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Sprachwandel

Sprachwandel, in der historischen Linguistik untersuchtes, durch interne und externe Faktoren bestimmtes Phänomen des Sichveränderns von Sprache auf allen ihren Ebenen. Natürliche Sprachen sind nicht statisch, sondern unterliegen einem ständigen Wandel. Dieser Wandel lässt sich „im Nachhinein”, d. h. auf der historischen Ebene der Sprachwissenschaft feststellen. Seine Beschreibung erfolgt auf den unterschiedlichen Sprachebenen. Gegenstand der Beschreibung ist der Istzustand von Sprachen mit Einblick in die Prozesse, die zu diesem Zustand geführt haben. Untersucht werden hierbei:

Der Lautwandel, d. h. die Entwicklung von Lauten innerhalb von Sprachen, mit der Erarbeitung von z. B. Lautgesetzen, die das Verhalten (Verschwinden, Verändern, Auftauchen) von Lauten erklären; der morphologische Wandel, d. h. die Entwicklungen der Flexionsformen oder ihrer Verhaltensweise mit der Erkennung von z. B. Analogiegesetzmäßigkeiten; der syntaktische Wandel auf der Ebene der Zusammensetzung der Satzstruktur; und der semantische Wandel, d. h. die Bedeutungsveränderungen (Erweiterungen oder Verengungen) auf der lexikalischen Ebene. Der Wandel in diesen unterschiedlichen Bereichen bezieht sich zum einen auf innersprachliche Faktoren, aber auch auf externe Faktoren, wie z. B. den Sprachkontakt.

Der Prozess der Sprachökonomie (Vereinfachung von Sprache), aber auch der der Verdeutlichung von sprachlichen Differenzierungen werden als Gründe für den Sprachwandel angesehen. Beide Faktoren verhalten sich in ihrer Wirkungsweise entgegengesetzt und bedingen auf diese Weise die Weiterentwicklung von Sprachen und ihren Wandel. Sie lassen jedoch keine Vorhersagen über den weiteren Verlauf des Sprachwandels zu.