| Traditionelle Chinesische Medizin | Artikelansicht | ||||
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| 2. | Geschichte |
Im ersten vorchristlichen Jahrtausend entstand in China im Zusammenwirken der Prinzipien der klassischen naturalistischen Schule (siehe chinesische Philosophie; Yin und Yang) und der zunehmenden klinischen Erfahrungen ein differenziertes medizinisches System, das in einer ganzheitlichen Sicht Krankheit, innere und äußere Kräfte, Organe und Substanzen, Körperoberfläche und Außenwelt zueinander in Beziehung setzt. Zwischen dem 6. Jahrhundert v. Chr. und dem 18. Jahrhundert n. Chr. erschienen zahlreiche Bücher, die Theorien, Erkenntnisse und Erfahrungen der chinesischen Medizin festhielten und noch heute in China zur Pflichtlektüre von Studierenden der Traditionellen Chinesischen Medizin gehören. Dazu zählen das Sammelwerk Huangdi Neijing (475 bis 225 v. Chr.; Des gelben Kaisers Klassiker des Inneren) sowie Shang Han Lung (um 200; Abhandlung über schädigende Kälte und andere Krankheiten), das ein diagnostisches und therapeutisches System zur Behandlung akuter Infektionskrankheiten bot und in dem sein Autor Zhang Zhongjing ein Sechs-Schichten-Modell des menschlichen Körpers entwickelte. Im 7. Jahrhundert praktizierte Sun Simiao; sein Werk Quianjin You Fang (Wichtige Rezepte, die 1 000 Goldstücke wert sind) hat wie Shang Han Lung noch heute eine große Bedeutung. Praktisch eine Enzyklopädie war 900 Jahre später Li Shi Zhens Ben Cao Gang Mu: Zu den schon bekannten rund 1 500 Arzneimitteln fügte er noch weit über 300 hinzu, verbunden mit etwa 10 000 Rezepten.
Den Begriff Traditionelle Chinesische Medizin gibt es erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert waren die medizinischen Traditionen Chinas aufgrund der Erfolge der naturwissenschaftlich fundierten Medizin bei der Krankheitsbekämpfung immer mehr verdrängt worden und gewannen erst unter Mao Tse-tung neues Ansehen. Die Lehre von Yin und Yang wurde als archaische Form des dialektischen Materialismus gedeutet und zur Leitkategorie der neu entwickelten, heute für die TCM grundlegenden „acht Leitkriterien”, zu denen die Gegensatzpaare innen–außen, Hitze–Kälte, Fülle–Leere gehören.
Als TCM im engeren Sinn gilt das gegenwärtig in seinem Ursprungsland und in westlichen Ländern praktizierte chinesische Medizinsystem. Sechs klimatische (Wind, Kälte, Hitze, Feuer, Feuchtigkeit und Trockenheit) und sieben emotionale (Zorn, Freude, Sorge, übermäßiges Denken, Trauer, Angst und Schock) Faktoren, Diätfehler und physische Über- bzw. Unterbelastung werden in der TCM zu den pathogenen Faktoren gezählt, zu denen auch Schleim- und Flüssigkeitsansammlungen und Blutstagnation gehören. Von der TCM zu unterscheiden sind die tibetische Medizin, die im 7. Jahrhundert entstand, als Texte der TCM und des Ayurveda ins Tibetische übersetzt wurden, sowie die traditionelle japanische Medizin (Kampo), die später auch chirurgische Methoden anwendete.