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| 4. | Kritik an der Globalisierung |
Doch nicht nur in Krisenzeiten zeigen sich die Gefahren der Globalisierung. Um für ausländische Investitionen die notwendigen Voraussetzungen (z. B. Infrastruktur) zu schaffen, haben sich zahlreiche Staaten hoch verschuldet. Die Hoffnung, damit langfristig die Zukunft zu sichern, erfüllt sich häufig nicht. Vielmehr zeigt sich, dass sich die Volkswirtschaften der Entwicklungs- und Schwellenländer nicht nur mit den etablierten Industriestaaten, sondern auch untereinander in einem scharfen Wettbewerb um die günstigsten Bedingungen befinden. Heben die Investitionen den Lebensstandard, steigt auch das Lohnniveau. Wenn dies nicht durch andere Faktoren, z. B. den Ausbau der Infrastruktur, die Ausbildung von Fachkräften oder staatliche Subventionen, ausgeglichen werden kann, wird die Ansiedlung neuer Produktionsstätten unwahrscheinlicher; selbst eine Abwanderung von Unternehmen in Regionen mit (noch) niedrigerem Lohnniveau droht.
Die große Mobilität des Kapitals begünstigt diejenigen multinationalen Unternehmen, denen als Global Player eine zuvor nicht gekannte Macht zufällt. Mit der Möglichkeit, Produktionsstätten in viele Teile der Welt zu verlegen und damit vor Ort Menschen in die Arbeitslosigkeit zu entlassen, können sie auch Staaten gegeneinander ausspielen. Diese sehen sich in einen Konkurrenzkampf um günstige Produktionsbedingungen verwickelt: Um das eigene Land als Kapitalstandort attraktiver zu machen und nicht zu den Globalisierungsverlierern zu gehören, sehen sich die jeweiligen Regierungen zu weitreichenden Zugeständnissen an die Unternehmen gezwungen. In der Debatte über die Attraktivität des „Standorts Deutschland” etwa wurde über die Senkung der Arbeitskosten, insbesondere der Lohnnebenkosten, die Ausweitung der Wochenarbeitszeit und eine Reform der Unternehmensbesteuerung diskutiert. Als weitere Faktoren, die ein Land als Kapitalstandort attraktiv machen, gelten u. a. politische Stabilität, gute Infrastruktur, gut ausgebildete Arbeitskräfte und geringe bürokratische Hürden.
Viele Menschen in den westlichen Industrieländern sehen durch die Auswirkungen der Globalisierung ihren Wohlstand oder sogar ihre wirtschaftliche Existenz bedroht. Zur Erhaltung ihres Arbeitsplatzes sehen sie sich gezwungen, Mehrarbeit zu leisten oder nehmen Reallohneinbußen und Einschnitte bei der sozialen Sicherung in Kauf. Dennoch führen selbst hohe Gewinne der multinationalen Unternehmen nicht zu sicheren und gut bezahlten Arbeitsplätzen. Stattdessen nehmen die Einkommensunterschiede zwischen den wenigen Führungskräften und den Angestellten oder Arbeitern immer weiter zu.
Globalisierungskritiker weisen zudem auf einen gefährlichen Machtverlust der Politik hin. Nicht mehr Regierungen, deren Handeln durch Verfassungen und internationale Abkommen vorgegeben und die in Wahlen vom Volk kontrolliert werden, würden das Leben der Menschen bestimmen, sondern der Konkurrenzkampf zwischen nur ihrem Gewinnstreben verpflichteten Konzernen in einer „anarchischen Wirtschaftsordnung, die über Leichen geht” (Heiner Geißler). Die bekannteste globalisierungskritische Organisation ist die 1998 in Frankreich gegründete attac. Eine zentrale Forderung von attac ist die Einführung der nach dem Wirtschaftswissenschaftler James Tobin benannten Tobinsteuer, die Devisentransaktionen finanziell belasten und dadurch kurzfristige Währungsspekulationen unterbinden soll.