelenktem Zweitspracherwerb versteht man den schulischen bzw. institutionalisierten Sprachunterricht (Fremdsprachenunterricht), während man von natürlichem Zweitspracherwerb spricht, wenn man sich eine Sprache ohne Unterricht aneignet.

Jedes gesunde Kind beginnt, ohne Unterweisung seine Muttersprache zu erwerben. Dabei ist die Erwerbsreihenfolge invariabel: Das Kind lernt seine Stimmorgane kennen und produziert Laute (Lallphase). Mit circa zwölf Monaten produziert es erste Einwortsätze, in der ein einzelnes Wort jedoch eine weitaus größere Bedeutung hat (z. B. wauwau = ich will meinen Teddy). Mit eineinhalb Jahren verfügt das Kind über circa 50 Einwortäußerungen. Es folgt die Zweiwortphase (z. B. Hose nass), und der so genannte vocabulary-spurt setzt ein: In den folgenden zwei Jahren nimmt das Vokabular rapide zu (mit drei Jahren circa 850 Wörter). Mit zwei Jahren beginnt die Drei- und Mehrwortphase, in der das Kind auch komplexere Strukturen zügig erwirbt. Der Syntaxerwerb gilt mit zehn bis zwölf Jahren als abgeschlossen.

2. Erklärungsansätze

Innerhalb der Spracherwerbsforschung unterscheidet man gemeinhin vier Erklärungsansätze: 1. Behavioristisch: Der Behaviorismus beschreibt den Lernvorgang als Imitation. Die sprachlichen Strukturen bilden sich in dem Maße heraus, in dem der Lerner das Gehörte übt und dafür gelobt oder getadelt wird. 2. Kognitivistisch: Man erklärt den Spracherwerb in Abhängigkeit von der kognitiven Entwicklung. Das Kind verhält sich aktiv und konstruktiv. Es konstruiert seine eigene – auch sprachliche – Entwicklung durch aktive Auseinandersetzung mit seiner Umwelt, und zwar im Einklang mit seiner gesamten biologischen und sonstigen Entwicklung. 3. Interaktionistisch: Sprache kann nur in sozialer Interaktion gelernt werden. Kinder bringen die jeweilige Situation in Zusammenhang mit den sprachlichen Äußerungen, die dazu abgegeben werden, und erwerben so ihre Sprache. 4. Nativistisch: Man nimmt an, dass grundlegende sprachliche Strukturen bzw. Kenntnisse über die Strukturierungsprinzipien natürlicher Sprachen in der Form einer Universalgrammatik mit bestimmten Optionen angeboren sind, denn es ist kaum vorstellbar, wie Kinder aus defizitärem Input in wenigen Jahren eine derart umfassende sprachliche Kompetenz entwickeln können.