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Karl Schiller

Karl Schiller (1911-1994), Nationalökonom und Politiker (SPD). Schiller wurde am 24. April 1911 in Breslau geboren. Während seines Studiums der Volkswirtschaft und der Soziologie trat er 1931 dem Sozialistischen Studentenbund bei. 1935 beendete er sein Studium; anschließend war er am Institut für Weltwirtschaft beschäftigt, und von 1941 bis 1945 leistete er Kriegsdienst. 1947 erhielt er eine Professur in Hamburg, die er bis 1972 innehatte, und wurde außerdem Direktor des Hamburger Instituts für Außenhandel und Überseewirtschaft. Seine politische Laufbahn begann Schiller, seit 1946 Mitglied der SPD, im Stadtstaat Hamburg: Hier war er von 1948 bis 1953 Senator für Wirtschaft und Verkehr. 1961 holte ihn der Regierende Bürgermeister Willy Brandt als Wirtschaftssenator nach Berlin, und 1965 wechselte Schiller als Bundestagsabgeordneter nach Bonn, wo er sich als wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion einen Namen als Wirtschaftsfachmann machte.

Als Bundeswirtschaftsminister von 1966 bis 1972 entwickelte Schiller zusammen mit Bundesfinanzminister Franz Josef Strauß in der großen Koalition unter Kurt Georg Kiesinger (1966-1969) das am Keynesianismus orientierte Stabilitätsgesetz, das 1967 verabschiedet wurde. Im Zusammenhang damit forcierte er die konzertierte Aktion zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und Gebietskörperschaften zur Erreichung u. a. eines hohen Beschäftigungsgrades und eines hinreichenden Wirtschaftswachstums. In der sozialliberalen Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt war er ebenfalls Wirtschaftsminister und ab 1971/72 auch Bundesfinanzminister. Schiller geriet wegen seines Sparkonzepts zunehmend in Konflikt mit seiner Partei: 1972 trat er als Wirtschafts- und Finanzminister zurück– sein Nachfolger in beiden Ämtern wurde Helmut Schmidt. Ebenfalls in diesem Jahr trat er aus der SPD aus, der er 1980 jedoch wieder beitrat. Nach 1972 war er als Berater in der Industrie und bei verschiedenen in- und ausländischen Regierungen tätig. Schiller starb am 26. Dezember 1994 in Hamburg.

Schiller veröffentlichte zahlreiche Schriften zur Wirtschafts- und Finanzpolitik, u. a. Sozialismus und Wettbewerb (1955) und Betrachtungen zur Geld- und Konjunkturpolitik (1984).