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Analytisches Drama

Analytisches Drama, auch Enthüllungsdrama, Form des Dramas, bei der sich die für den Konflikt entscheidenden Ereignisse nicht erst durch die Bühnenhandlung ergeben, sondern deren Voraussetzung sind und im Verlauf entdeckt werden. Die Aufdeckung selbst bildet zumeist den Abschluss der Handlung.

Die allgemeinen Bestimmungen des analytischen Dramas können sich in den jeweiligen Stücken sehr unterschiedlich konkretisieren: In Sophokles’ König Ödipus (vor 425 v. Chr.) vollzieht der unschuldig-schuldige Held, dem seine Herkunft verborgen war, unwissend das ihm prophezeite Schicksal (den Mord am Vater und die Heirat der Mutter), welches sich in der von ihm vorangetriebenen Aufdeckung offenbart. In Heinrich von Kleists Der zerbrochene Krug (1808) hingegen ist der Held, der Dorfrichter Adam, die einzige wissende Person und trägt gerade wider seinen Willen zur Aufdeckung des von ihm begangenen Vergehens bei. Anders als in diesen beiden Dramen kann die Aufdeckung aber auch zu einer unerwarteten Versöhnung führen wie in Gotthold Ephraim Lessings Schauspiel Nathan der Weise (1779), das sich allerdings nur bedingt als analytisches Drama bezeichnen lässt. Im Naturalismus diente das analytische Drama zur Darstellung der Wirkung von Abstammung und Milieu bzw. zur Gesellschaftskritik, so in Henrik Ibsens Gespenster (1881) oder Johannes Schlafs Meister Oelze (1892). Weitere Beispiele für analytische Dramen sind Friedrich Schillers Die Braut von Messina (1803), Franz Grillparzers Die Ahnfrau (1817), Friedrich Hebbels Maria Magdalena (1844) und Gerhart Hauptmanns Der Biberpelz (1893).