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Rouben Mamoulian (1898-1987), amerikanischer Film- und Theaterregisseur armenischer Herkunft. Mit visuell eindrucksvollen Filmen wie Dr. Jekyll and Mr. Hyde (1931; Dr. Jekyll and Mr. Hyde) und The Mark of Zorro (1940; Im Zeichen des Zorro) war er einer der profiliertesten Vertreter des Hollywood-Kinos in den dreißiger Jahren.
Mamoulian wurde am 8. Oktober 1898 als Sohn eines Bankpräsidenten in Tiflis geboren. Nach einem Studium der Kriminologie in Moskau und erster Bühnenarbeit am Art Theater unter dem Stanislawskij-Schüler Vaktangow gründete er 1918 in seiner Heimatstadt eine eigene Theatergruppe, mit der er zwei Jahre später in Großbritannien auf Tournee ging. In London studierte Mamoulian Schauspiel an der University of London. 1923 wanderte er in die USA aus, wo er drei Jahre lang am George Eastman Theater in Rochester (Bundesstaat New York) bei Opern- und Operetteninszenierungen Regie führte. Ab 1926 arbeitete er an der Theater Guild in New York und brachte am Broadway das sehr erfolgreiche Stück Porgy auf die Bühne, das George Gershwin 1935 als Vorlage für sein Musical Porgy and Bess diente.
Durch sein Renommee als Theaterregisseur erhielt Mamoulian von der Paramount die Möglichkeit, auch beim Film Regie zu führen. Sein Erstling Applause (1929), entstanden in den Anfängen der Tonfilmära, ist ein Melodram über eine alternde Sängerin und Tänzerin, bei dem der Regisseur bereits sein außergewöhnliches Gespür für die technischen Möglichkeiten des neuen Mediums zeigte. Auch seine folgenden Arbeiten weisen hohes Niveau auf. Auf den Kriminalfilm City Streets (1931; Straßen der Großstadt) folgten die atmosphärisch dichte Robert-Louis-Stevenson-Verfilmung Dr. Jekyll and Mr. Hyde (1931; Dr. Jekyll and Mr. Hyde) mit Fredric March und Miriam Hopkins, die als beste Filmadaption des bekannten Stoffs gilt, sowie die originelle Musical-Komödie Love Me Tonight (1932; Schönste, liebe mich), die durch seine witzigen Dialoge und seine innoativen Toneffekte überzeugte. Besonderes Talent zeigte Mamoulian auch bei der Schauspielerführung, wie die stilvolle Inszenierung der Stars Marlene Dietrich in dem Melodram The Song of Songs (1933; Das hohe Lied) und Greta Garbo in dem Historienfilm Queen Christina (1933; Königin Christine) belegt.
Als weiterer Höhepunkt seines Œuvres gilt nach Auffassung vieler Filmhistoriker die Literaturverfilmung Becky Sharp (1935; Jahrmarkt der Eitelkeiten, nach William Makepiece Thackerays Roman Vanity Fair, 1848), der für die MGM entstand und der Hollywoods erster Dreifarben-Technicolor-Film wurde. Das bei den Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnete Werk besticht durch seine innovative Farbdramaturgie, seinen flüssigen Erzählstil und die Leistung der Darsteller. Zu Mamoulians weithin unterschätzten Arbeiten gehören die Filme, die ab Ende der dreißiger Jahre entstanden wie The Gay Desperado (1936) und High Wide and Handsome (1937).
The Mark of Zorro (1940; Im Zeichen des Zorro) mit Tyrone Power und Basil Rathbone gilt als Meisterwerk des Mantel-und-Degen-Films. Ebenfalls mit Power in der Hauptrolle entstand das visuell kraftvolle Stierkämpfermelodram Blood and Sand (1941; König der Toreros), das Remake des berühmten Stummfilms von 1922 mit Rudolph Valentino. Mamoulians letzte Filme sind die Eugene-O’Neill-Adaption Summer Holiday (1948) und Silk Stockings (1957; Seidenstrümpfe), mit Fred Astaire und Cyd Charisse in den Hauptrollen, eine Musical-Version von Ernst Lubitschs Ninotchka (1939; Ninotschka). Parallel zu seiner Filmtätigkeit arbeitete Mamoulian auch weiterhin als Musical-Regisseur am Broadway, z. B. mit den erfolgreichen Produktionen A Farewell to Arms (1930), Porgy and Bess (1935), Oklahoma! (1943), Carousel (1945) und Lost in the Stars (1949). Von der Directors Guild of America wurde er 1982 mit dem D. W. Griffith Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Mamoulian starb am 4. Dezember 1987 in Woodland Hills (Kalifornien).