| Suchansicht | Hautkrankheiten | Artikelansicht |
| 1. | Einleitung |
Hautkrankheiten, Dermatosen, pathologische Veränderungen der Haut durch äußere oder innere Faktoren.
Hautkrankheiten werden unterschieden nach Ausbreitung und Art sowie (falls feststellbar) Ursache der Hautveränderungen. Neben oberflächlichen Hautveränderungen (Effloreszenzen, „Hautblüten”) können auch an Mundschleimhaut, Kopfhaut und Nägeln sowie im Anal- und Genitalbereich Veränderungen bestehen. Als charakteristische Primäreffloreszenzen gelten direkte Erkrankungsfolgen wie Flecken (Maculae, Makel), Knötchen (Papulae, Papel) und Knoten (Noduli), Plaques, Urtika (Quaddeln), Bläschen (Vesiculae), Pusteln (Eiterbläschen) und Blasen (Bullae). Aus ihnen können (etwa durch Kratzen) weniger typische sekundäre „Hautblüten” entstehen, zu denen u. a. Schuppen (Squamae), Nekrosen (Schorf), Krusten und Geschwüre (Ulcera) gezählt werden.
Die auch nach Größe, Umriss, Abgrenzung und Farbe verschiedenen Effloreszenzen, als Gesamterscheinung oft Hautausschlag (Exanthem) genannt, können einen Anhaltspunkt zur Einteilung der verschiedenen Hauterkrankungen geben. Bei der Diagnose sind außerdem auslösende Ursachen (Erreger, Allergien), auch die Haut betreffende allgemeine Krankheitskategorien (Entzündung, Geschwulstbildung) oder Störungen von Funktionen wie Verhornung von Bedeutung.
| 2. | Hautentzündungen (Dermatitiden) und Reaktionen auf physikalische oder chemische Reizung |
Hautentzündung oder Dermatitis geht mit Rötung, Juckreiz oder Nässen einher. Sie rührt oft von physikalischer oder chemischer Einwirkung her, durch Kontakt mit Industrieprodukten oder mit pflanzlichen Giften, wie z. B. dem Gift des Giftsumachs oder durch Sonnenbrand, der durch eine Überdosis ultravioletter Strahlung hervorgerufen wird. Vor allem Sonnenbrände erhöhen das Risiko von Hautkrebs. Sonnenbrand gehört zu den Lichtdermatosen, das sind Hautkrankheiten, die durch die Ultraviolettstrahlung des Sonnenlichtes ausgelöst werden. Eine andere Lichtdermatose ist die Lichtallergie oder Sonnenallergie, eine oftmals mit Juckreiz verbundene allergische Hautreaktion, die mit Pusteln, Bläschen oder flechtenartigem Ausschlag einhergeht. Eine Sonnenallergie kann Folge der Einnahme von Antibiotika oder Johanniskrautextrakt sein. Sie wird mit Hydrocortison behandelt, Betroffene dürfen sich entweder gar nicht der Sonne aussetzen oder müssen Sonnenschutzmittel mit sehr hohem Lichtschutzfaktor verwenden. Zu Hautveränderungen durch Kälteeinwirkung siehe Erfrierungen.
Die Wiesengrasdermatitis wird durch Pflanzenextrakte und anschließende Sonnenbestrahlung verursacht, vorwiegend bei Menschen, die viel mit Pflanzen in Berührung kommen. Eine Kontaktdermatitis kann durch einen primären chemischen Reiz entstehen oder eine verzögerte allergische Reaktion sein. Sie kann auch durch Bekleidungsteile (Jeansknopf, Büstenhalterverschluss) oder Modeschmuck verursacht werden und zählt zu den Ekzemen.
Die seborrhoische Dermatitis, eine entzündliche, schuppende Erkrankung der Kopfhaut, des Gesichts und gelegentlich anderer Körperpartien, ist eine der häufigsten Hautkrankheiten überhaupt. Sie verläuft wechselhaft, abhängig auch von Klima und psychischen Faktoren. Trotz der Bezeichnung sind Zusammensetzung und Absonderung des Talges bei dieser Erkrankung normal (im Gegensatz zur Seborrhö).
Verschiedene Arzneimittel können Entzündungsreaktionen der Haut auslösen. Eine lebensbedrohliche Hauterkrankung, bei der durch Absterben, Ablösung und Blasenbildung großer Teile der Oberhaut (Epidermis) ausgedehnte offene Flächen entstehen, ist die toxische epidermale Nekrolyse. Sie wird gewöhnlich durch Arzneimittelreaktionen (z. B. auf Sulfonamide oder Antiepileptika) ausgelöst. Eine schwere Allgemeinreaktion mit Schüttelfrost, Muskelschmerzen und Fieber begleitet die Hautablösung. Bei Beteiligung der Augenbindehäute besteht Erblindungsgefahr. Die betroffenen Hautpartien ähneln häufig Brandwunden zweiten Grades. Auch innere Organe wie Milz, Lunge, Nieren und Herz sind betroffen.
| 3. | Erregerbedingte Hautkrankheiten |
Verschiedene Hautinfektionen werden durch Bakterien, Pilze (siehe Pilzinfektionen), Parasiten (siehe Krätze, Läuse) und Viren ausgelöst. Eine Infektion durch Streptokokken kann eine Impetigo (Eiterflechte) oder ein Erysipel (Wundrose) zur Folge haben. Eine oberflächliche Infektion und Irritierung der Haarfollikel ist die Follikulitis (Haarbalg-, Haartaschenentzündung), in der Regel verursacht durch Staphylococcus aureus, oft in der Bartgegend. Die akute Hauterscheinung besteht aus einer oberflächlichen Pustel oder einem entzündeten Knötchen, welches das Haar umgibt. In einer tieferen Hautschicht erzeugen dieselben Erreger Furunkel (lateinisch furunculus: kleiner Dieb; gemeint ist: … der Körpersäfte): weiche, entzündete Knötchen um die Haarbälge herum. Letztere sterben ab und werden als Eiterpropf abgestoßen. Die Erkrankung befällt häufig junge, gesunde Menschen: Wenn Teenager in überfüllten Quartieren mit unzureichenden hygienischen Bedingungen leben, können kleinere Epidemien auftreten. Treten räumlich oder zeitlich benachbart mehrere Furunkel auf, spricht man von einer Furunkulose, mehrere zusammenfließende bezeichnet man als Karbunkel. Siehe auch Frambösie; Orientbeule
Eine parasitäre Hautinfektion ist die so genannte Creeping Eruption, hauptsächlich übertragen durch Ancylostoma brasiliense, dem Hakenwurm eines Hundes oder einer Katze. Die Parasiten legen ihre Eier in Hunde- oder Katzenkot ab. Die Larve überlebt in warmem, feuchtem Erdreich oder Sand und dringt in ungeschützte Haut ein, wenn diese den Erdboden berührt. Am häufigsten werden die Füße, die Beine, das Gesäß oder der Rücken befallen. Das zufällige Einbohren des Parasiten in die Haut führt zu gewundenen, fadenförmigen und entzündeten Gängen. Der heftige Juckreiz löst häufig eine lokal begrenzte Neurodermitis oder eine bakteriell bedingte Infektion mit bizarrem Muster aus. Viren verursachen u. a. Warzen, Feigwarzen und die verschiedenen Formen des Herpes.
| 4. | Erkrankungen der Talgdrüsen |
Bekannteste Krankheit ist die mit Akne bezeichnete Hautveränderung. Die Europäische Vereinigung für Ästhetische Laserchirurgie informierte 1997 in Stuttgart über den Einsatz der Lasertechnik zur Behandlung von Altersflecken, Akne oder Falten. Die Lasertechnik sei effektiver und weniger schmerzhaft als konventionelle Methoden, doch dürfe man Risiken wie Narbenbildung und Infektionen nicht aus dem Auge verlieren. Der Laser ermögliche im Gegensatz zu konventionellen Verfahren eine kontrollierte Oberflächenabtragung.
Als Keratinzysten (Grützbeutel, Talgzysten, Atherome) werden langsam wachsende, gutartige Hauttumoren bezeichnet, die mit einer hornigen und talgigen Masse gefüllt sind und häufig auf der Kopfhaut, an den Ohren, im Gesicht oder auf dem Rücken zu finden sind. Beim Betasten erweisen sie sich als derb, kugelig, verschiebbar und unempfindlich; sie verursachen selten Beschwerden, es sei denn bei einer Infektion. Öffnet man die Zyste, so entleert sich der für sie typische käseartige, häufig übel riechende Inhalt, der aus Zelltrümmern und talgartigem Material besteht. Eine bakterielle Sekundärinfektion mit Abszessbildung ist möglich.
| 5. | Papulo-squamöse und Blasen bildende Erkrankungen |
In dieser Gruppe ist die bekannteste Erscheinung die Psoriasis (Schuppenflechte). Knötchen oder Schuppen bildend sind auch die Schüppchenrose (Pityriasis rosea), eine meist ohne Zutun ausheilende, mild verlaufende Hauterkrankung, und die Knötchenflechte (Lichen ruber planus). Zu den Blasen bildenden Hauterkrankungen gehören Pemphigus (Blasensucht) und das bullöse Pemphigoid. Bei beiden handelt es sich um Autoimmunerkrankungen; das Serum und die Haut der Pemphigus-Patienten im aktiven Stadium enthalten leicht nachweisbare Antikörper. Die Pemphigus-Häufigkeit ist in Südamerika, speziell in Brasilien, besonders hoch. Das bullöse Pemphigoid ist eine chronische, gutartige, Blasen bildende Erkrankung, die in erster Linie bei älteren Menschen zu beobachten ist.
| 6. | Störungen der Verhornung und der Pigmentierung |
Die am weitesten verbreitete Verhornungsstörung ist die Ichthyosis oder Fischschuppenkrankheit, ein erbliches Hautleiden, das in den ersten Lebensjahren zum Ausbruch kommt und sich durch trockene Haut und fischschuppenähnliche Hautveränderungen auszeichnet, verursacht durch verminderte Absonderungen der Talg- und Schweißdrüsen und übermäßige Verhornung. Eine angeborene Hypopigmentierung, also verminderte Melaninbildung, ist der Albinismus, wohingegen Vitiligo ein erworbenes Fehlen von Melanozyten kennzeichnet. Eine durch Melaninablagerungen hervorgerufene Hyperpigmentierung kann Anzeichen sein für hormonelle Veränderungen, wie sie bei der Addison-Krankheit, in der Schwangerschaft oder bei der Einnahme von Kontrazeptiva („Antibabypille”) eintreten. Eine Dunklerfärbung kann auch durch eine gesteigerte Melaninbildung hervorgerufen werden, wie sie bei einer Hämochromatose zu beobachten ist, oder durch Silberablagerungen bei Argyrie.
| 7. | Maligne Tumoren |
Hautkrebse epidermalen Ursprungs (Basalzell- und spinozelluläre Karzinome) zählen zu den häufigsten bösartigen Tumoren beim Menschen. Die Mehrzahl dieser Tumoren entsteht auf sonnenexponierter Haut. Sie sind am meisten verbreitet unter den im Freien Arbeitenden (Bauern, Seeleuten, Fischern), Sportlern und Sonnenbadenden und hängen mit dem Melaningehalt der Haut zusammen; hellhäutige Personen sind am anfälligsten. Derartige Tumoren können sich auch Jahre nach einer Verbrennung durch Röntgenstrahlen oder Radium und nach Arseneinnahme entwickeln.
Das maligne (bösartige) Melanom wird auch als Pigmentzellkrebs oder schwarzer Krebs bezeichnet. Es ist die seltenste (wenngleich in der Häufigkeit zunehmende), aber zugleich gefährlichste Form von Hautkrebs, die sich z. B. aus einem Muttermal entwickeln kann; häufiger zeigt sich dieses Melanom jedoch als neu entstandener Fleck auf der Haut. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Unregelmäßig geformte, unscharf begrenzte Pigmentflecken, die größer als fünf Millimeter sind, sollten von einem Hautarzt untersucht werden. Nach einem 2001 in der Fachzeitschrift Der Hautarzt erschienenen Bericht nimmt zwar die Häufigkeit maligner Melanome zu, doch werden diese häufiger in einem frühen Stadium (solange die Tumordicke kleiner als 1,5 Millimeter ist) diagnostiziert; offenbar bewirkten Aufklärungskampagnen zur Melanom-Früherkennung, dass Betroffene eher zum Arzt gehen. Wissenschaftler der Universitäts-Hautklinik Münster berichteten 1998 über Versuche, maligne Melanome durch eine Immuntherapie zu heilen. Dabei wird das Immunsystem mit Hilfe von körpereigenen, so genannten dendritischen Antigen-präsentierenden Zellen stimuliert. Die aus dem Blut des Patienten gewonnenen Zellen werden mit körpereigenen Proteinmolekülen vermischt und in den Körper diffundiert. Die Therapie war bei Patienten erfolgreich, die Tumoren im fortgeschrittenen Stadium aufwiesen. Die häufigste Form von Hautkrebs ist das Basaliom, eine nicht metastasierende Krebserkrankung. Wie die australische Skin and Cancer Foundation 2000 berichtete, lässt sich die Erkrankung in vielen Fällen erfolgreich mit einer Warzensalbe bekämpfen, die den Wirkstoff Imiquimod enthält; auch diese Substanz stärkt das körpereigene Abwehrsystem.
| 8. | Hauttransplantation |
Manchmal werden große Flächen Haut entweder durch einen Unfall (Verbrennungen), durch Hautkrebs oder bei einem chirurgischen Eingriff zerstört. Normalerweise bildet sich dann neue Haut, die von den Rändern der Wunde her wächst. Die Bildung von Narbengewebe verhindert allerdings oft ausreichendes Neuwachstum der Haut. Die Transplantation eines Stückes Haut von einer anderen Körperstelle auf die Wunde kann hier Abhilfe schaffen. Anfangs wird das Transplantat durch das Serum ernährt, das an der Wunde austritt. Später wachsen Kapillaren von den Seiten her in das Transplantat ein. Schließlich verschmilzt das Transplantat mit der umgebenden intakten Haut.
Es gibt verschiedene Verfahren der Hauttransplantation. Bei einem der Verfahren werden die meist an Bein oder Hüfte entnommenen Hautstücke, oft auch zusammen mit den versorgenden Blutgefäßen und Nerven, direkt auf die betroffenen Stellen verpflanzt. Es gibt aber auch die Möglichkeit, entnommene Hautpartien vielfach einzuschneiden, wodurch das entstehende Hautgitter auf das Dreifache der ursprünglichen Größe gedehnt werden kann. Außerdem kommen gezüchtete Hautzellen (siehe Gewebezüchtung) zusammen mit Fibrinkleber zum Einsatz.
In der Regel können permanente Hauttransplantate nur an derselben Person oder zwischen eineiigen Zwillingen vorgenommen werden. Fremdtransplantate werden nach etwa drei Wochen wieder abgestoßen. Künstliche Hauttransplantate dienen auch als vorübergehender Schutz der Haut während des Heilungsprozesses. Sie bestehen aus einer Dermis aus tierischen Proteinfasern und einer Epidermis aus Silicon. Haut kann auch geklont werden; jedoch fehlt der geklonten Haut die Fähigkeit zum eigenen Wachstum.
Die Unfallchirurgische Klinik in Dortmund eröffnete 1997 eine „Hautbank”, um Schwerstverbrannte mit neuen Hautteilen versorgen zu können. Die bei -180 °C eingefrorenen Hautteile stammen von verstorbenen Organspendern. Ein amerikanisches Pharmaunternehmen stellte im selben Jahr ein aus lebenden menschlichen Zellen gezüchtetes Hautimitat vor (die Zellen fallen bei der Beschneidung Neugeborener an), das als „lebendes Pflaster” zur vorübergehenden Abdeckung von Brandwunden dient. Es beschleunigt die Wundheilung und wird nicht vom Immunsystem abgestoßen. Siehe auch plastische Chirurgie
| 9. | Haut und Psyche |
Einerseits können seelische Belastungen Hautveränderungen auslösen, auf der anderen Seite sind Dermatosen oft Ursache psychischer Probleme. Bei chronischen Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Psoriasis ist es wichtig, dass der Erkrankte nicht aus Scheu immer mehr in die Isolation gerät. Insbesondere für diese Krankheiten, aber auch für Akne und Allergien, wurden in letzter Zeit auch (zusätzliche) psychosomatische Erklärungs- und Behandlungskonzepte entwickelt. Die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen Otto von Guericke e.V. berichtete 2001 über neu entwickelte Kleidung und Bettwäsche mit dauerhaft silberummantelten Mikrofasern, die antibakteriell und pilztötend wirken. Dies lindere bei chronischen Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Psoriasis den Juckreiz, und es entstünden keine zusätzlichen Infektionen.