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Industriegesellschaft, alltagssprachliche und sozialwissenschaftliche Bezeichnung für eine Gesellschaftsform, die sich historisch aus agrarischen Gesellschaften entwickelt hat und sich durch einen hohen technisch-wirtschaftlichen Standard auszeichnet. Der Begriff der Industriegesellschaft geht auf Claude Henri de Saint-Simon zurück, der als erster Sozialwissenschaftler die einschneidenden gesellschaftlichen Veränderungen durch die Fabrikproduktion wahrnahm. Die moderne, heutige Industriegesellschaft zeichnet sich aus durch ein ausgeprägtes Fortschritts-, Leistungs- und Erfolgsstreben, durch ein hohes Ausbildungsniveau, durch einen hohen Grad an Arbeitsteilung und damit zusammenhängend eine permanente Steigerung der Produktivität sowie durch eine hohe vertikale und horizontale Mobilität, durch die räumliche Trennung der verschiedenen Lebensbereiche, durch einander ablösende Zentren von Industrie und Handel, durch Verstädterung, durch den Funktionsverlust von Familie und Verwandtschaft und vieles andere mehr.
Kritik an einer wissenschaftlichen Verwendung des Begriffs Industriegesellschaft richtet sich gegen seine mangelnde Spezifizierung. Aus marxistischer Sicht wurde vorgebracht, der Begriff der Industriegesellschaft sage nichts über die sie umgebenden Produktionsverhältnisse aus. Außerdem würden viele negative Wirkungen wie ökologische Probleme oder Arbeitslosigkeit der Industrie als solcher angelastet statt ihrer kapitalistischen Benutzung. Marx kritisierte die Unterwerfung der ganzen Wirtschaft und Gesellschaft unter den Zweck der Geldvermehrung. Aufgrund der Ausbreitung des so genannten tertiären Sektors der Wirtschaft, des Bereichs der Dienstleistungen, bezeichnet man heute die am weitesten entwickelten Industriegesellschaften oft auch als postindustrielle Gesellschaften.